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Sorge in Grupenhagen wegen Feldberegnung / Gutachter sieht keine Bedenken

Gefährdet Landwirtschaft das Trinkwasser?

Aerzen. Trotz der eher kühlen Witterung in diesem Frühjahr herrschte auf den niedersächsischen Äckern im Frühsommer Trockenheit. Auch Nils Klopp-rogge betrachtete mit Sorge, dass im Mai und Juni zu wenig Regen gefallen ist und der Boden kaum auf Reserven aus den Wintermonaten zurückgreifen konnte. Dabei ist der Landwirt, der gemeinsam mit Reinhard Bade die Biolandbau Grießehof KG betreibt, in der komfortablen Lage, einen Teil seiner Felder bei Schwöbber, auf denen Spezialkulturen wie Kartoffeln, Möhren und Rote Bete angebaut werden, künstlich zu bewässern. 2013 erhielten die beiden Landwirte aus Grießem die Genehmigung, in Schwöbber einen Tiefbrunnen zu bauen und eine begrenzte Menge an Grundwasser zu nutzen, um ihre Felder zu bewässern. Der mittlerweile erfolgte Bau des 75 Meter tiefen Brunnens und die Aufnahme der Feldberegnung in diesem Frühsommer rief das Ortsratsmitglied Dietrich Senke (SPD) aus Grupenhagen auf den Plan: Kann das negative Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel haben – und damit auf das Trinkwasser?

veröffentlicht am 04.08.2015 um 12:40 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:48 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Diese Bedenken zu dem zusätzlichen Brunnen äußerte Senke bei der jüngsten Ortsratssitzung. Vor dem Hintergrund, dass auch die Ortschaft Grupenhagen ihr Trinkwasser aus den Tiefen im Bereich Schwöbber bezieht, befürchtet das Ortsratsmitglied, dass die Versorgung mit dem kostbaren Nass für die Einwohner durch die landwirtschaftliche Wasserentnahme beeinträchtigt werden könnte. Darüber hinaus wollte er wissen, ob und wenn ja, welche Behörde beziehungsweise welches Gremium die Erlaubnis für den Bau des Brunnens erteilt habe. Schließlich, so argumentierte Senke, sei es bekanntlich Anliegern von Bächen untersagt, dem Gewässer mit einer Pumpe Wasser zu entnehmen.

Nachfragen unserer Zeitung ergeben: Die wasserrechtliche Erlaubnis für die Grundwasserentnahme über einen Tiefbrunnen erteilt die Untere Wasserbehörde des Landkreises, so auch im Fall des Beregnungsbrunnens der beiden Landwirte Bade und Klopprogge in Schwöbber. Bevor eine solche Genehmigung erteilt werden kann, müssen die Antragsteller ein umfangreiches Gutachten erstellen lassen und beim Landkreis einreichen. „Aufgrund der Tiefenlage des beanspruchten Grundwasserleiters können Einflüsse auf den Naturhaushalt und Abflussminderungen in den Oberflächengewässern ausgeschlossen werden. Insbesondere kann eine negative Beeinflussung des Beberbaches ausgeschlossen werden, der erst 270 Meter nordnordwestlich der unterstromigen Einzugsgebietsgrenze des Brunnens fließt“, werden die Bedenken Senkes durch das Gutachten entkräftet.

Auch in Sachen Grundwasserneubildung haben die Gutachter keine Bedenken formuliert: „Für das Bearbeitungsgebiet wird eine mittlere Grundwasserneubildung von 200 mm/a angesetzt“, heißt es im Gutachten wörtlich. Das bedeutet, dass sich im Bereich Schwöbber durchschnittlich etwa 200 Liter Grundwasser pro Quadratmeter und Jahr neu bilden.

Doch nicht das Gutachten und die erteilte Genehmigung, sondern vor allem eine erfolgreiche Probebohrung entscheidet letztendlich über den Erfolg des kostenintensiven Projektes. „Bei der Standortplanung war uns bewusst, dass die Einzugsgebiete der Brunnen Schwöbber I und II direkt bei uns vor der Hoftür liegen“, erklärt Nils Klopprogge. „Aus diesem Grund sind wir mit unserem Tiefbrunnen 800 Meter entfernt ins Feld gezogen, obwohl wir hier in unmittelbarer Nähe zum Hof über Landeigentum und einen vorhandenen Stromanschluss verfügen, der für den Betrieb der Brunnenpumpe unerlässlich ist.“

Bio-Produkte müssen

hohen Ansprüchen der Kunden entsprechen

Beregnet werden 190 Hektar Anbaufläche, aber nicht etwa aus Gründen der Ertragssteigerung, wie Klopprogge betont. Dem Biolandwirt geht es in erster Linie darum, verkaufsfähige Produkte anbieten zu können, die die Qualitätsanforderungen des Marktes erfüllen. Dazu wurde ein fünfeinhalb Kilometer langes Leitungsnetz mit Entnahmestellen zu den Äckern zu beiden Seiten der Landesstraße 432 verlegt. Die Wassermenge, die über den Tiefbrunnen für die Bewässerung der Anbauflächen dem Grundwasser entnommen wird, ist begrenzt und gebührenpflichtig, wie Klopp-rogge weiter erklärt. Mithilfe eines Schleppers wird ein 650 Meter langes PE-Rohr mit einem Durchmesser von 125 Millimetern, das mit einem auf 50 Meter Breite ausklappbaren Düsenwagen verbunden ist, über das zu bewässernde Feld gezogen.

Das ausgeklappte Beregnungsgerät erreicht mit seinen beiden Endregnern eine Arbeitsbreite von insgesamt 72 Metern und wird durch einen Rohreinzug automatisch über die Bewässerungsfläche zurück zum Schlauchtrommelwagen am Ausgangspunkt gezogen. Dabei kann der Landwirt vorher genau programmieren, mit welcher Einzugsgeschwindigkeit (10 bis 120 Meter pro Stunde) gearbeitet und mit welcher Intensität (8 bis 40 Liter pro Quadratmeter) bewässert werden soll. Ein Unterdruckwächter schaltet die Pumpe im Tiefbrunnen automatisch ab, wenn sich der Bewässerungsschlauch wieder komplett aufgerollt hat und der Schlauchtrommelwagen samt Düsenwagen umgesetzt werden muss.



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