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Entwicklung des Dorfes soll nicht durch Verlegung der B 1 behindert werden / Straßenbaubehörde: Dieser Beschluss ist ein Novum

Groß Berkel will keine Ortsumgehung

GROSS BERKEL. Das ist ein Novum im Geschäftsbereich Hameln der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, wie deren Hamelner Geschäftsbereichsleiter Markus Brockmann sagt: Der Ortsrat Groß Berkel hat sich gegen eine Ortsumgehung ausgesprochen.

veröffentlicht am 19.01.2017 um 17:05 Uhr

„Da wurde über die Einwohner hinwegentschieden“: Der Beschluss des Ortsrates zur Ortsumgehung stößt auf Kritik.
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Einstimmig wurde die Forderung formuliert, von der Planung einer Ortsumfahrung Groß Berkels im Zuge der Bundesstraße 1 generell Abstand zu nehmen. Das Gremium bittet den Gemeinderat Aerzens, einen Beschluss zur Rücknahme der bestehenden Planungen zu fassen. Dieser Beschluss soll nicht nur ein Nein zur Nordumfahrung unterhalb des Riepens beinhalten. Die Groß Berkeler Politik will auch keine Umgehungsstraße zwischen dem Todtenberg und dem Schierholzberg – die sogenannte Südumgehung.

„Mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan sollen Probleme aus den 1970er Jahren mit Lösungen aus den 1980er Jahren angegangen werden“, kritisierte Dr. Marcus Schaper im Namen der SPD/Grünen-Gruppe im Ortsrat. Die Ortsumfahrung Groß Berkel ist im BVWP 2030, der als wichtigstes Instrument der Verkehrsinfrastrukturplanung des Bundes für die kommenden Jahre gilt, in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht eingestuft. „Da bereits im übergeordneten vordringlichen Bedarf deutlich mehr Projekte aufgenommen wurden, als dafür mittelfristig Gelder zur Verfügung stehen werden, muss davon ausgegangen werden, dass die Ortsumgehung Groß Berkel in den kommenden 20 bis 30 Jahren nicht umgesetzt würde“, sagte Schaper. „Die Mobilität der Menschen wird sich in diesem Zeitraum aber sehr wohl grundlegend verändern und andere Möglichkeiten eröffnen, das können wir heute bereits mit Bestimmtheit sagen.“ Als weiteres Argument führte er an, dass eine Umgehungsstraße eine Erweiterung Groß Berkels in den Ortsrandlagen behindere.

Ein solcher Beschluss eines Ortsrates ist ein gewichtiges Signal aus der Bevölkerung.

Markus Brockmann, Landesbehörde für Straßenbau

Auch der Christdemokrat Friedel-Curt Redeker wies im Ortsrat auf die gravierenden Einschnitte in die Natur und Landschaft sowie die Zerteilung der landwirtschaftlichen Flächen durch den Ortsumgehungsbau in Aerzen hin. „Das wollen wir hier in Groß Berkel nicht“, betonte er.

Aerzens Bürgermeister Bernhard Wagner (SPD) korrigierte, es gebe noch keine Planungen für eine nördliche Ortsumfahrung, sondern lediglich eine Linienbestimmung. „Wir planen das nicht, sondern können den Beschluss gegen eine Ortsumfahrung nur an die zuständigen Stellen weiterleiten“, sagte Wagner. Zuständig sei die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Träger des Baus einer Ortsumgehung im Zuge einer Bundesstraße sei der Bund, dem letztendlich auch das Planungsrecht obliege, unabhängig von örtlichen Ratsbeschlüssen, machte Brockmann deutlich. Allerdings sei ein solcher Beschluss eines Ortsrates ein gewichtiges Signal aus der Bevölkerung, das von seiner Behörde keinesfalls außer Acht gelassen würde. Es fließe in die weiteren Planungen ein, sagte der Geschäftsbereichsleiter. Zum einen werden Umgehungen gebaut, um Orte zu entlasten. Allerdings werden dadurch gleichzeitig andere Bereiche belastet. Zum anderen soll der überörtliche Verkehr schneller abgewickelt werden. Würde es sich bei einer geplanten Baumaßnahme um einen Autobahnlückenschluss handeln, wäre ein Nein aus der Bevölkerung sicherlich anders zu bewerten, als im Fall Groß Berkel. Brockmann bezeichnet es als nicht schlimm, wenn sich ein Ort so deutlich gegen eine Umgehung ausspricht. Schließlich fordere er die Politik wie auch die Bevölkerung in zahlreichen Gesprächen immer wieder dazu auf, genau zu benennen, wie sich die Situation vor Ort darstellt. Dass sich ein kommunalpolitisches Gremium gegen eine generelle Ortsumgehung ausspricht, das hat Brockmann in seinem Geschäftsbereich bisher nicht erlebt. „Tendenziell sind die Orte für eine Umgehung. Da kommt es höchstens einmal vor, dass die Politik bestimmte Linienführungen nicht für sinnvoll erachtet und stattdessen Alternativen in die Planungen einbringt.“



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