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Heimische Photovoltaik-Forscher halten Argumentation der Bundesregierung für kontraproduktiv und nicht stichhaltig

Entsetzen in Ohr wegen Kürzung der Solarförderung

Ohr/Berlin (mafi). Zwar gibt es nun doch noch einen kleinen Aufschub von gut drei Wochen bei der Kürzung der Solarenergie-Förderung. Aber zum 1. April soll die Reduzierung der Subvention für neue Dachanlagen nach dem Willen der Bundesregierung tatsächlich greifen. Umweltschützer und Solarwirtschaft halten dies angesichts der propagierten Energiewende für einen schlechten Scherz – und auch die Experten beim Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) in Ohr sind entsetzt. „Die geplante drastische Beschränkung des Zubaus der Photovoltaik auf etwa 1,4 Gigawatt pro Jahr bedeutet nichts anderes als ,Vorrang für fossile Energie‘“, beklagt Professor Rolf Brendel. Wie der ISFH-Chef, der zudem an der Universität Hannover die Abteilung Solarenergie des Instituts für Festkörperphysik leitet, erklärt, müsste damit mittags fehlender Solarstrom durch Gaskraftwerke erzeugt werden – die aber eigentlich aus Klimaschutzgründen nur laufen sollten, wenn Sonne und Wind nicht reichen.

veröffentlicht am 08.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:21 Uhr

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Mit dem Konzept von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) reagiert die Regierung auf den Boom bei der Installation von Photovoltaikanlagen. Derzeit zahlt ein Durchschnittshaushalt für die auf 20 Jahre garantierte Förderung rund 70 Euro pro Jahr über den Strompreis. Wegen der gefallenen Kosten für Solaranlagen müsse die Vergütung an die Betreiber gesenkt werden, heißt es – „sonst machen sich Investoren die Taschen voll“. Schon zu Jahresbeginn war das Erneuerbare-Energien-Gesetz „verschärft“ worden; nun wollen CDU/CSU und FDP die Gelder nochmals um bis zu 29 Prozent kürzen; zusätzlich soll nicht mehr der komplette eingespeiste Solarstrom vergütet werden. Die Reform könnte der Bundesrat noch aufhalten.

Brendel erinnert, Strom aus Wind und Sonne seien die wichtigsten Säulen einer zukünftig erneuerbaren Stromversorgung in Deutschland. Beide Energieformen würden „unbedingt in großen Mengen“ benötigt. Das im Nationalen Aktionsplan enthaltene deutsche Photovoltaik-Ausbauziel für 2020 von 52 Gigawatt nun auf 42 Gigawatt zu reduzieren, sei ein falsches Signal. Den Bürgern, Planern, dem Handwerk und der Industrie, „die alle mit Photovoltaik Geld verdienen und Zukunft gestalten wollen“, würde die Planungssicherheit genommen. Der Fachmann empfiehlt, für Photovoltaik eine Zubaurate von etwa drei Gigawatt pro Jahr anzustreben, begleitet von einem beschleunigten Ausbau der Windenergie. „So wachsen Wind- und Solarenergie in einem sinnvollen Verhältnis der Strommengen von etwa 3:1.“ Die für die Beschränkung des Photovoltaikausbaus vorgebrachten Argumente – „explodierende Strompreise“ und „Netzüberlastung“ – halten laut Brendel einer Überprüfung nicht stand. Die geplante Reduzierung des Zubaus spare selbst bei den alten Vergütungssätzen nur etwa 0,2 Cent pro Kilowattstunde. „Dies entspräche einer einmaligen Strompreissenkung von weniger als einem Prozent“, rechnet der Experte vor. Und Netzproblemen durch Photovoltaikeinspeisung könnte mit regelbaren Transformatoren und modernen Wechselrichtern weitgehend Einhalt geboten werden. Brendel mahnt: „Wir brauchen erneuerbaren Überschussstrom, den zu speichern sich finanziell lohnt, damit sich die Entwicklung und der Einsatz von Speichern ähnlich beschleunigen, wie das bei der Photovoltaik passiert ist.“ Die Photovoltaik-Systempreise hätten sich in nur fünf Jahren halbiert und könnten auch noch weiter deutlich sinken. „Dafür gibt es viele gute Vorschläge aus den Laboren der Welt, auch aus dem ISFH in Ohr.“ Deutschland müsse sich beim Klimaschutz seiner internationalen Verantwortung bewusst werden. „Dies gibt uns einen viel längeren Hebel zur Lösung der Klimaproblematik in die Hand als es unserem Drei- Prozent-Anteil am Weltenergieverbrauch entspricht.“

Die Solarzellen werden immer leistungsfähiger. ISFH-Leiter Rolf Brendel ist überzeugt davon, dass Deutschland noch viel mehr Solaranlagen benötigt – die angekündigten Kürzungen bei Förderung und Zubau seien deshalb nicht nachvollziehbar. Foto: Wal



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