weather-image

Jugendarbeit / Nicole Lubetzky über Anfangsprobleme, eine ungewöhnliche Wette und positive Ergebnisse

Harten Zeiten folgen erfolgreiche Jahre

AERZEN. „Viele Jugendliche haben darauf gewettet, dass ich als Jugendarbeiterin in Aerzen schnell wieder kündigen würde. Das war damals eine harte Zeit für mich.“ Damals – das war vor zehn Jahren, denn so lange ist Nicole Lubetzky mittlerweile in der Gemeinde an der Humme tätig und wagt einen selbstbewussten Blick zurück.

veröffentlicht am 02.04.2018 um 13:51 Uhr

Das Foto stammt aus der Anfangszeit der Jugendarbeit von Nicole Lubetzky in Aerzen und zeigt die Jugendlichen, die mit ihr den Jugendraum renovierten und neu gestalteten. Foto: Archiv
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Die Politik hatte damals erkannt, dass Bedarf vorhanden war“, erinnert sie sich. Der Bedarf – das waren 50 bis 60 Jugendliche, die sich regelmäßig an der Bushaltestelle im Zentrum trafen, bei denen der Alkohol floss und die von den Vereinen mit ihren Angeboten nicht erreicht wurden. „Da war ich selbst ganz schön erschrocken, als ich das ganz konkret erlebt habe“, schildert Nicole Lubetzky ihre ersten Eindrücke aus Aerzen. Zwei Dinge habe sie damals angepackt: die Renovierung des Jugendraums mithilfe Jugendlicher, die mitbestimmen konnten, was aus dem Raum werden sollte; vor allem aber habe sie in den ersten Monaten „aufsuchende Jugendarbeit“ geleistet, sei zu den Treffpunkten der Jugendlichen gegangen und habe Kontakte zu ihnen aufgebaut. „Mir ist damals große Skepsis von diesen Jugendlichen entgegengebracht worden“, schildert sie die Lage, „weil offenbar jahrelang gemachte Versprechungen nicht eingehalten worden waren.“ Zwei Jahre habe sie gebraucht, bis sich der Treffpunkt aufgelöst und die Sauferei in der Öffentlichkeit aufgehört habe – und wiederholt noch einmal: „Das war wirklich eine harte Zeit.“ Getrunken werde sicherlich auch heute noch. „Aber nicht mehr in dieser Gemengelage. Das geschieht jetzt eher daheim oder auf bestimmten Hütten.“ Sei damals der Alkohol die Hauptkonkurrenz für die Jugendarbeit gewesen, „sind es heute die Spielekonsolen und die Smartphones“, schätzt Nicole Lubetzky die veränderte Lage ein.

Wie aber hat es die studierte Jugendarbeiterin geschafft, das Leben der Jugendlichen in andere Bahnen zu lenken? „Mein Gegenkonzept lautet: Aus der Jugend mit der Jugend für die Jugend“, erklärt sie. Im Klartext: „Die Jugendlichen sind ihre eigenen Experten, die man mit ihren Wünschen und Vorstellungen ernst nehmen muss. Ich versuche sie mitzunehmen, indem ich sie einspanne und ihnen zum Beispiel mit der Jugendleiterausbildung Verantwortung übertrage.“ Prinzipiell halte sie sich an das Konzept der offenen Jugendarbeit. „Im Rahmen der Öffnungszeiten des Jugendraumes kann jeder frei kommen und gehen. Da gibt es keinerlei Verpflichtungen. Die Jugendlichen können hier chillen und abhängen, ganz wie sie wollen.“ Zu Anfang habe es noch Versuche gegeben, Alkohol einzuschmuggeln. „Dem habe ich sofort einen Riegel vorgeschoben. Heute ist es selbstverständlich, dass es im Jugendraum weder Alkohol gibt noch geraucht wird.“

Gerade kommt die 1980 geborene Jugendarbeiterin in Trainingshose und Turnschuhen mit zerzaustem silbrig glänzenden Haar von einer Ferienpassaktion in der Turnhalle. Die Haarfarbe liege in der Familie“, sagt sie, die Farbe sei wirklich echt. „Sechs Stunden Kinderzirkus können ganz schön anstrengend sein“, bilanziert sie für den Tag. Ferienpassaktionen spielen bei ihrer Arbeit eine große Rolle. „Wir machen diese Aktionen in den Oster-, Sommer- und Herbstferien“, zählt sie auf. „Nur die Winterferien gelten für mich als eine heilige Zeit der Familien.“

Dass ihre Arbeit in Aerzen nachhaltige Wirkung zeigt, sieht sie in der Kontinuität der Jugendleiterausbildungen bestätigt. „Früher habe ich Jugendliche zu den Juleika-Kursen des Kreissportbundes geschickt; heute biete ich diese Ausbildung selbst Schülerinnen und Schülern der 9. Klasse der Oberschule als Wahlpflichtfach an. Das wird gut angenommen. Im Durchschnitt kommen zwölf bis 15 Teilnehmer in die Burg, denn meinen Unterricht gebe ich nicht in der Schule, sondern an diesem außerschulischen Lernort. Das macht einfach mehr Sinn.“ Und fügt sehr zufrieden hinzu: „Zwei meiner ehemaligen Jugendleiterinnen machen in diesem Jahr ihr Examen als Erzieherinnen, eine dritte macht es wohl im nächsten Jahr.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt