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Mehrheit der Bürger gegen Umsetzung

Glockenturm bleibt am alten Standort

GELLERSEN. Die Kirche bleibt im Dorf oder besser gesagt: Der abgängige Glockenturm an der alten Schule bekommt keinen neuen Standort, sondern soll an Ort und Stelle saniert werden. Das hat die vom Ortsrat Aerzen in Auftrag gegebenen und daraufhin von der Verwaltung durchgeführten Bürgerbefragung ergeben.

veröffentlicht am 01.03.2018 um 16:52 Uhr

Zersprungene Dachsteine am Boden lassen darauf schließen, dass der Glockenturm in Gellersen beim Sturmtief „Friederike“ zusätzlichen Schaden genommen hat. Aerzens Ortsbürgermeister Dr. Thomas Forche versucht, mit den Anwohnern den Schaden zu lokalisi
59.225-02

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Sabine Brakhan Reporterin
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180 Einwohner aus Gellersen ab einem Alter von 14 Jahren waren stimmberechtigt, 160 haben von ihrem Stimmrecht gebrauch gemacht. „Mit einer deutlichen Mehrheit von 87 zu 63 Stimmen sprachen sich die Gellerser Bürger für den Erhalt des Glockenturmstandortes an der alten Schule und damit gegen eine Umsetzung an das Dorfgemeinschaftshaus aus“, erklärt Aerzens Ortsbürgermeister Dr. Thomas Forche.

Hintergrund der Überlegungen des Ortsrates, den Glockenturm umzusetzen, war unter anderem die Tatsache, dass sich das ehemalige Schulgrundstück samt Gebäude mit Ausnahme des ebenfalls auf dem Gelände angesiedelten Trauerraums und des Glockenturms mittlerweile seit Jahrzehnten in Privatbesitz befindet. „Mit dem Trauerraum und dem Glockenturm behält das Privatgrundstück immer einen halböffentlichen Charakter und der Turm spielt im Dorfbild praktisch keine Rolle, weil er dort nur für Ortkundige wahrnehmbar ist“, so der Eindruck des Ortsbürgermeisters. Darüber hinaus erinnert er daran, dass die Nutzung der ehemaligen Schulräume als Trauerraum ursprünglich einmal nur übergangsweise als Provisorium vorgesehen war, dies nun aber im Laufe von über vier Jahrzehnten zu einer Dauerlösung geworden zu sein scheint. Auch macht der Ortsbürgermeister deutlich, dass nicht die jetzigen Eigentümer des ehemaligen Schulgeländes darauf gedrungen haben, einen neuen Standort für den Glockenturm zu suchen. Gegner einer Umsetzung befürchten, dass das Geläut vom Alternativstandort am Dorfgemeinschaftshaus nicht mehr bis zum Friedhof schallt. Andere Einwohner gaben mit ihrer Stimmabgabe zu bedenken, dass sich unter dem alternativen Standort ein verrohrter Bachlauf befindet. Aufgrund des unsicheren Untergrunds finden sie den angedachten neuen Standort nicht optimal, wie Forche unter anderem aus den Rückläufen der Umfrage erfahren hat. Mit dem Ergebnis der Bürgerbefragung hat der Ortsrat eine Entscheidungsgrundlage. Nun will Ortsbürgermeister Forche dem Ortsrat empfehlen, sich dem mehrheitlichen Bürgerwillen anzuschließen und einer Sanierung an Ort und Stelle zuzustimmen. Die Sanierungsmaßnahmen von gleich mehreren Glockentürmen im Flecken Aerzen werden mit Leader-Mitteln bezuschusst. Während anderenorts die Türme nur in Teilen saniert werden müssen, sieht der Plan für Gellersen eine komplette Erneuerung der gesamten abgängigen Holzkonstruktion vor, wie Forche erläutert. In Sachen Technikaufrüstung wünscht sich der Ortsbürgermeister, dass die Steuerung der Glocke auch über das Handy erfolgen könnte, sodass nicht immer jemand zum Läuten auf das ehemalige Schulgelände kommen muss. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik. Ebenso wie seine Überlegungen, ob nicht eventuell in ein paar Jahren eine Aufgabe des ebenfalls sanierungsbedürftigen Trauerraums Sinn macht. Stattdessen könnte auf dem Friedhof eine Schutzhütte – ähnlich der im Ruhwald Flakenholz – aufgebaut werden. „Schon heute hat Gellersen durchschnittlich lediglich zwei Beerdigungen pro Jahr, von denen meist noch eine Trauerfeier außerhalb von Gellersen in der Kirche in Hämelschenburg, im Ruhwald Flakenholz oder anderswo stattfindet“, sagt der Ortsbürgermeister und fügt an: „Eine umfangreiche Sanierung des Trauerraums an der alten Schule kann ich nicht unterstützen.“ Allerdings sind geringe Mittel für kleinere Erhaltungsarbeiten des Gellerser Trauerraums im Leader-Projektantrag enthalten. Der ebenfalls von der Bevölkerung in die Diskussion gebrachte alternative Vorschlag, den Glockenturm an den Friedhof zu versetzten, scheiterte übrigens von vorn herein an dem nicht vorhandenen Stromanschluss außerhalb der Ortschaft. „Eine Solarstromversorgung würde zum jetzigen Zeitpunkt jeden Kostenrahmen sprengen“, erläutert Forche. Ihm ist darüber hinaus die Feststellung wichtig, dass die Initiative, über einen Standortwechsel des Glockenturms nachzudenken, vom Ortsrat angestoßen wurde, und nicht, wie im Dorf verbreitet wurde, von der Zukunftswerkstatt. In dieser privaten Dorfentwicklungsinitiative ist Forche ebenfalls ehrenamtlich aktiv, aber als Privatmann und nicht als Aerzens Ortsbürgermeister, wie er unterstreicht. Das Ergebnis der Bürgerbefragung kann auch an der Infotafel in Gellersen eingesehen werden.

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