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Börry qualifiziert sich erstmals auf Landesebene für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Ein wichtiger Schritt zur Dorferhaltung?

Börry (gm). Haben unsere Dörfer Zukunft? Dieser Frage versucht die Dewezet in ihrer gleichnamigen Serie seit Anfang August auf den Grund zu gehen. Börry jedenfalls scheint ein Ort zu sein, dessen Bewohner positiv in die Zukunft blicken können. Denn mit Börry hat sich immerhin erstmals in der Geschichte der Gemeinde Emmerthal ein Dorf für den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ qualifiziert. Am Mittwoch, 19. September, wird deshalb eine Jury des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes ab 18.15 Uhr das Ilsetaldorf besuchen, um sich nachhaltige Eindrücke über das Zweikirchendorf zu verschaffen.

veröffentlicht am 16.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:21 Uhr

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Punkten könnte Börry bei der Jury mit dem neuen Bildungshaus, dessen Baubeginn noch in diesem September ansteht und das nach den Sommerferien 2014 bezugsfertig sein soll. Mehrere Vereine, zwei Mediziner, zwei Hebammen und ein Physiotherapeut hat das Ilsetaldorf zusätzlich für seine Einwohner zu bieten. Dennoch macht der demografische Wandel auch vor Börry nicht Halt. „In den letzten zwölf Jahren ist unsere Einwohnerzahl um fast 100 Mitbürger gesunken“, berichtet Ortsbürgermeister Rolf Keller (CDU) im Vorfeld des Kommissionsbesuches. Die Tatsache, dass lediglich 20 Prozent der Bewohner unter 20 Jahren sind, scheint ihn nicht zu beunruhigen: „Hier bei uns fängt das Leben eben erst mit der Ü50-Generation an.“

Der bevorstehende Landeswettbewerb bedeutet auch für Ortsbürgermeister Keller Neuland. „Beim Landesentscheid wird mit anderen Bandagen gekämpft als auf Landkreis- und Regionalebene“, ist sich Keller, der zugleich auch Sprecher und Organisationsleiter der Börryer Interessenvertretungen ist, sicher. „Vom zuständigen Ministerium aus Hannover haben wir Auflagen bekommen, die vom zeitlichen und rhetorischen Ablauf her gewisse Änderungen im Organisationsplan erfordern.“

Neben Börry und Fuhlen wurden weitere 17 Städte und Gemeinden aus ganz Niedersachsen für den diesjährigen Landeswettbewerb nominiert. Bereits 2002 holte Keller den Titel auf Landkreisebene nach Frenke. Drei Jahre später, immer noch in seiner Amtsperiode, gelang ihm eine Wiederholung. Seinerzeit mit dem Weserdorf Hajen, das 2005 zum „Dorf mit Zukunft“ im Landkreis gewählt wurde. Beide Dörfer qualifizierten sich für den Regionalentscheid, schafften allerdings nicht den großen Durchbruch bis zum Landeswettbewerb.

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  • Mit dem Preisgeld wurde in Hajen der „Zimmerplatz“ an der Kreisstraße 22 im Jahr 2009 komplett neu angelegt.
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  • Seit Frenke 2002 den Landkreiswettbewerb gewonnen hat, steht ein Findling mit Gravur auf dem „Thie“.

Doch was bleibt übrig vom einstigen Titel? In Hajen habe man das Geld beispielsweise genutzt, um eine Maibaumfeier zu organisieren, erinnert sich Wilfried Freise, der sich seinerzeit bereits als Kopf des Hajener Dorferneuerungsteams hervorhob. Außerdem sei der „Zimmerplatz“ an der Kreisstraße 22 im Jahr 2009 komplett neu angelegt worden und im vergangenen Sommer habe Freise mithilfe des Preisgeldes die sich dort befindenden Linden mit über 1000 Litern Wasser versorgt. Darüber hinaus werde derzeit am ehemaligen Hajener Fähranleger ein kleines Denkmal geschaffen, das an die Zeit des damaligen Übersetzens erinnert.

Anders im 115-Seelen-Dorf Frenke, das 2002 erstmals den Landkreiswettbewerb für das Ilsetal gewonnen hat. „Wir waren schon mächtig stolz“, erzählt Heimatforscher Wilhelm Hölscher. „Aber irgendwie ging es bei uns danach nicht so richtig weiter“, berichtet der heute 80-jährige ehemalige Landwirt, der vor 14 Jahren die Frenker Heimatstuben ins Leben gerufen hatte. Auch Ortsbürgermeister Keller erinnert sich an diese Zeit und erzählt, dass beim Landkreiswettbewerb 2002 in Frenke und beim Regionalentscheid 2003 zwei jüngere Frenker richtig viel Gas gegeben hatten. Keller: „Der eine ist heute beruflich und als Führer der Ortswehr dermaßen eingespannt, dass nicht mehr viel Zeit für eine strukturierte Dorfarbeit übrig bleibt.“ Sein damaliger Mitorganisator sei nach Australien ausgewandert. „Im Gegensatz zu Hajen fehlt in Frenke jemand, der mal so richtig das Heft in die Hand nimmt“, sagt Keller mit Hinweis auf die dortige Überalterung der Einwohner.

Auch die Frenker haben damals, wenn auch nur auf Landkreisebene, gewonnen und sich vom Preisgeld etwas gekauft: Auf dem „Thie“ wurde ein Findling mit Gravur errichtet, der an die 950-Jahrfeier erinnern soll. Auch ein nordischer Granit, der laut Heimatforscher Hölscher sogar aus der Region um Frenke stammt, ziert seither den Dorfmittelpunkt zwischen den Kreisstraßen K 21 und K 23. Dem „großen Bruder“ aus dem Nachbardorf Börry wünscht Hölscher viel Erfolg beim erstmals erreichten Landesentscheid.



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