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Erste Anlage mit 217 Meter Höhe steht im Windpark / Kritiker hoffen auf Gerichte

Ganz neue Dimensionen

EMMERTHAL. Und plötzlich herrscht wieder mächtig Bewegung auf der Baustelle für den Windpark zwischen Grohnde und Kirchohsen: Seit Donnerstagabend sind die ersten Rotorblätter an einer der acht Anlagen montiert. Was bei Christian Nowack als Projektleiter der Investoren für Zufriedenheit („Wir liegen gut im Zeitplan“) sorgt, führt bei den Kritikern zu Entsetzen. „Die Ausmaße sind erschreckend“, kommentiert Stephan Stallmann als Sprecher der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ die zu den größten im Binnenland zählenden Anlagen mit einer Gesamthöhe von 217 Metern.

veröffentlicht am 17.08.2018 um 12:33 Uhr
aktualisiert am 01.11.2018 um 13:22 Uhr

Seit Donnerstagabend steht das erste Windrad. Insgesamt sind acht Anlagen zwischen Grohnde und Kirchohsen geplant. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Nach und nach treffen weitere Schwerlasttransporte ein. Als besondere Herausforderung gelten die Rotorblätter als längste Einzelteile. Sie haben inzwischen gigantische und vor wenigen Jahren noch unvorstellbare Dimensionen erreicht: 67 Meter Länge misst das 14 Tonnen schwere Blatt. Im Frühjahr musste sogar die Autobahnanschlussstelle in Bad Eilsen eigens umgebaut werden, um die Transporte zu ermöglichen.

Auch für sein Unternehmen Ebert Erneuerbare Energien sei es die bislang „höchste und leistungsstärkste Anlage“, sagt Nowack über den Typ V136 mit 3,45 Megawatt vom dänischen Hersteller Vestas. Und: Mit Spannung beobachtet der Projektleiter die Fertigstellung der ersten Anlage in Emmerthal. „Ein nicht alltägliches Projekt mit vielen Hürden“, meint er über das aufwendige Genehmigungsverfahren, das er seit Ende 2014 begleitet.

Obwohl die Arbeiten weit gediehen sind – laut Planungen der Investoren sollen die weiteren Anlagen nahezu im Wochentakt fertiggestellt werden und im Herbst ans Netz –, wollen die heimischen Gegner nach wie vor den Windpark juristisch verhindern. Stallmann hatte zuletzt angekündigt, notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof zu gehen. Aktueller Stand, den er in dieser Woche erläutert: Es gehe um einen Vorabentscheid an den EUGH. Die Kritiker beziehen sich laut Stallmann auf die aus ihrer Sicht mangelhaften Baugrunduntersuchungen und Fundamente. Das Verwaltungsgericht sei im Zweifel, ob es dem Kläger zugestehen solle, die Punkte vorzutragen. „Laut europäischer Rechtsprechung muss es dies“, erklärt Stallmann. „Daher der Antrag auf ein entsprechendes Vorabentscheidungsverfahren an den EUGH.“

Am Turm mit 149 Metern Höhe montieren Experten das zweite 67 Meter lange und 14 Tonnen schwere Rotorblatt. Foto: cb
  • Am Turm mit 149 Metern Höhe montieren Experten das zweite 67 Meter lange und 14 Tonnen schwere Rotorblatt. Foto: cb
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Am Turm mit 149 Metern Höhe montieren Experten das zweite 67 Meter lange und 14 Tonnen schwere Rotorblatt. Foto: cb
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Die Bürgerinitiative hält die Auseinandersetzung nicht für aussichtslos. Stallmann verweist auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Oldenburg in diesem Monat zu einem im Bau befindlichen Windpark im Landkreis Wesermarsch, bei dem der Weiterbau und -betrieb von bereits bestehenden Anlagen untersagt und die Genehmigungsbehörde mit Vollstreckungsbescheid zum Handeln aufgefordert worden sei. „Das Urteil hat Signalwirkung auf ganz Niedersachsen“, erklärt Stallmann.

Unterdessen stellen die Kritiker regelmäßig Anfragen an den Landkreis Hameln-Pyrmont als Genehmigungsbehörde. Es sei Aufgabe der Behörde, dass „sämtliche Bedenken und Eingaben ernst genommen und die Arbeiten kontrolliert“ würden, erklärt Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch. Allerdings fügt sie hinzu: „Mit Blick auf den hier betroffenen Windpark hat die erteilte Genehmigung ohne Veränderungen Gültigkeit.“

Inzwischen nimmt auch die AfD-Fraktion im Kreistag die Kritik der Windkraft-Gegner auf. Sie hat beantragt, dass nach Fertigstellung des Windparks die Anlagen nachts abgeschaltet werden sollen. Sie begründet dies damit, dass die Anforderungen insbesondere des Herstellers an das zu erstellende Baugrundgutachten nicht erfüllt und die gesetzlichen Immissionsrichtwerte nachts nicht eingehalten würden, heißt es in dem Antrag von Dr. Jürgen Schönbrodt und seiner AfD-Fraktion.

Die Investoren gehen hingegen davon aus, dass alle Auflagen der Genehmigungsbehörde erfüllt werden. „Wir halten uns an alle Gesetze und Vorschriften“, meint Nowack. Aus rechtlicher Sicht sei der Windpark „gut unterfüttert“.



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