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Norbert Kinast aus Emmerthal ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei e.on Westfalen Weser

Eine Berufung, die ihn viel Energie kostet

Emmerthal (cb). Das Schild mit dem alten Firmennamen Wesertal, der für 90 Jahre Unternehmensgeschichte steht, wirkt fast wie ein Vermächtnis im Büro von Norbert Kinast. „Man kann seine Herkunft nicht leugnen“, sagt der 56-jährige Emmerthaler, um gleichzeitig deutlich zu machen, „dass man nicht zu sehr nur in die Vergangenheit blicken darf“. Bewegte Jahre, in denen Wesertal von den kommunalen Eigentümern zunächst 1999 an den Konzern Fortum verkauft wurde, um dann vom Energieriesen e.on übernommen zu werden. Kinast bewegt nunmehr die Zukunft des Unternehmens, das 2003 aus der Fusion der drei Regionalversorger EMR (Herford), PESAG (Paderborn) und Wesertal (Hameln) unter dem Namen e.on Westfalen Weser AG entstanden ist. Für ihn stehen die Zeichen auf Rekommunalisierung. Kinast, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrates von e.on Westfalen Weser mit knapp über tausend Beschäftigten, zeigt sich überzeugt, dass das Unternehmen im nächsten Jahr wieder in kommunaler Hand ist. „Ich sehe dazu keine Alternative“, sagt er.

veröffentlicht am 01.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:41 Uhr

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Seit 2002 steht Kinast, der heute sein 40-jähriges Dienstjubiläum feiert, als freigestellter Betriebsratsvorsitzender in der Verantwortung, ein Amt, das er damals von Martin Brutscheck, ebenfalls Emmerthaler, übernommen hatte. Viele Umstrukturierungen gestaltete er seitdem mit. Die Aufgabe, die Interessen der Mitarbeiter zu vertreten, sei für ihn „zur Berufung geworden“, sagt der kaufmännische Angestellte.

1972 begann er seine Ausbildung zum Industriekaufmann beim Regionalversorger Elektrizitätswerk Wesertal GmbH in Hameln. Danach arbeitete er als kaufmännischer Angestellter in der Abteilung Revision und Organisation, bevor er nach seiner Bundeswehrzeit in den Bereich Materialwirtschaft und Einkauf wechselte. Der Emmerthaler bildete sich fort zum Industriefachwirt, legte die Ausbilderprüfung ab und wurde Fachkaufmann für Einkauf/Materialwirtschaft. Im Jahr 2000 übernahm er die Teamleitung der Abteilung Materialwirtschaft.

Schon in den neunziger Jahren engagierte sich Kinast („Ich wollte mich in mein Unternehmen einbringen“) für die Mitarbeitervertretung, bevor er 2002 freigestellter Betriebsratsvorsitzender wurde. Seit zwei Jahren ist er Gesamtbetriebsratsvorsitzender von e.on Westfalen Weser und damit verantwortlich für die übergeordnete Vertretung aller drei Betriebsratsgremien aus Hameln, Herford und Paderborn. „Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf“, meint er unter Hinweis darauf, dass der Bereich Hameln den kleinsten Unternehmensteil bildet.

Stand er beim Verkauf an Fortum noch nicht in vorderster Reihe, änderte sich das, als e.on einstieg. Immer neue Änderungen und Umstrukturierungen führten dazu, dass Stellen abgebaut wurden. Dass dies sozialverträglich möglich gewesen sei, sieht er durch das Vertrauen im Kollegium als bestätigt an. „Es hat viel Energie gekostet“, sagt Kinast über manche Entwicklungen, die er mitbegleitet habe. Besonders dadurch, dass er dem Aufsichtsrat angehöre, damit die Interessen sowohl des Unternehmens als auch der Mitarbeiter zu vertreten habe. In der Regel sei in der Belegschaft akzeptiert worden, dass „die Lösungen, die wir gefunden haben, tragfähig waren“, sagt Kinast.

„Oft schlaflose Nächte“ habe er. „Es gibt viele Dinge, um die man sich früher keine Gedanken gemacht hat.“ Da er auch dem Konzernbetriebsrat von e.on angehöre, gelte es, noch mehr Entwicklungen abzuschätzen. Wobei: Direkte Auswirkungen durch das Sparprogramm „e.on 2.0“, über das der Düsseldorfer Konzern nicht nur Kosten, sondern auch bundesweit 6000 Stellen einsparen will, erwartet er auf die Regionaltochter nicht.

Im Zuge des harten Wettbewerbes um die Stromkonzessionen, den er auch in seinem Wohnort erlebte, wirbt der Emmerthaler nun für die Rekommunalisierung, bevor e.on Westfalen Weser „in viele Teile zersplittert“. Ziel laut Gesamtkonzern: Die 36 bislang beteiligten Kommunen, die bislang gut 37 Prozent der Anteile zeichnen, sollen die Beteiligung von e.on Energie von rund 63 Prozent, eventuell mit weiteren Partnern, zurückkaufen.

Zusammen mit den beiden anderen Betriebsratsvorsitzenden leistet Kinast dafür auch Überzeugungsarbeit, besonders stark in den Kommunen, die die größten Anteile halten. Zunächst müsse nun die Bewertung des Unternehmens abgeschlossen werden, bevor weitere Schritte folgen könnten. Die Hoffnung von Kinast: Im ersten Quartal 2013 könnten die wesentlichen Vorentscheidungen getroffen sein. Wie später der Name des Unternehmens lauten könnte? Norbert Kinast: „Das wird noch spannend.“



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