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Dewezet-Leser informieren sich im Atomkraftwerk Grohnde aus nächster Nähe über Sicherheitsfragen

Faszination einer umstrittenen Technologie

Grohnde (cb). Sicherheit – das ist ein Begriff, den die über 50 Frauen und Männer nicht nur in allen Facetten beim Besuch im Atomkraftwerk in Grohnde zu hören bekommen, sondern selbst als Vorsichtsmaßnahme erleben. Für Dieter Mast aus Rinteln bereits der zweite Versuch: Vor einigen Jahren scheiterte er am Eingang zum Sicherheitsbereich, weil wenige Tage zuvor sein Personalausweis abgelaufen war. Gestern nun passierte Mast die Drehtür anlässlich der Reihe „Dewezet Sommerabenteuer“ mit gültigen Papieren nach einer Personenkontrolle, wie er sie sonst nur vom Flughafen kennt. „Solange die Kernkraftwerke noch laufen, ist es ja schon beruhigend, dass die Betreiber so darauf achten“, zeigt der Rintelner Verständnis.

veröffentlicht am 13.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:41 Uhr

Geballte Informationen: Hans Matthiesen (rechts) verschafft den Teilnehmern Einblicke.  Foto: cb
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Immer wieder greifen Ingo Seeburg und Hans Matthiesen vom Info-Zentrum des AKW anschließend das Thema Sicherheitsphilosophie beim Rundgang in zwei Gruppen über das Areal zwischen Kühltürmen und Reaktorgebäude auf. Fakten über Fakten. Aber: Ebenso wie die Besucher, ob Befürworter oder Kritiker der Atomenergie, keine politische Diskussion über das Für und Wider dieser umstrittenen Technik suchen, geht es den beiden Referenten gleichfalls nicht um die Bewertung. Im Jahr der Atomkatastrophe von Fukushima und des vor wenigen Wochen beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergie wollen die beiden Referenten nur informieren. „Damit Sie wissen, worum es dabei geht“, sagt Matthiesen an die Adresse der Besucher.

Und das liegt offensichtlich auch im Interesse der Teilnehmer. Obwohl Rüdiger Dorn als Klein Berkeler fast in Nachbarschaft zum AKW lebt, verblieb bislang eine Besichtigung. „Es ist wichtig, einen Einblick zu bekommen“, meint er. Nur beim Rundgang selbst unterhalten sich die Teilnehmer darüber, wie sie persönlich manche Punkte einschätzen. Skeptisch ist zum Beispiel Dieter Mast, wenn es um die Nebelwerfer geht, die als Konsequenz der Terroranschläge vom 9. September 2001 in den USA auf dem Gelände in Grohnde installiert worden sind, um einen gezielten Angriff auf den Reaktor mit einem Flugzeug zu verhindern. „Sehr erfolgreich“ sei das System, sagt Matthiesen. Innerhalb kurzer Zeit könne das Areal vernebelt, darüber hinaus das GPS-System gestört werden. Mast, selbst bei den Reservisten, will den aus der Rüstungsindustrie stammenden Geräten nicht so recht trauen. „Das soll wohl mehr zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen“, glaubt der Rintelner.

Was Matthiesen bei dem Rundgang verdeutlichen will, ist besonders die hohe Sicherheitsphilosophie von Betreiber und Gesetzgeber. Sowohl Betreiber als auch Aufsichtsbehörden kontrollierten unabhängig voneinander mit Messstationen die Strahlung, wobei „wir in Grohnde stolz darauf sind, seit 27 Jahren unter den gesetzlich vorgeschriebenen Werten zu liegen“. Und: Alle sicherheitstechnisch relevanten Schutzeinrichtungen seien vierfach und unabhängig voneinander vorhanden. „Sicherheitstechnik pur“, wie er sagt. Außerdem würden bei den jährlichen Revisionen alle Funktionen auf Herz und Nieren geprüft.

Zwar hätten einige Teilnehmer gerne einen Blick ins Reaktorgebäude geworfen, doch für diesen sensiblen Bereich gelten noch höhere Sicherheitsanforderungen – bei höchstens sechsköpfigen Gruppen und bis zu einem halben Jahr Wartezeit auf einen Termin. Zumindest eindrucksvoll für die Besucher: das Maschinenhaus, in dem der Dampf die Turbinen antreibt. Beeindruckend ebenso die Dimensionen der Stromproduktion: Das AKW zählt dabei nach wie vor weltweit zu den Top Ten. Und es ist nicht allein die reine Technik, die auf manche Faszination ausübt – wie zum Beispiel die beiden 146 Meter hohen Kühltürme, die das Bild im Wesertal prägen. Karl-Otto Schultz aus Fischbeck, selbst Ingenieur, steht beim Rundgang mit Respekt in nächster Nähe direkt vor ihnen. „Das sind schon mächtige Kühltürme“, meint er im Vergleich zu anderen Industrieanlagen. „Und auch wenn sie technisch nicht so aufwendig sind, übersteigen sie fast die Vorstellungskraft.“



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