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Bruder eines britischen Kriegspiloten besucht die Aerzener Historikerin Katharina Hölterhoff-Grote

Fahne symbolisiert die besondere Freundschaft

Aerzen (ll). So groß die Feindschaft zwischen Deutschland und England im Zweiten Weltkrieg auch war – es sind verbindende Momente daraus entstanden. Freundschaftlich verbunden sind Katharina Hölterhoff-Grote und Jörg Grote mit den „Doncaster Airgunners“, einem britischen Freundeskreis von ehemaligen Kriegspiloten, der kürzlich zu Besuch in Aerzen war.

veröffentlicht am 31.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 00:21 Uhr

Jörg Grote zeigt das gemalte Bild einer Luftschlacht mit einem U
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Der 18. Oktober 1943 war paradoxerweise der Beginn einer bis heute anhaltenden Freundschaft, deren Ursprung der Absturz eines britischen Lancaster-Bombers über Aerzen ist. Jörg Grote erinnert sich noch gut an den Herbsttag, der das Leben des Aerzener Ehepaares so nachhaltig beeinflussen sollte. Grote war damals acht Jahre alt. „Mein Vater hat mir zu dieser Zeit befohlen, bei Motorengeräuschen in der Luft sofort in Deckung zu gehen“, berichtet er. Einmal jedoch widersetzte er sich den Anweisungen seines Vaters und blieb einfach stehen – genau zu dem Zeitpunkt, als der britische Bomber über Aerzen abgeschossen wurde und einen tiefen Krater nahe der Reinerbecker Straße hinterließ.

So erschütternd dieses Erlebnis für Grote gewesen ist, es war der Beginn einer großen Leidenschaft: Seither ist er Sammler von Fundstücken und Überlieferungen aus dem Zweiten Weltkrieg – und hat seine Frau Katharina Hölterhoff-Grote mit in den Bann der Luftkriegs-Historie gezogen. Im Arbeitszimmer des Aerzener Ehepaares stapeln sich Fachbücher über die Luftwaffe des letzten Weltkrieges. Zahlreiche Aktenordner, in denen jedes Schriftstück feinsäuberlich abgeheftet ist, dokumentieren persönliche Schicksale von Bomberpiloten und Flugzeugbesatzungen. Etliche Fliegerkappen, Steuerknüppel und Höhenanzeiger stehen zur Ansicht in mehreren Vitrinen aus Glas. Es sind alles Originale.

„Fliegerin ohne Flugschein“

Katharina Hölterhoff-Grote berichtet vom ersten Kontakt zu der britischen Fliegergemeinschaft, die jetzt zu Besuch bei den deutschen Freunden war. „Ich habe Anfang der 60er Jahre in einer Fliegerzeitschrift ein Gesuch von einem gewissen Gordon Rutherford gelesen. Er suchte nach Informationen über seinen im Luftkrieg vermissten Bruder“, erzählt sie. Als Frau, die sich akribisch mit der Geschichte des Luftkriegs beschäftigte, sei dies eine „Aufforderung zum Handeln“ gewesen. Nach umfangreichem Aktenstudium und Besuchen in Militärarchiven fand Katharina Hölterhoff-Grote heraus, dass das Flugzeug von Rutherfords Bruder im Anflug auf Deutschland über den friesischen Inseln abgeschossen worden war. Für Gordon Rutherford war damit ein wichtiger Mosaikstein seiner Familiengeschichte aufgeklärt. Und so entstand ein aufrichtiges, freundschaftliches Verhältnis des heute 80-jährigen Rutherford mit der Aerzenerin. Wegen ihrer Leidenschaft zur Fliegergeschichte ist sie die erste Frau in der Gemeinschaft der Jagdflieger geworden, wie Katharina Hölterhoff-Grote berichtet. Zwar sei sie eine „Fliegerin ohne Flugschein“, aber als Luftkriegs-Historikerin in Fachkreisen anerkannt.

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Es ist deutlich zu spüren: Die Fliegerei bestimmt das Leben des Aerzener Ehepaares. Wie Katharina Hölterhoff-Grote amüsiert erzählt, gab es von Ehemann Jörg zum 50. Geburtstag „statt Brillanten“ ein historisches Instrumentenbrett aus einem Jagdflieger – mit Original-Armaturen. Sie erinnert sich an Zeiten, „in denen die Küche zur Flugzeugwerft umfunktioniert“ wurde. Gestört hat das Katharina Hölterhoff-Grote nie. „Kochen konnte ich ja eh nicht“, sagt sie und lacht. Und immer dann, wenn sie ihre Freunde aus England trifft, erlebe sie „unglaublich schönes Momente“.

Als Luftkriegs-Historikerin in Fachkreisen anerkannt: Katharina Hölterhoff-Grote, die über ein umfangreiches Archiv verfügt.

Mit der Fahne seines Heimatortes Yorkshire dankt Gordon Rutherford Katharina Hölterhoff-Grote. Beim Empfang dabei waren auch Eduard Winkler (li.), ebenfalls aus England angereist, und Bürgermeister Bernhard Wagner.

Fotos: ll

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