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Kleine Kirchengemeinden im Ilsetal rechnen mit Gesamtkosten von über 100 000 Euro

Finanzieller Kraftakt: Drei Orgeln defekt

Börry/Esperde/Frenke. Eine große Herausforderung kommt auf die kleinen Ilsetaler Kirchengemeinden Börry, Esperde und Frenke zu. In allen drei Kirchengemeinden müssen die Orgeln restauriert werden – mit einer Gesamtsumme von rund 105 000 Euro. Nach dem derzeitigen Bericht der Begutachtungen werden für die Restaurierung der Börryer Orgel rund 60 000 Euro veranschlagt, in Esperde rund 20 000 Euro und in Frenke etwa 25 000 Euro. „Auch wenn die Landeskirche einen Zuschuss von 40 Prozent gibt, so bleibt ein Eigenanteil von insgesamt rund 63 000 Euro“, macht Dr. Jutta Zeddies, Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Arbeitsgemeinschaft Ilsetal, die finanzielle Herausforderung deutlich.

veröffentlicht am 02.05.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 16:21 Uhr

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Den Hauptteil müssen die Kirchengemeinden selbst aufbringen. Dazu können sie auf Rücklagen, das freiwillige Kirchgeld und die Kirchengemeinde Frenke auf einen Zuschuss aus der Stiftung Frankenberg-Emmerthal von Sigrid Lohmann zurückgreifen. Um die Orgeln den Kirchenmitgliedern näherzubringen, hat sich die Arbeitsgemeinschaft etwas Besonderes einfallen lassen – Orgelandachten mit heimischen Musikern, bei denen um Spenden gebeten wird. In Frenke und Börry haben sie bereits stattgefunden, zwei Termine folgen in Esperde und Hajen.

„Die Andachten werden durch hier beheimatete Organisten gestaltet“, hebt Jutta Zeddies hervor. Am Samstag, 4. Mai, sind die Gäste um 18 Uhr in die St.-Marien-Kirche Esperde eingeladen. Organist Franz- Joachim Fischer spielt Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Bartholomäus Gesius sowie eigene Improvisationen aus diesen Stücken. Fortgesetzt werden die Andachten am 1. Juni in Hajen, wenn Organistin Anna Bartels (Börry/Osnabrück) zu Gast ist.

Umfangreich sind die Arbeiten an den drei Orgeln, die im 19. Jahrhundert gebaut wurden. In Börry steht eine ursprünglich einmanualige Orgel, die um 1800 von einem unbekannten Erbauer erstellt wurde. „Das Gehäuse stammt jedenfalls aus dieser Zeit, möglicherweise auch Teile des heute noch vorhandenen Orgelwerkes“, ergab die Begutachtung. Die Firma Faber aus Salzhemmendorf erweiterte die Orgel 1879 auf zwei Manuale mit Pedal. Im Jahr 1991 wurde sie grundlegend restauriert, allerdings verzichtete man auf eine Renovierung der Windlade. „Sie hätte einen Eingriff in die historische Substanz dargestellt“, erläutert Jutta Zeddies.

„Das heute 15-stimmige Instrument steht jetzt leider wieder am Abgrund“, berichtet Zeddies. Während das Instrument im Winter im beheizten Kirchenraum steht, befinden sich im kalten Turm Orgelmotor und Luftbalg. Bedingt durch Temperaturunterschiede kann es deshalb in der Windlade und den Pfeifen zu Kondenswasserbildung und Schimmelbildung kommen, führt der Bericht zur Restaurierung aus. Diese bilden sich zwar bei abkühlender Kirche zurück, es bleiben allerdings Verstimmungen. Aber genau dann, „wenn die Orgel gebraucht wird, ist sie wegen ihrer Verstimmung unschön im Klang. Deshalb ist eine umfangreiche Nachrestaurierung erforderlich“, erklärt Vorsitzende Zeddies.

Eine Faber-Orgel aus dem Jahr 1880 steht auch in Esperde. Das achtstimmige, einmanualige Instrument wurde im Jahr 1988 durch die Firma Steinmann (Vlotho) restauriert. Probleme machen der Orgel ebenfalls die Luftfeuchtigkeit und Schimmelbildung. Die Begutachtung durch den Orgelsachverständigen des Kirchenkreises, Prof. Hans-Christoph Becker-Foss, ergab, dass die Balganlage und Gehäusebelüftung sowie die Spielmechanik überarbeitet werden müssen.

Andere Probleme bereitet die von Philipp Furtwängler (Elze) 1852 erbaute Orgel in Frenke. Sie wurde 1991 von Martin Haspelmath (Walsrode) restauriert. Weil die Orgelpfeifen nicht wie üblich nur aus Zinn und Blei bestehen, sondern auch bewusst Zink beigemischt wurde, bereiten sie heute große Sorgen. „Damals war Zink viel billiger. Leider hat sich diese Legierung nicht bewährt. Heute sind die Orgelpfeifen extrem spröde und brüchig. Jeder Stimmvorgang kann zum Totalverlust der Pfeife führen“, heißt es in der Begutachtung zur bevorstehenden Restaurierung. Um die Stimmung der Orgelpfeifen und Nachintonierungen in Zukunft möglichst zu vermeiden, muss die Windlade umfangreich restauriert und neu abgedichtet werden. Zudem haben sich die Pfeifen materialbedingt verändert, sodass die Orgel insgesamt lauter geworden ist.

„Der Wohlklang der Instrumente lässt sich nur erhalten, wenn die Restaurierungen in Gesamthöhe von 105 000 Euro durchgeführt werden können. Dafür freuen wir uns auf Spenden und sind für jeden weiteren Euro dankbar“, sagt Jutta Zeddies. Und dazu sollen auch die Andachten beitragen. ubo



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