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Traditionsunternehmen Golze kauft Firmenanteile von Investorengruppe zurück

Fremdkapital ist ein Kapitel von gestern

Emmerthal. Die strategische Partnerschaft währte gerade einmal zwei Jahre – und endete im besten Einvernehmen. Das Emmerthaler Traditionsunternehmen Otto Golze & Söhne GmbH hat alle Firmenanteile zurückgekauft, die seit 2012 im Besitz einer Münchener Investorengruppe waren. „Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein“, sagte Ekkehart Golze vor zwei Jahren, als er die Münchener Beteiligungsgesellschaft Luther Polley zu 50 Prozent mit ins Boot holte. Langwierige Überlegungen waren der Entscheidung vorausgegangen: die Neuausrichtung des 1873 gegründeten Familienunternehmens, aber auch die Nachfolgeregelung in der Geschäftsführung. Nun haben sich „die Wege wieder getrennt“ – im „beiderseitigen Interesse“, wie Golze sagt. Und er räumt ein, dass ihm diesmal der Schritt noch leichter gefallen sei, „wenn die gesamte Belegschaft ihn mitträgt“. „Das ist ja emotional von Bedeutung“, sagt er über den Punkt, wenn das Unternehmen wieder maßgeblich im Familienbesitz ist. Trotz der Veränderungen bei den Gesellschafteranteilen: „An der strategischen Neuausrichtung hat sich nichts geändert.“

veröffentlicht am 25.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Ekkehart Golze, im Juli vergangenen Jahres aus der Geschäftsführung ausgeschieden, hält nun 80 Prozent der Anteile an dem Unternehmen mit einem gezeichneten Stammkapital von 2,5 Millionen Euro. Den Rest in Höhe von 20 Prozent teilen sich Geschäftsführer Eugen Ciemnyjewski sowie die Geschäftsleiter Burkhard Breustedt und Carsten Gähle. Das neue Führungstrio an der Spitze des Vollsortimenters, der neben Türmatten und Teppichen auch Naturfaserbodenbeläge, Stufenmatten und Aluprofil-Systeme im Programm hat, will das Unternehmen am Markt weiter behaupten. Mit ersten Erfolgen, wie Ciemnyjewski bilanziert. Ein leichtes Plus im Jahresabschluss 2013 markiert für ihn die Trendwende.

Für den Geschäftsführer bedeutet die neue Gesellschafterstruktur einen persönlichen Einschnitt. Über Jahre weltweit für die Wirtschaft unterwegs, kam er 2012 für die Münchener Beteiligungsgesellschaft ins Weserbergland. Luther Polley stellte mit Ciemnyjewski den Geschäftsführer für den operativen Bereich, während Golze für die strategischen Aufgaben zuständig war. Ihr Geschäftsführer bleibt, die Investorengruppe zieht sich zurück. Inzwischen umbenannt in LMP Industries, hatte sie den Verkauf der Anteile beschlossen, um ihre Investitionen in den Bereichen IT, Technologie und Medien zu fokussieren. Ebenso wie Breustedt und Gähle ist Ciemnyjewski nun Gesellschafter, was von den rund hundert Mitarbeitern ebenfalls als Signal verstanden wird. „Wenn wir eigenes Geld in die Hand genommen haben, wissen sie, dass wir es ernst meinen“, sagt der Geschäftsführer.

Jährlich verlassen zig Tonnen Ware das Lager in Emmerthal – nach Firmenangaben im Jahr 2013 allein etwa 3,5 Millionen Türmatten und über 90 000 Teppiche. Zuvor hatte sich 2012 als das Jahr der Konsolidierung erwiesen. Im Zuge dieser Entwicklung erfolgte die Umstrukturierung in allen Bereichen: Personalabbau bei der damals 122 Mitarbeiter zählenden Belegschaft, Verbesserungen im Qualitäts- und Produktmanagement, in der Kommunikation und in den Prozessabläufen. Erschwerend kam ein schwieriges Geschäftsjahr hinzu – ein Umsatzrückgang von acht Prozent auf rund 30 Millionen Euro, resultierend aus dem schwachen Wintergeschäft, der Krisensituation in den südeuropäischen Ländern und Teilen der Kollektion, die am Ende ihres Produktionszyklus angelangt war. Am Ende wies das Unternehmen einen Verlust von rund zwei Millionen Euro auf. „Wenn man die Krise hinter sich hat, geht man den Weg des Wachstums“, sagt Ciemnyjewski, ohne in Zweckoptimismus verfallen zu wollen. „Was zählt, sind Zahlen, Daten und Fakten.“ Zwar ging der Umsatz 2013 noch einmal, besonders begründet durch die Insolvenz der Baumarktkette Praktiker/Max Bahr, um 3,7 Prozent zurück, doch gab es einen leichten Gewinn. „Haarscharf, aber immerhin“, meint Golze über das Plus von 25 000 Euro.

