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MTSV Aerzen 04 schenkt sich zum 111. Geburtstag selbst eine Chronik – und sucht weitere historische Bilder

Ganz in Weiß: Sportmode 1908

Aerzen. Es hing unbeachtet im Kellergang des Elternhauses von Helmut Dreier in Aerzen: Ein altes gerahmtes Gruppenfoto, auf dem sportliche Jünglinge in weißer Turnerkluft und stattliche Herren in dunklen Anzügen am Himmelfahrtstag des Jahres 1908 anlässlich des Schauturnfestes an der Waldquelle posierten. Vermutlich ist es das älteste Fotodokument des damals noch jungen „Männer-Turn-Vereins zu Aerzen“, dem heutigen MTSV Aerzen 04.

veröffentlicht am 13.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 22:21 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Der historische Haushaltsauflösungsfund war ausschlaggebend für die Vorsitzende Angelika Dreier, um die Geschichte ihres mittlerweile 111 Jahre alten Vereins zu recherchieren, denn eine bebilderte Chronik gibt es bisher nicht. Aus den Anfängen ist bekannt, dass unter einigen jungen und sportbegeisterten Arbeitern der Aerzener Maschinenfabrik die Idee entstand, einen Sportverein zu gründen. Am 14. März 1904 war es dann soweit: Im Gründungsprotokoll ist zu lesen, dass die Versammlung Wilhelm Danger zum 1. Vorsitzenden wählte. Schon in der zweiten Generalversammlung beschloss der Vorstand die Anschaffung der erforderlichen Turngeräte, die vom Stellmacher Garvens gebaut wurden. So konnte der Turnbetrieb in der Scheune des Gasthauses „Krähe“ starten. Ehrenmitglied Sanitätsrat Dr. med. August Klesser stiftete zwei Turnmatten, die auf einem Gruppenfoto aus dem Jahr 1914 gemeinsam mit der 1910 angeschafften Vereinsfahne und einem sogenannten Reservistenkrug stolz von den Sportlern präsentiert werden. Nach nur einem Jahr zählte der Verein bereits 100 Mitglieder. Zweimal jährlich zeigten die Turner ihr Können bei öffentlichen Veranstaltungen: Am Himmelfahrtstag auf der Waldquelle und Weihnachten auf Krähes Saal.

Am 30. Dezember 1913 berichtete die Dewezet: „Der Männerturnverein veranstaltete am zweiten Weihnachtstage im Saale des Herrn Krähe sein diesjähriges Wintervergnügen, verbunden mit Schauturnen und Theateraufführungen. Der erste Vorsitzende, Herr Danger, eröffnete das Fest mit einem ‚Gut Heil‘ auf den Kaiser und einer Begrüßungsansprache. Dann begann das Schauturnen, das lauten Beifall fand. Auch das Turner-Festspiel ,Ein rechter Mann zur rechten Zeit‘, das von sämtlichen Mitwirkenden flott gegeben wurde, gefiel allgemein.“ Extra für diese Vorführungen mussten von den Sportlern Turnerhüte angeschafft werden. Aus einem Protokoll geht hervor, das diesbezüglich folgender Antrag gestellt wurde: „Wer sich keinen Hut anschafft, hat keinen Anteil an irgendwelchen Festlichkeiten und wird dabei als Mitglied nicht betrachtet.“ – Harte Sitten waren das damals.

Doch nicht nur Sport und Theater, auch gemeinsame Ausflüge standen beim Turnverein auf dem Programm. „Ein Tambour und zwei Flötisten begleiteten die lustige Schar auf ihren oft sehr weiten Fußwanderungen, zu denen einige Fässer Bier und ein paar Buddel Schluck gestiftet wurden“, verrät ein weiteres altes Vereinsprotokoll. Auch der damals als Pokal verliehene, reich verzierte Bierkrug fasst einiges an Siegerschluck. Wann und zu welchem Anlass genau das Schmuckstück ausgelobt wurde, kann nicht mehr festgestellt werden. Verziert ist der alte Reservistenkrug, der sich heute im Besitz von Helmut Duffens befindet, mit den erhabenen Bildnissen der Deutschen Kaiser Wilhelm I. (1858 - 1888), Friedrich III. (1888) und Wilhelm II. (1888 - 1918) und den Preußischen Tugendsprüchen „Lerne leiden ohne zu Klagen“ und „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst niemanden in der Welt“ sowie dem Zitat Wilhelms I. „Ich habe keine Zeit, müde zu sein“. „Sowohl mein Vater Albert als auch sein älterer Bruder Wilhelm waren Turner beim MTSV. Mein Vater hat mir berichtet, dass er den Krug als Siegerpokal erhielt“, berichtet der Aerzener, der das sportliche Erbe in Ehren hält.

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Um das Puzzle um die Geschichte des Aerzener Sportvereins zu vervollständigen, sucht Angelika Dreier weitere Zeugnisse aus der Vergangenheit des MTSV. Zum 111-jährigen Bestehen, das von Freitag, 3., bis Sonntag, 5. Juli, mit einem Fest gefeiert wird, möchte sie eine möglichst umfangreiche Bildersammlung präsentieren können. Wer Bild- oder Informationsmaterial der Sportvereinsgeschichte in Aerzen liefern kann, setzt sich bitte mit ihr unter 0178/9359934 oder per Email unter ang.dreier@web.de in Verbindung.

Der Reservistenkrug. pr

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