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Endspurt in der alten Grundschule: Ab morgen erwartet Dorfladen seine Kunden

Grohnder eröffnen Markt in eigener Regie

Grohnde. Und plötzlich geht es Schlag auf Schlag. Ein großer Sattelschlepper fährt an der ehemaligen Grundschule in Grohnde vor, Rollwagen mit Lebensmitteln, Konserven und Süßigkeiten werden ebenso ausgeladen wie Drogerieartikel und Waren des täglichen Bedarfs. Die Regale sind nun weitgehend eingeräumt in den beiden ehemaligen Klassenräumen, allein 550 Getränkekisten stapeln sich im Flur. Dort, wo vor wenigen Tagen noch eine Großbaustelle war, dübeln Hubert Hennig und Gerhard Postler noch Kleiderhaken in die Wand, Daniel Schneider checkt die Kühlanlagen. Auf fast 200 Quadratmeter Fläche öffnet hier am Samstag um zehn Uhr der Grohnder Dorfladen – ganz in eigener Regie der Einwohner. Wer einen Tante-Emma-Laden erwartet, kann die Überraschung nicht verhehlen beim Blick in die Räume. Selbst ein Bäcker und ein Metzger aus der Region bieten hier ihre Frischeprodukte an. „Das gehörte von Anfang an zum Konzept“, sagt Hennig über das komplette Nahversorgerangebot. Selbst Tiernahrung steht in den Regalen. „Wenn, dann sollen die Kunden hier alles kaufen können und möglichst nicht woanders hinfahren.“

veröffentlicht am 12.12.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:21 Uhr

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Für die rund 1100 Einwohner von Grohnde ist das ab morgen wieder eine ganz neue Erfahrung. „Einkaufen, wo ich zu Hause bin“ lautet das Motto des Dorfladens, der auch mit Kunden aus Lüntorf rechnet. Es ist schon mehr als zehn Jahre her, dass ein kleiner Laden, ein Metzger und Bäcker aus dem Ortsbild verschwunden sind, nur Verkaufswagen in dem Weserdorf ihren Stopp einlegen. Die Erwartungshaltung scheint groß zu sein. „Viele können es gar nicht erwarten, dass wir öffnen“, weiß Hennig, nach turbulenten Wochen selbst ein wenig aufgeregt angesichts des bevorstehenden Startschusses. Schließlich gab es einen ambitionierten Zeitplan bis zur Eröffnung. „Aber ich musste ja dran glauben“, schmunzelt Hennig, einer der treibenden Kräfte der Unternehmergesellschaft. Fast hundert Gesellschafter, überwiegend aus Grohnde, aber auch aus Lüntorf und dem Kernort, unterstützen das Projekt.

Zu ihnen gehört Gerhard Postler. „Ich möchte hier bald wieder einkaufen, nicht immer mit dem Auto los“, sagt der frühere Heizungsbauer, einer der rund 40 Helfer. Schwerstarbeit liegt hinter ihnen, um die Räume herzurichten – und manchmal kamen dem Handwerker im Ruhestand Zweifel, ob alles rechtzeitig klappt. „Wir haben mit einer Riesenbaustelle angefangen“, blickt er zurück. Zwischenzeitlich mussten die Helfer und ehrenamtlich tätigen Handwerker – nur für die Träger musste eine Fachfirma beauftragt werden – eine Verzögerung aufholen. „Da mussten wir ordentlich ranklotzen“, sagt der Mitgesellschafter des Dorfladens. Am Wochenende endet die Zeit ohne ortsansässiges Geschäft. „Ich freue mich darauf“, sagt Postler.

Vorbei die Zeiten, als in Grohnde die Enttäuschung über die Schließung der Grundschule vor vier Jahren hohe Wellen schlug. Schon wieder endete ein Kapitel Dorfgeschichte, verschwand ein Teil der Infrastruktur. Doch schon kurze Zeit später saßen die Einwohner zusammen – Zukunftswerkstatt nannte sich das Treffen. Die Idee eines Dorfladens in der Schule war geboren. Für professionelle Begleitung sorgte Unternehmensberater Wolfgang Gröll, der schon viele Initiativen für Dorfläden angeschoben hat. Trotz anfänglicher Bedenken in der Machbarkeitsstudie, ob es in der Bevölkerung genügend aktive Unterstützer gibt: Vor gut einem Jahr gründeten die Einwohner ihre Unternehmergesellschaft.

Sie erklärten die Nahversorgung zur gemeinsamen Sache. Die fast hundert stillen Gesellschafter beteiligen sich mit 25 000 Euro an dem Unternehmen, zu dessen Geschäftsführer Daniel Schneider bestellt wurde. Auch Hennig, bis zum Ruhestand vor einem Jahr Rechnungsführer, bringt finanziellen Sachverstand mit, ein Steuerberater arbeitet an der Spitze mit.

Der Dorfladen soll mehr bieten als nur das Angebot eines Nahversorgers. Ein Café nebenan, in dem Norbert Feist derzeit noch an einem großen Wandbild mit Wesermotiv und Domäne malt, wird bald als Treffpunkt dienen, auch über die Ladenöffnungszeiten hinaus. Ausstellungen, Liederabende, ein Bücherschrank – „die Ideen gehen durch die Decke“, sagt Hennig. cb



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