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Jugendliche peppen tristen Betonbau mit Graffiti auf

Farbenfrohe Bilder aus der Sprühdose

DEHMKERBROCK. „Voll geil! Sieht super aus!“ – Mit hochgestrecktem Daumen signalisiert eine Gruppe Radfahrer im Vorbeifahren ihr Wohlwollen gegenüber den Jugendlichen, die sich mit Farbspraydosen an der Boreas-Übergabestation am Dehmkerbrocker Dorfgemeinschaftshaus zu schaffen machen.

veröffentlicht am 10.09.2018 um 13:34 Uhr
aktualisiert am 10.09.2018 um 21:50 Uhr

Zur Sprühdose gegriffen und los gehtʼs: Kinder und Jugendliche haben in Dehmkerbrock an einem mehrtägigen Graffiti-Workshop teilgenommen. Foto: PR
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Eigentlich ist das Besprühen von Wänden mit Graffiti verboten und stellt eine Sachbeschädigung dar, manchmal sogar einhergehend mit Hausfriedensbruch. Doch dass, was in den vergangenen Tagen an den Wänden der Übergabestation entstand, ist völlig legal und das Ergebnis eines mehrtägigen Workshops. Im Vorfeld hatte der heimische Graffiti-Künstler Nico Lattermann alias „shaz31“ bereits drei Seiten des ursprünglich tristen, grünen Betonzweckbaus in Abstimmung mit dem Ortsrat und den örtlichen Vereinen farblich gestaltet (wir berichteten). Waren schon die drei Motive bewusst so gewählt worden, dass sich die Nachwuchsorganisationen der heimischen Vereine darauf wiederfanden, so sollte die vierte Seite der Übergabestation von den Kindern und Jugendlichen aus der Ortschaft Dehmkerbrock ganz nach ihren eigenen Vorstellungen und von ihnen selbst im Rahmen eines Workshops gestaltet werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und verblüfft: Wer etwa die Fortsetzung der „naiven“ Darstellung des Vereinslebens in Dehmkerbrock erwartet hatte, der ist vielleicht auf den ersten Blick enttäuscht. Auf den zweiten Blick allerdings wird deutlich, wie tief verbunden sich die Kinder und Jugendlichen mit ihrer Ortschaft fühlen und genau das wollen sie mit dem aus vier Einzelgraffitis zusammengesetzten Gesamtbild zum Ausdruck bringen, wie sie betonen. „Im Vorfeld haben wir in der Jugendfeuerwehr und im Theaterverein die Ideen der Kinder und Jugendlichen gesammelt, wie diese die verbleibende Seite gestalten möchten. Angesichts der Fülle an guten Vorschlägen wurde schnell deutlich, dass eine Seite eigentlich gar nicht ausreicht. Damit trotzdem alle Vorschläge und Wünsche berücksichtigt werden konnten, wurde daraus ein Mosaik“, erklären Vanessa Friedmann, Kira Pischke und Marie Wesche von der Jugendfeuerwehr Dehmkerbrock-Herkendorf sowie Susanne Albert als Vertreterin des Theatervereins. Nico Lattermann hat aus den Favoriten dann eine erste Skizze gefertigt, die von den Kindern und Jugendlichen während des zweieinhalbtägigen Workshops lebhaft diskutiert, präzisiert und schließlich zum Teil völlig neu interpretiert und umgesetzt wurde. Den Weg auf die Wand haben schließlich ein Löwenkopf, Spuren, blühende Landschaften und Seifenblasen gefunden. Und was wollen die jugendlichen Sprayer mit ihren Motiven zum Ausdruck bringen? „Der Löwenkopf steht für das Wappentier von Dehmkerbrock mit seinen Ortschaften Pessinghausen, Posteholz, Rodenbeck und Wördeholz“, erklärt Henrieke. Die Flächen zur Rechten und Linken stellen eine ineinander übergehende Landschaft dar, das ist gut zu erkennen. Kommentar der Jugend: „Davon haben wir hier ganz viel!“ Wer aber ganz genau hinsieht, dem fallen auch die Handabdrücke im Baum und Fußspuren auf dem Weg auf. Und die Seifenblasen im unteren Viertel? Besonders gefallen hat den Workshop-Teilnehmern übrigens, dass alle ihre Wünsche und Anregungen berücksichtigt wurden und schließlich auch umgesetzt werden konnten, wie sie betonen.

Obwohl am Freitagnachmittag und am Samstag Trockenübungen auf dem Programm standen und erst am Sonntag zur Farbspraydose gegriffen wurde, hatten die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Betreuer, ihren Spaß an dem ungewöhnlichen Kreativprojekt, das von dem Energiedienstleister Boreas finanziert wurde. „Absolut cool und locker, aber dennoch war auch Konzentration gefragt“, beschreiben die Jugendlichen den Ablauf des Workshops und ihre ersten eigenen Graffiti-Erfahrungen. Und obwohl Seifenblasen eigentlich als Symbol für Vergänglichkeit gelten, das von den jungen Sprayern unter der Anleitung von Nico Lattermann und Dima Röske alias „Perm83“, ein wie auch „shaz31“ sozialpädagogisch ausgebildeter, erfahrener Graffiti-Sprayer, aufgebrachte Kunstwerk hat sich bereits während des ersten Sommerschauers als absolut wasserfest herausgestellt.

„Die Kids und Teens haben trotz der langen Zeit super mitgemacht und tolle Ideen und Fähigkeiten erlernt, aber auch eingebracht! Und genau darum ging es: Jugendlichen und Kindern zu ermöglichen, sich in die Gestaltung ihres Umfeldes einzubringen und zu zeigen, dass sie wahrgenommen werden und ihre Ideen und Wünsche Gehör finden“, erläutert Nico Lattermann den Hintergrund des Projekts.

Ein farbenprächtiger Hingucker: Mit einem imposanten Graffiti-Mosaik gestalteten die Kinder und Jugendlichen der Feuerwehr und des Theatervereins in Dehmkerbrock die Übergabestation. Foto: sbr
  • Ein farbenprächtiger Hingucker: Mit einem imposanten Graffiti-Mosaik gestalteten die Kinder und Jugendlichen der Feuerwehr und des Theatervereins in Dehmkerbrock die Übergabestation. Foto: sbr


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