Neue Kollektionen – „Wir müssen auf

Trends reagieren“

Für das laufende Geschäftsjahr deuten die Zahlen wieder auf einen positiveren Verlauf, weil sich die Neustrukturierungen, Ende 2013 erfolgreich abgeschlossen, auswirken, wie es heißt. Dabei setzt das Unternehmen stark auf die Flexibilität, sich immer wieder neu dem Markt anzupassen. Jedes Jahr würde ein Drittel der Kollektion ausgetauscht. Rund 1500 Varianten sind im Lieferprogramm – also müssen in diesem Zeitraum 500 neue in die Kataloge. Andere Designs, andere Farben – „wir müssen auf Trends reagieren“, sagt der Geschäftsführer. Kunde und Handel wünschen den Wandel. „Eine schnelllebige Welt – aber davon leben wir auch.“ Er verweist darauf, dass früher alle 15 Jahre ein neues Sofa angeschafft wurde, heute soll nach fünf Jahren das Wohnzimmer eine andere Garnitur bekommen. Klar, dass dann auch an die Bodenbeläge gedacht wird – die Teppiche made in Emmerthal profitieren davon. „Wir sehen das nicht als Wegwerfprodukt, sondern als austauschbares Designprodukt“, meint Ciemnyjewski.

Design – das ist für das Unternehmen ein wichtiges Stichwort, um bei den Kunden von Fachhandel, Bau- und Verbrauchermärkten oder Möbelhäusern im In- und Ausland (Exportanteil rund 25 Prozent) bestehen zu können. In einigen Bereichen gelten die Produkte sogar „heute als eine der bedeutenden Marken“, berichtet der Hauptgesellschafter. Lars Contzen, mit vielen Design-Preisen ausgezeichnet, steht auch für Teppichkollektionen unter dem Dach von Golze. Die Emmerthaler entwickeln und vertreiben als exklusiver Lizenznehmer außerdem die Schöner-Wohnen-Kollektion im Bereich Teppiche und Sauberlaufmatten, sind damit vielen Lesern von Europas größtem Wohnmagazin ein Begriff.

Doch noch einem Trend folgt das Traditionsunternehmen mit über 140-jähriger Geschichte, das sogar seit 1952 etwa 15 Jahre lang den VW Käfer als exklusiver Lieferant mit Kokosmatten ausgestattet hat. Die Individualität bei den Kunden nimmt immer mehr zu – und darauf reagiert Golze. Sie bekommen Wunschmaße angeboten. Produkte aus Emmerthal gibt es in individuellen Größen – gefertigt in der heimischen Manufaktur und in 14 Tagen geliefert. „Das geht ab wie die warmen Semmeln“, sagt Golze. „Da haben wir absolute Alleinstellung.“ Über 20 000 Wunschmaß-Teppiche verließen im Jahr 2013 das Werk in Emmerthal – ein Wachstumsmarkt.

Die Unternehmensführung weiß, dass dieses Angebot nur ein Zwischenschritt in Zeiten des Internets ist, „wenn wir dort Müsli zusammenstellen können und dann geliefert bekommen“, so Ciemnyjewski. Wie breitgefächert der Wohnkulturgeschmack der Kunden ist, lässt sich schon jetzt bei den Türmatten ablesen. Längst nicht nur ein nützliches Stück, damit der Schmutz vor der Tür bleibt, sondern ein Blickfang. Eine gewaltige Auswahl: Bewohner und Besucher können nicht nur einen Willkommensgruß darauf lesen, andere Kunden bevorzugen die britische Flagge, Tier- oder, abhängig von der Jahreszeit, Weihnachtsmotive. „Die Kunden wollen genau ihre persönliche Matte haben“, glaubt der Geschäftsführer. Das Einzelstück, im Internet selbst gestaltet und nach kurzer Zeit geliefert – das ist noch Zukunftsmusik. Ciemnyjewski: „Aber daran arbeiten wir.“



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