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Groß Berkel hängt den Tennissport an den Nagel

Aerzen (fn). Was waren das noch für goldene Zeiten für das Tennis in Deutschland. Boris Becker machte Bumm-Bumm und der Tennissport erlebte einen wahren Boom. Becker hechtete von Turniersieg zu Turniersieg. Steffi Graf fegte mit ihrer unglaublichen Vorhand ihre Gegnerinnen gleich reihenweise von den Courts. War Tennis in den Jahren zuvor noch eine elitäre Sportart, so stieg die Zahl der Mitglieder in den Vereinen 1989 auf über zwei Millionen an. Im ganzen Land wurde auf einmal anders gezählt - statt eins, zwei, drei hieß es nun 15, 30, 40. Kurz gesagt; „Vorteil Tennis“. Tennisbegeisterte mutierten zu Frühaufstehern, um überhaupt einen freien Platz zum Spielen ergattern zu können.

veröffentlicht am 02.02.2011 um 14:33 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:21 Uhr

Hier wird kein Tennis mehr gespielt
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Aerzen (fn). Was waren das noch für goldene Zeiten für das Tennis in Deutschland. Boris Becker machte Bumm-Bumm und der Tennissport erlebte einen wahren Boom. Becker hechtete von Turniersieg zu Turniersieg. Steffi Graf fegte mit ihrer unglaublichen Vorhand ihre Gegnerinnen gleich reihenweise von den Courts.

War Tennis in den Jahren zuvor noch eine elitäre Sportart, so stieg die Zahl der Mitglieder in den Vereinen 1989 auf über zwei Millionen an. Im ganzen Land wurde auf einmal anders gezählt - statt eins, zwei, drei hieß es nun 15, 30, 40. Kurz gesagt; „Vorteil Tennis“. Tennisbegeisterte mutierten zu Frühaufstehern, um überhaupt einen freien Platz zum Spielen ergattern zu können.

Den Vorteil hat der „weiße Sport“ längst eingebüßt, aus den gelben Filzbällen ist in den letzten Jahren die Luft entwichen. Das Tennis musste ein „Break“ hinnehmen. Nicht ausgelastete Tennishallen wurden zweckentfremdet und Tennisvereine verloren etliche Mitglieder. Oder sie lösten sich ganz auf, wie jetzt der Tennisverein Groß Berkel e. V. Der zuletzt noch 80 Mitglieder starke Verein wurde zum 31. Dezember aus dem Vereinsregister gelöscht. „Eine vernünftige Entscheidung“ wie Werner Nissel das Ende des Tennissports in Groß Berkel bezeichnet. „Der Hauptgrund ist, dass wir überaltert sind“, nennt der letzte Vereinsvorsitzende eine der Ursachen, die zur Vereinsauflösung führte. „Die Leute, die den Verein vor 30 Jahren gegründet haben, sind schon über 70, teilweise über 80 Jahre alt. Und das sind die Hauptleute, die den Tennissport noch betrieben haben“, erzählt das ehemalige Vorstandsmitglied. Im letzten Jahr nahmen mit der Herren 60+ und der Damen 50+ noch zwei Mannschaften am Spielbetrieb teil. „Die Spieler waren jedoch alle 60 bis 70 Jahre alt“, so Nissel. Es fehlte in Groß Berkel die Altersgruppe der 20 bis 50 Jährigen, genauso wie in vielen anderen Vereinen, und das auch zur Pflege der drei Tennisplätze. Die Renovierung einer Anlage im Frühjahr schlägt mit gut 1500 Euro zu Buche. Dazu kommen laufende Pflegearbeiten. „Fremdfirmen kosten viel Geld. Und wenn man es selber machen will, kann man das noch solange machen, wie man sich bücken kann und gesund ist. Das ist bei den Älteren auch nicht mehr der Fall“, erzählt der Vorsitzende. Tennisnachwuchs auf dem Dorf zu bekommen war auch nicht einfach, trotz Aktionen wie Schnupperkursen beim Ferienpass.

Mannschaftssportarten wie Handball und Fußball werden der Einzelsportart Tennis vorgezogen. „Oftmals kommen die Kinder nach 16 Uhr aus der Schule nach Hause. Was sollen die denn dann noch machen“, sieht Werner Nissel mit langen Schultagen einen weiteren Grund für den fehlenden Tennisnachwuchs. „Zwei, die noch spielen wollen, werden wohl nach Aerzen gehen. Sonst weiß ich nicht was die anderen machen werden“, kann Nissel von den ehemaligen Nachwuchsspielern berichten.



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