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Friedrich Sauermann geht als Landwirt neue (Vermarktungs-)Wege

Eine Frage der Haltung – Produkte direkt vom Hof

REINERBECK. Einige landwirtschaftliche Betriebe stemmen sich gegen den Druck der Branche und suchen sich neue Wege. Eine Möglichkeit ist, die hochwertigen Lebensmittel vom Hof, wie Eier, Milch, Fleisch und Wurst wie auch Honig und Käse, direkt zu vermarkten. Diesen Weg beschreiten erfolgreich Steffen und Friedrich Sauermann auf ihrem Hof in Reinerbeck.

veröffentlicht am 09.01.2018 um 14:44 Uhr
aktualisiert am 09.01.2018 um 18:00 Uhr

Neugierig werden die Besucher und Junglandwirt Steffen Sauermann von den Schweinen beobachtet. Foto: boh
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Autor

Uwe Bosselmann Reporter
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Selten zuvor waren Lebensmittel so günstig und, zumindest in den westlichen Ländern, schnell verfügbar. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sanken die globalen Preise für Lebensmittel von 2014 auf 2015 deutlich um 18,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die landwirtschaftliche Produktion von 2013 auf 2014 um 1,5 Prozent auf 6,55 Milliarden Tonnen, wobei Zuckerrohr Mais und Milch die Spitze der Produktion bilden.

Allerdings werden hohe Kosten für Düngemittel und Saatgut, eine rasant steigende Nachfrage aus den Schwellenländern und die steigende Energiepflanzenproduktion die Preise für Nahrungsmittel auf einem hohen Niveau halten. Vor diesem Hintergrund gilt der Grundsatz „wachse oder weiche“, welche den großen Agrarproduktionsbetrieben seit Jahren Vorschub leistet. So werden auch in den kommenden Jahren die Anzahl der kleinen und mittleren Betriebe sinken, während die Zahl der Betriebe mit 100 bis 1000 Hektar weiterhin steigen wird.

Der Strukturwandel wird das Bild der Landwirtschaft und deren romantisch- verklärtes Bild der kleinbäuerlichen Betriebe auf den Verpackungen und den Köpfen nachhaltig verändern.

Mit viel Platz in der Box können sich die Kälber auch um ihre Nachbarn kümmern. Foto: boh
  • Mit viel Platz in der Box können sich die Kälber auch um ihre Nachbarn kümmern. Foto: boh

Einige Betriebe suchen sich neue Wege. Eine Möglichkeit ist, die hochwertigen Lebensmittel vom Hof, wie Eier, Milch, Fleisch und Wurst wie auch Honig und Käse, direkt zu vermarkten. Viele Betriebe sind zu dieser Form übergegangen, auch weil die zu erzielenden Preise für Rohmilch und Fleisch stark schwanken und die Höfe sich damit von den großen Abnehmern der Lebensmittelindustrie unabhängig machen. Für die Kunden bedeutet dies, dass sie ihre Grundnahrungsmittel nicht anonym kaufen, sondern einen direkten Kontakt zum Landwirt und seinem Hof haben, die Herkunft der Produkte und die Haltung der Tiere kennen.

Wie auch der Hof von Friedrich Sauermann und seinem Sohn Steffen. Die Kühe, die gerade gemolken werden, schauen neugierig auf die Besucher und auch die Kälber recken ihre Hälse. In einem großen Stall beschäftigen sich sechs Schweine mit dem eingestreuten Stroh oder möchten viel von dem eingeworfenen Brot. Die Schweine sehen sauber und glücklich aus. Die Boxen sind für die Kälber und Schweine so groß, dass sie ständig in Bewegung sind. „Wir könnten nach den gesetzlichen Vorgaben erheblich mehr Tiere in den Boxen halten, doch wir wollen, dass die Tiere sich bewegen und sich entwickeln können“, erklärt Steffen Sauermann während des Rundganges und fügt an: „Diese Haltung und Mast ist erheblich aufwendiger und dauert länger. Die Schweine erreichen ein Schlachtgewicht von rund 120 bis 150 Kilogramm und wachsen langsamer, da wir auf Kraftfutter verzichten und fast ausschließlich eigene Futtermittel verwenden. Zur Beschäftigung nutzen wir natürliche Produkte, wie Maissilage, Grassilage oder auch Stroh.“

Natürlich ist diese Form der Landwirtschaft mit viel Handarbeit nicht so wirtschaftlich, wie in den großen Agrarbetrieben. Daher suchen viele Höfe andere Vertriebswege. Ganz neue beschreitet Steffen Sauermann. Schon die „Milchtankstelle“ auf dem Hof sorgte für großes Aufsehen. Und auch ein Automat, an dem sich die Kunden Wurst, Honig und Käse selbst abholen können. „Der Honig stammt von einem Imker aus Rischenau. Der Käse wird von einem Familienbetrieb in Nieheim produziert. Dort wird die eigene Milch zu Käse verarbeitet. Die Wurst wird in Zusammenarbeit mit unserem Hausschlachter aus den eigenen Schweinen hergestellt. Die Betriebe und Produzenten kennen wir alle persönlich und kommen aus nächster Nähe, so haben wir einen Einblick in die Verarbeitung und können so die Qualität einschätzen. Wir legen auch Wert auf kurze Wegstrecken“, betont Steffen Sauermann. Und seit dem 1. Dezember dieses Jahres ist noch ein neuer Weg dazu gekommen. „Jetzt können die Kunden über das Internet Dosenwurst, Eier, Honig und Kartoffeln bestellen. Die Waren liefern wir alle zwei Wochen im Bereich Hameln und Bad Pyrmont aus, Selbstabholung ist zu jeder Zeit an den Automaten möglich“, so der geschäftstüchtige Junglandwirt. „Wir schlachten die Tiere erst, wenn das Schwein oder das Rind durch Vorbestellungen verkauft ist. Regelmäßig frieren wir Pakete in kleinen Stücken ein, um auch kleine Familien oder Alleinstehende mit Fleisch versorgen zu können, die keine Möglichkeit haben, größere Mengen einzufrieren“, erklärt Sauermann.

„Wir hoffen, dass ein Umdenken bei den Kunden einsetzt, vermehrt regionale Produkte aus heimischer Produktion zu kaufen. Die Kunden werden feststellen, dass Qualität aus der Region nicht teuer sein muss“, meint Junglandwirt Sauermann. Unterstützt wird Steffen Sauermann von Christel Pohl, die den Online-Shop im Internet erstellte. „Es müssen strikte gesetzliche Vorgaben zu den Lebensmitteln und deren Transport penibel eingehalten werden. So ist zur Zeit noch die Lieferung auf bestimmte Postleitzahlenbereiche begrenzt“, erklärt Christel Pohl und fügt an: „Aber ich bin überzeugt davon, dass der regionale Online-Handel mit hochwertigen heimischen Lebensmitteln funktioniert. Es muss sich nur herumsprechen, dass diesen innovativen Service gibt.“



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