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Behörde unterbricht Arbeiten – weil Baufirma nicht genügend Natursteine hat

Fehlplanung beim Endspurt: Baustopp am Ohrberg

EMMERTHAL. Die immer wieder von Pleiten, Pech und Pannen begleitete Großbaustelle am Ohrberg erhält eine weitere Facette. Dass sie durchaus „grotesk“ ist, bestätigt auf Nachfrage sogar Markus Brockmann von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Ausgerechnet zum Endspurt mangelt es an Baumaterial.

veröffentlicht am 09.06.2017 um 14:17 Uhr
aktualisiert am 09.06.2017 um 15:40 Uhr

Mit roten Wesersandsteinen verblenden Bauarbeiter die Stützwand - die Lieferengpässe  für das Naturprodukt sorgen nun für Verzögerungen. Foto: Wal
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Und zwar ein ganz spezielles Produkt: der Wesernaturstein, mit dem die Fachfirma die Stützwand verblendet. Und eigentlich zeigt sich Brockmann als Leiter des Hamelner Geschäftsbereiches der Behörde in der Regel vornehm zurückhaltend mit Schuldzuweisungen an Vertragspartner, auf die sie irgendwann wieder angewiesen sein könnte. Aber da sei bei dem Bauunternehmen – übrigens ein bundesweit tätiger Konzern – einiges schiefgelaufen. „Ich bin sehr genervt“, räumt er schließlich ein, warum die Behörde nun die Reißleine gezogen hat. „Jetzt ist erst einmal Schluss.“ Die Bauarbeiten werden ab dem 22. Juni für einige Wochen unterbrochen, bis es genügend Natursteine gibt. Voraussichtlich im August soll es dann weitergehen.

Ob Leser sich bei der Zeitung melden oder bei der Baubehörde selbst – der Unmut und vor allem das Unverständnis über die zuletzt quälenden Fortschritte bei den Arbeiten nehmen zu. Zum Beispiel bei Karl-Otto Gericke aus Emmerthal, der gegenüber der Dewezet das fehlende Personal am Ohrberg beklagt. Er sehe dort oft nicht mehr als vier Bauarbeiter, sagte er.

Dem kann Brockmann nicht widersprechen. Und: Das eine oder andere Mal hat er selbst mit seinem Auto in der Schlange vor der Baustellenampel gestanden, wie er sagt. Der Eindruck vieler Autofahrer sei ihm bewusst, bei denen natürlich in der Wartezeit umso mehr die Verärgerung wachse, wenn nicht viel auf der Baustelle geschehe. „So geht es nicht“, sagt der Behördenleiter – und das sei auch der Firma verdeutlicht worden. „Wir haben uns den Kopf gemacht, was eigentlich Aufgabe des Unternehmens ist.“ Vorschlag der Behörde: Brecht die Arbeiten ab, sobald es möglich sei. Selbst in der Pressemitteilung äußerte sich der Geschäftsbereich schon ungewöhnlich deutlich. Hintergrund für den Baustopp sei die begrenzte Liefermenge für die Verblendmauersteine – und der „damit zwangsläufig einhergehende, unerwünscht langsame Baufortschritt“.

Um den optischen Ansprüchen für die Mauer zu genügen, hatte die Behörde statt auf Kunststeine auf ein besonders Naturprodukt gesetzt. Typische Wesersandsteine nämlich. Und die notwendigen Mengen seien vertraglich mit dem Bauunternehmen lange im Voraus festgelegt gewesen, sagt Brockmann. Nur: Der Steinbruch sei nicht hinterhergekommen mit den Mengen. „Die Kapazitäten reichen nicht“, erklärt er. Erst wenn ein ausreichender Vorrat an Steinen produziert worden ist, soll die Baustelle wieder eingerichtet werden – und dann „unter verstärktem Personaleinsatz“, wie es aus der Behörde weiter heißt.

Noch einige Tage müssen sich die Autofahrer noch mit der Ampelregelung am Ohrberg gedulden, bis der Baustopp gilt. Wer glaubt, auf der anderen Weserseite schneller zu sein, der dürfte derzeit enttäuscht werden. Wegen Bauarbeiten an der Emmerthaler Valentinibrücke staut sich dort der Verkehr oft weit zurück. Diese Baustelle liegt aber nicht in der Verantwortung der Landesbehörde, wie Brockmann sagt – dort lässt die Telekom Leitungen verlegen.

Information

Probleme mit der Ampelregelung an der Ohrberg-Baustelle nerven die Autofahrer. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bestätigt: Die beauftragte Firma für die Baustellensicherung bekomme die immer wieder zu Stau führenden Schwierigkeiten nicht in den Griff.

Eine fünfminütige Rotphase während des Feierabendverkehrs – das ärgert Dirk Sawatzki. Aus Richtung Hameln kommend bilde sich dadurch eine riesige Autoschlange. Wenn man Pech habe und dann bei Grün nicht durchkomme, müsse man noch einmal so lange warten.

Das dritte Ampelsystem sei inzwischen installiert, sagt Markus Brockmann von der Landesbehörde, dem die Situation vor Ort bekannt ist. Fast täglich gebe es Telefonate zwischen Behörde und Fachfirma. „Die ist selbst am Verzweifeln“, sagt er. Selbst während der Phase, als zunächst die Säcke den Ohrberg abgesichert hätten, habe es kaum Probleme gegeben.

Ein Detektor der Ampel erfasst den Verkehr. Mehrfach sei er, so die Sicherungsfirma, von Unbekannten manipuliert worden, zitiert sie Brockmann. Plötzlich habe der Detektor nur noch Bewegungen auf dem Radweg erfasst. Weiteres Problem: Oft würden Autofahrer vor der Ampel zu früh auf die andere Fahrbahn wechseln – der Detektor nehme dann keine wartenden Autos wahr. cb

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