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Markus Schwerdtner sammelt Uniknicks / Der Forstschlepper gilt als Rarität

Eine goldgelbe Waldameise auf vier Rädern

Multhöpen (sbr). In Deutschland gibt es offiziell 23 Arten von Waldameisen (Formica), die sich in vier Untergattungen aufteilen – rein biologisch betrachtet zumindest. Eine besondere Spezies wurde bei der exakten Feststellung der heimischen Artenvielfalt aber völlig außer Acht gelassen: Der Uniknick, die goldgelbe „Waldameise“ auf vier Rädern, wie er von Liebhabern gerne bezeichnet wird. Allerdings stände der spezielle Forst-Unimog längst auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, wäre er ein Lebewesen und nicht ein Knicklenker mit Mercedes-Benz-Stern.

veröffentlicht am 25.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:21 Uhr

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Insgesamt verließen zwischen 1971 und 1979 nur 75 dieser wendigen Forstschlepper die Firma Werner & Co. in Trier, die den Uniknick als Eigenentwicklung mit Mercedes-Benz-Komponenten baute und vertrieb. Nur etwa 30 Fahrzeuge haben den jahrelangen schweren Einsatz im Wald überlebt und gelten mittlerweile unter Unimog -Freunden in aller Welt trotz ihrer zum Teil unübersehbar deutlichen Gebrauchsspuren alle als absolute Raritäten. Der Wochenend-Multhöper Markus Schwerdtner kann gleich zwei sogenannte UK 52 -1 sein Eigen nennen: ein original goldgelbes Exemplar mit der Seriennummer 23, das 1972 gebaut wurde sowie den Uniknick mit der Seriennummer 43 aus dem Jahr 1973. Der bekam von seinem Vorbesitzer allerdings eine neue grüne Lackierung verpasst. Für diesen Frevel wurde dieser angeblich sogar mit einem Fluch belegt – und das vom eigenen Bruder. „Der Uniknick war 15 Jahre lang in Lilienfeld, dem waldreichsten Bezirk Österreichs, für das Stift Annaberg im Einsatz. Während des gesamten Zeitraums hatte das Forstfahrzeug nur einen Fahrer, der „seinen“ Uniknick für weitere 21 Jahre privat übernahm und ihn in dieser Zeit einer optischen Sanierung unterzog“, weiß Schwerdtner aus der Geschichte des ungewöhnlichen Fahrzeuges zu berichten. Dem Bruder des Vorbesitzers gefiel die wenig originalgetreue Farbgebung ganz und gar nicht. „Mit Deinem Grün hast du eine Sünde begangen. Die kannst du nur gutmachen, indem du nach Mariazell gehst und die ganze Falschlackierung dem Pfaffen beichtest“, ließ er seinen Bruder schriftlich wissen, als er davon erfuhr, dass der Uniknick seine goldgelbe Farbe gegen ein unauffälliges Forstgrün einbüßen musste. Schwerdtner liegt dieser ungewöhnliche Briefwechsel unter Brüdern sogar als Kopie vor. Seit 2009 ist der Kölner mit Zweitwohnsitz in Multhöpen stolzer Besitzer des mittlerweile 40 Jahre alten Gefährtes. Er hat den Uniknick mit seinem vorderen Leiterrahmen und dem hinteren Dreiecksrahmen von Grund auf technisch überholt und die fehlenden Kotflügel durch Originalnachbauten ersetzen lassen. Ein besonderes Highlight dieses Fahrzeuges ist die auffällige Befestigung des Ersatzrades. „Alte Fotos, die als Voraussetzung für die Ausstellung eines österreichischen Kfz-Briefes dienten, habe das Fahrzeug mit der ungewöhnlichen Konstruktion gezeigt. Leider war sie nicht mehr im Original vorhanden, aber anhand der Abbildungen war ein originalgetreuer Nachbau möglich“, erklärt der Unimog-Freund.

Uniknick Nummer zwei kam vor zwei Jahren nach Aerzen, wo Schwerdtner eine ehemalige Schmiede zur Schrauberwerkstatt umfunktioniert hat. Auch das ein Jahr ältere Modell verfügt über die für Uniknicks typischen zwei Schilder vorn und hinten, eine Seilwinde, große 26-Zoll-Räder und natürlich die Knicklenkung. Aus dem Hause Mercedes-Benz stammen lediglich die beiden Hinterachsen – beim Uniknick sitzt auch vorn eine Hinterachse – der 52 PS starke Viertaktdieselmotor mit Schalt- und Verteilergetriebe sowie die Fahrerkabine.

Ursprünglich hatte Markus Schwerdtner das Bestreben, möglichst viele der noch existierenden Uniknicks in einer privaten Sammlung zusammenzuführen. Eine fortschreitende Augenerkrankung macht die weitere Realisierung des Projektes aber schwierig, der Aufwand, ein solches Fahrzeug in Schuss zu halten, sei nicht zu unterschätzen. Und wenn auch die Sehkraft nachlässt, auf sein Gehör kann sich der Unimog-Freund verlassen. „Die Motoren laufen absolut sauber“, stellt er anerkennend fest, als die beiden Uniknicks vor der Aerzener Domänenburg ihre Position einnehmen. Mit den erhobenen Polderschilden sehen sie in der Tat aus wie zwei kämpfende Ameisen.



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