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Unterhaltungsverband beklagt Pflanzenprobleme an Gewässern / Einsatz chemischer Mittel verboten

Gegen die Exoten ist kaum ein Kraut gewachsen

Emmerthal/Aerzen (cb). Das Bild, das Manfred Mundhenk angesichts der massiven Zunahme der Pflanzen verwendet, ist bezeichnend. „Von einem wachsenden Problem“ spricht der Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes „Emmer – Humme“, wenn er die negativen Folgen durch die massive Ausbreitung von Japanischem Knöterich, Herkulesstaude und Springkraut beschreibt. Eine Lösung ist für Mundhenk nicht in Sicht – vor allem, da im Naturschutzgebiet und an den Gewässern der Einsatz der chemischen Keule verboten ist. Eine Ausnahmegenehmigung könne zwar bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt werden. Aber diese werde verweigert, sagt der Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes, der ab Ende des Monats wieder die Gewässerschau durchführen wird.

veröffentlicht am 11.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

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Der Japanische Knöterich, die Herkulesstaude und das Springkraut zählen zu den Neophyten. Damit werden Pflanzenarten bezeichnet, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern erst durch den Einfluss des Menschen in die Region gekommen sind. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises sieht das Problem, da diese Arten sehr konkurrenzstark sind und sich hier ebenfalls stark ausbreiten und heimische Pflanzen verdrängen. Aber: „Der Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel verbietet sich einerseits wegen der Nähe der Pflanzenstandorte zum Gewässer“, teilt Landkreis-Sprecher Sven Beermann mit. „Andererseits stehen Belange des Naturschutzes einer chemischen Springkrautbekämpfung im Emmertal entgegen, weil die Emmer als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, in welchem der Einsatz chemischer Pflanzenbehandlungsmittel verboten ist.“

Insbesondere das Springkraut, das etwa ab 1820 als Zierpflanze nach Europa kam, wird etwa 2,50 Meter hoch und wächst vorwiegend im Auenbereich entlang von Gewässern. „Im Uferbereich von Gewässern besetzt es weite Abschnitte und verdrängt jegliche andere Vegetation“, lautet die Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde. Die negativen Folgen, wie es weiter heißt: Da die Pflanze zu Beginn der ersten Fröste abstirbt, kann dies dazu beitragen, dass im Winter bei Hochwasser die betroffenen Uferbereiche der Gewässer abgetragen beziehungsweise geschädigt werden. „Die Bekämpfung des Springkrauts ist schwierig, da die Pflanze ein Überlebenskünstler ist“, weiß man auch beim Landkreis. Am gründlichsten sei die totale Entfernung im Jungpflanzenstadium, am besten über Jahre hinweg, da das Samenpotenzial im Boden enorm sei. Das Mähgut sollte dabei entfernt werden, da liegen gebliebene Teile wieder Wurzeln bilden. Den Erfolg schränkt die Behörde selbst ein, denn, so heißt es in ihrer Stellungnahme: „Die Mahd muss mehrfach und über Jahre hinweg durchgeführt werden, so dass die erfolgreiche Bekämpfung – wenn überhaupt noch möglich – sehr zeit- und geldaufwendig ist.“

Genau das ist das Dilemma des Unterhaltungsverbandes, der sich auch dem Natur- und dem Hochwasserschutz verpflichtet fühlt. Für Gewässerufer mit einer Gesamtlänge beiderseits von 140 Kilometern sei der Verband zuständig, erläutert Mundhenk. „Das ist finanziell und personell nicht leistbar.“ Früher sei der Bewuchs mit chemischen Mitteln bekämpft worden, bis es verboten worden sei. „Sehr vorsichtig und gezielt wird jede Pflanze einzeln mit der Spritze geimpft, nicht großflächig“, schränkt er ein. „Das ist auch die einzige Chance. So leid es mir tut, das fällt mir nicht leicht“, sagt Mundhenk, früher als Umwelt-Fachmann im Bad Pyrmonter Rathaus beschäftigt.

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  • Der Japanische Knöterich kann für Uferabbrüche sorgen.

Doch dem Unterhaltungsverband bleiben die Hände gebunden. Als das größte Problem bezeichnet Mundhenk die für den Menschen gefährliche Herkulesstaude und den mit bis zu drei Metern Tiefe hartholzartig wurzelnden Japanischen Knöterich. Für die Uferböschungen stellen Springkraut und Japanischer Knöterich eine Bedrohung dar. Sie lockerten die Erdkrume auf. Diese werde abgeschwemmt, was zu Abbrüchen führe. „Die Uferböschungen müssen wir dann später wieder sanieren“, beklagt Mundhenk.

Bislang bleibt dem Verband nichts anderes übrig als zu schlegeln, was bedeutet, die Pflanzen kaputtzuschlagen und zu zerkleinern. Kaum zu bewältigen, wie der Geschäftsführer sagt. „Das müsste mehrmals im Jahr passieren“, sagt Mundhenk. Vor allem, so fügt Verbandsvorsteher Friedel-Curt Redeker aus Groß Berkel hinzu, müsste dies eine Gemeinschaftsaufgabe sein. Redeker, der selbst nahe der Humme wohnt, sorgt auf seinen Privatflächen dafür, die Problempflanzen zu entfernen, wie er sagt. „Wenn das alle Anlieger machen, würde das sehr viel helfen“, meint er. Redeker fordert für den Bereich der Emmer vor allem einen länderübergreifenden Einsatz. Auch am Oberlauf im nordrhein-westfälischen Bereich müsse gegen Japanischen Knöterich, Herkulesstaude und Springkraut vorgegangen werden. „Sonst bekommen wir das nicht in den Griff“, meint Redeker. „Nach dem nächsten Hochwasser würde bei uns alles von vorne beginnen.“ Für Manfred Mundhenk bleibt es trotzdem eine unlösbare Aufgabe. Er verweist auf Fachliteratur sowie Vorschläge von Umwelt- und anderen Unterhaltungsverbänden. Mundhenk: „Es werden viele Möglichkeiten aufgezeigt, aber keine verspricht Erfolg.“



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