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Zum Schutz der Äsche: Kormoran im Naturschutzgebiet Emmer steht weiter auf der Abschussliste

Fisch des Jahres kontra Vogel des Jahres

Emmerthal (cb). Der Konflikt schwelt seit Jahren, da sowohl der Kormoran als auch die Fischart Äsche als schützenswert gelten. Vor diesem Hintergrund stand auch die Entscheidung des Landkreises Hameln-Pymront als Untere Naturschutzbehörde: Seit Mitte des Monats darf der Kormoran im Naturschutzgebiet Emmer wieder geschossen werden – allerdings unter besonderen Auflagen. Damit gab die Verwaltung dem Antrag der Fischereigenossenschaft der Emmer statt, nachdem die Behörde zunächst eine Kormoranproblematik angezweifelt hatte. Nun erteilte der Landkreis „die naturschutzrechtliche Befreiung zum Einzel-Abschuss von Kormoranen“, wie es offiziell heißt. Der zuständige Fachdienstleiter Rainer Halbauer erhofft sich damit den Spagat zwischen den natur- und artenschutzrechtlichen Interessen. Dabei habe aber die Vergrämung des Vogels beispielsweise durch Störung mit Lärmattrappen Vorrang. Lippold von Klencke aus Hämelschenburg, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft: „Wir begrüßen sehr, dass damit die Vergrämung und Bejagung von Kormoranen fortgesetzt werden kann, da sie den artenreichen, natürlichen und wertvollen Fischbestand der Emmer bereits in einem bedrohlichen Ausmaß dezimiert haben und intensiv bekämpft werden müssen.“

veröffentlicht am 26.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:21 Uhr

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Wie berichtet, hatte von Klencke besonders wegen des gefährdeten Äschen-Bestandes („Ein wertvoller Fisch, der für den Kormoran eine leichte Beute ist“) den Antrag gestellt. Ob Fischräuber oder schützenswerter Vogel – da scheiden sich die Geister. Während der Naturschutzbund (Nabu) den Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 („natürlicher Bestandteil unserer Gewässerökosysteme“) erklärt hatte, konterten darauf andere Interessenvertreter wie der Verband Deutscher Sportfischer. Sie kürten die Äsche zum Fisch des Jahres 2011. „Der derzeit maßgebliche Grund für den Bestandsrückgang in zahlreichen Äschepopulationen sind die europaweit immer noch ansteigenden Kormoranbestände“, kritisierten sie.

Halbauer erhofft sich mit der Entscheidung des Landkreises „eine Beruhigung auf beiden Seiten“. Zuvor seien dazu auch die anerkannten Naturschutzverbände, die Staatliche Vogelschutzwarte sowie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angehört worden. Selbst Oliver Gockel vom Emmerthaler Nabu steht zu dem Beschluss, sieht darin einen Kompromiss, bis eventuell die Umflut für den Stausee in Schieder fertiggestellt sein sollte. Alle beteiligten Stellen, so Halbauer, hätten aber gefordert, die bisherigen Melde- und Untersuchungsverfahren fortzusetzen. Dieses Verfahren hätte auch der früher erteilten – aber zwischenzeitlich ausgelaufenen – Einzelabschussgenehmigung zugrunde gelegen. Insofern gelten nach wie vor die Gebote, beispielsweise vordringlich Maßnahmen zur Vergrämung des Kormorans durchzuführen, Bestandszählungen vorzunehmen und Abschüsse dem Landkreis zu melden; hinzu komme, stichprobenartig die Mageninhalte erlegter Kormorane zu untersuchen, ob sie Äschen erbeutet hätten. Bei diesen Forderungen seien sicher Verbesserungen notwendig. Mit Blick auf die Vergangenheit erläutert Halbauer, dass dem Landkreis bislang jährlich 14 bis 16 abgeschossene Kormorane gemeldet worden seien. „Damit sehen wir keinen übergebührlichen Eingriff in die Population“, meint der Fachdienstleiter. „Die Verhältnismäßigkeit bleibt damit gewahrt.“

Interessenkonflikt zwischen Fisch- und Vogellobby: Während die einen mehr Schutz für die Äsche fordern, machen sich die anderen zum Fürsprecher des Kormorans.



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