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Junge Straffällige aus dem Offenen Vollzug erhoffen sich stärkeres Selbstbewusstsein und neue Kontakte

Gefangene helfen im Museum – freiwillig

Börry. Otfried Junk läuft der Schweiß in die Augen und der Staub aus Jahrzehnten kribbelt ihm in der Nase. Doch der Pastor, hauptamtlicher Geschäftsführer vom Schwarzen Kreuz, ein Verein für Christliche Straffälligenhilfe, steht trotzdem weiter auf der Leiter im Museumsdorf Börry und befreit zusammen mit einem Häftling des Offenen Vollzugs der JVA Hameln die Rückseite des alten Backhauses von Efeu. Insgesamt sechs Jugendliche sind an diesem Wochenende gemeinsam mit Otfried Junk, dem Vollzugsbeamten Ulrich Victoria und dem Vorstand des Museumsförderverein Börry sowie weiteren ehrenamtlichen Helfern auf dem Gelände im Einsatz. Sie räumen auf, schneiden Büsche, helfen einen Weg unter fachkundiger Anleitung mit alten Steinen zu pflastern und befreien Hauswände von Efeu. Alles in Teamarbeit mit den Ehrenamtlichen vor Ort.

veröffentlicht am 26.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

Andrea Gerstenberger
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Das ist der Ansatz, der Otfried Junk bei der Aktion wichtig ist. „Die Jugendlichen sollen Spaß an der Sache haben und sehen, dass hier jeder gleichermaßen mit anpackt. Sie sind jeweils Teil eines kleinen Teams, bei dem jeder seine Erfahrungen einbringt. Gemeinsam wird etwas geschafft, auf das man hinterher stolz sein kann“, erläutert der Geschäftsführer, der die bundesweit agierende Diakonische Einrichtung von Celle aus führt. „Wir wünschen uns auch, dass die jungen Leute dabei soziale Kontakte knüpfen zu den Menschen in der Region. Zum einen, um dies zu lernen für die Zeit nach dem Vollzug, aber auch für ihre Freizeitgestaltung jetzt.“

Denn jeder der Jugendlichen, die im offenen Vollzug in Hameln in der Eugen-Reintjes-Straße wohnen, hat neben seiner Ausbildungs- oder Arbeitszeit außerhalb der Einrichtung ein Kontingent an Freizeitstunden, die er „draußen“ verbringen darf. Dafür wird oft ein sinnvoller Anlass gesucht. „Immer nur Einkaufen gehen ist langweilig“, wirft der junge Mann ein, der mit Otfried Junk an der Hauswand den Efeu herunterreißt. „Aber oft weiß man nicht, was man sonst machen soll. In Hameln und der Gegend hier kennt man ja kaum Menschen. Wäre schon toll, wenn man jemanden hat, den man mal besuchen kann.“

Das Schwarze Kreuz wurde vor über 90 Jahren gegründet zur Vermittlung von Briefkontakten mit Gefangenen und das ist auch heute noch einer der Schwerpunkte der Arbeit. Dass im Landkreis Hameln-Pyrmont mehr daraus geworden ist, ist laut Otfried Junk immer noch etwas Besonderes und erklärt, warum er sein Wochenende opfert, um diese Aktion zu begleiten. „In den letzten Jahren konnten wir hier im Landkreis Hameln-Pyrmont schon zweimal Wanderungen mit straffälligen Jugendlichen machen. Ganz besonders gerne erinnern wir uns an die Reinigungsaktionen im Naturbad Lauenstein 2012 und auch in diesem Frühjahr.“

Möglich sind solche Einsätze allerdings nur durch engagierte ehrenamtliche Vereinsmitglieder des Schwarzen Kreuzes vor Ort und Strafvollzugsbeamte wie Ulrich Victoria, der auch in Börry mit Freude kräftig mit anpackt. Die Jugendvollzugsanstalt Hameln mit ihrer Leiterin Christiane Jesse unterstützt diese Aktionen, was laut Junks bundesweiter Erfahrung keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Wochenende in Börry kam durch einen Besuch von Rolf Keller als Kreistagsmitglied in der Jugendvollzugsanstalt zustande. Er hat dort Pastor Otfried Junk kennengelernt und als Vorsitzender des Museumsvereins gleich die Idee, dass sich das Museum Börry gut für diese Form der integrativen Arbeit anbietet. „Wir freuen uns, die Jugendlichen bei uns zu Gast zu haben. Alle sind hoch motiviert, und gemeinsam haben wir viel geschafft. Ganz toll“, lautet Rolf Kellers Fazit. Nicht zu kurz kam auch der gesellige Teil. An beiden Tagen wurde gemeinsam gegrillt und am Samstag gemeinsam gefrühstückt. Den Jugendlichen hat es gefallen. Sie würden gerne wiederkommen, sagen alle.



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