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„Die Geschwister Brontë“ beim Literaturfest in Hämelschenburg

Eine schier unendliche Fantasiewelt

HÄMELSCHENBURG. Ihre frühen Lebensjahre waren nicht das, was heute unter einer schönen Kindheit verstanden wird. Mehr ertragend als erlebend wachsen sie im viktorianischen England, auf den unwirtlichen Höhen des Yorkshire Moors und in der räumlichen wie finanziellen Enge bei Reverend Brontë in Harworth auf.

veröffentlicht am 23.09.2018 um 15:20 Uhr

Sonja Beißwanger, Johanna Krumstroh, Katharina Spiering und Henning Nöhren (vom links) mimen in der Zehntscheune des Renaissance-Schlosses Hämelschenburg die Geschwister Anne, Emily, Charlotte und Branwell Brontë. Foto: BR
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Die Schwestern Charlotte, Emily und Anne sowie ihr Bruder Branwell Brontë haben sich von diesen widrigen Lebensumständen allerdings nicht unterkriegen lassen, sind weder seelisch noch geistig verkümmert. Sie retten sich vielmehr in eine schier unendliche Fantasiewelt, eine Welt, aus der die drei Schwestern schließlich als anerkannte Schriftstellerinnen hervorgehen, indem sie ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse literarisch zu Roman-Bestsellern ihrer Zeit wie Emilys „Sturmhöhe“, Charlottes „Jane Eyre“ und Annes „Die Herrin von Wildfell Hall“ verarbeiteten. Lediglich Bruder Branwell rutscht in Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum ab und stirbt bereits als 31-Jähriger. Charlotte beweint indes nicht den Verlust des Bruders, sondern „das vergeudete Talent“. Denn das hatte Branwell ohne Zweifel. Er, der in Kindertagen der Spielführer im Fantasiereich der vier Geschwister war, das die Kinder bezeichnenderweise „Angria“ (englisch angry = zornig) nannten. Viel älter als Branwell werden die drei Schwestern allerdings auch nicht. Die Letzte von ihnen, Charlotte, ist knapp 39 Jahre alt, als sie, wie ihre beiden Schwestern zuvor, an Tuberkulose stirbt.

All das und noch sehr viel mehr erfuhr das Publikum am Samstag an unterschiedlichen Spielstätten (Zehntscheune, Kapelle Hauptgebäude und Café) im Schloss Hämelschenburg. Es war der vorletzte Abend der Reihe „Beziehungen“ im Rahmen des diesjährigen Literaturfestes Niedersachsen. Unter dem Titel „Die Geschwister Brontë – eine lebenslange Beziehung“ erzählten die Schauspielerinnen Sonja Beißwenger, Johanna Krumstroh, Katharina Spierung und ihr männlicher Kollege Henning Nöhren aus dem Leben der Vier, lasen Passagen aus der Brontë-Biografie von Elsemarie Maletzke ebenso vor wie aus den Werken selbst. Sie taten es in Mimik und stimmlicher Modulation einfühlsam und höchst überzeugend. Nebenher sorgten sie auch für die vergnügliche Facette der – übrigens ausverkauften – Veranstaltung, zum Beispiel als Katharina Spiering und Henning Nöhren ihr Publikum mit dem szenisch vorgetragenen „Der Poetaster“, ergötzten.

Das Quartett „Orchester im Treppenhaus“ (zwei Violinen, Akkordeon und Cello)gestaltete mit feinsinnig auf die jeweiligen Texte abgestimmten Melodien ebenso gekonnt den musikalischen Rahmen wie das Duo Christine Köhler (querflöte) und Florian Pöschko (Gitarre).

Gibt sich der Lächerlichkeit preis: Henning Nöhren als großspuriger Verseschmied Henry Rhymer in „Der Poetaster“. Sein Gegenpart (Katharina Spiering) kann angesichts derartiger Selbstüberschätzung nur noch staunen. Foto: BR

Abgerundet wurde der gleichermaßen informative wie unterhaltsame Abend mit einem „Dinner“, einer typisch englischen Speisenfolge, die all jene Lügen strafte, die nach wie vor behaupten, die Küche der Insel sei für kontinentale Gaumen nahezu ungenießbar. So ist beispielsweise ein auf britische Art zubereitetes Erbsenpüree weitaus schmackhafter, als seine englischsprachige Bezeichnung „mushy peas“ vermuten lässt.



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