weather-image
17°
Feuerwehrmuseum stellt Leihgabe

Ein Helm erzählt Geschichte

KIRCHOHSEN/PADERBORN. Abgeholt wurde er Anfang Juni in Kirchohsen. Dann ging es auf eine 70 Kilometer lange Reise. Öffentlich zu sehen wird er erst wieder ab dem 20. Oktober in einer Ausstellung in Paderborn sein: ein alter Feuerwehrhelm aus der Zeit der britischen Besatzung. Aufschrift „Civil Fire Service Feuerwehr“.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 12:57 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 18:00 Uhr

Dieter Wortmann, Kreisbrandmeister a.D. und Leiter des Museums des Kreisfeuerwehrverbandes (li.) übergibt Herrn Ilskens vom Paderborner Projektteam in Kirchohsen den Feuerwehrhelm. Foto: sbr
59.225-02

Autor

Sabine Brakhan Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Stahlhelme genau wie die blaue Wehrmachtsuniformen nach Entfernung der Hoheitsabzeichen von der Freiwilligen Feuerwehr weiter getragen. Eigentlich gab es für die Beschriftung der Helme eine Schablone, aber die ist offensichtlich nie bei der Feuerwehr in Oldendorf angekommen und so wurde der Helm von Hand beschriftet. Und eigentlich lautete die offizielle Beschriftung auch „Civil Fire Brigade“, weiß Dieter Wortmann, Kreisbrandmeister a.D. und Leiter des Museums des Kreisfeuerwehrverbandes Hameln-Pyrmont, zu berichten. Die Paderborner Ausstellung, die die Beziehungen zwischen den britischen Truppen und der westfälischen Bevölkerung beleuchten möchte, startet am 20. Oktober im Stadtmuseum am Abdinghof. Das wird allerdings noch umgebaut und so befinden sich die zusammengetragenen Ausstellungsstücke zurzeit im Depot im Technischen Rathaus. Auf 240 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden dann von Herbst 2017 bis Frühjahr 2018 zahlreiche Alltagsgegenstände und Erinnerungsstücke gezeigt, die deutsche wie britische Zeitzeugen beigesteuert haben. Auf den Helm aus dem Museum in Kirchohsen wurde Projektleiterin Dr. Bettina Blum während eines privaten Familienausflugs aufmerksam. Der führte sie zum Museum des Kreisfeuerwehrverbandes.

„Den brauche ich für die Ausstellung“, dachte sich die Projektleiterin aus Paderborn, als sie unter den zahlreichen Exponaten den ehemaligen Wehrmachtshelm mit der englischsprachigen Beschriftung sah. „Um den Wandel zum Ausdruck zu bringen, den die bisher militärisch organisierten Feuerwehren, die im Dritten Reiches unter dem Kommando von Himmlers Polizei standen, hin zur zivilen Organisation während der britischen Besatzung durchlief, standen uns bis dahin nur Bücher und Armbinden zu Verfügung“, berichtet Dr. Bettina Blum. Natürlich stellt Dieter Wortmann den Helm gern als Leihgabe für die Ausstellung, die bis Februar 2018 terminiert ist, zur Verfügung.

„80 Prozent der Exponate sind Leihgaben“, betont Blum, während sie vor einem Regal voller beschrifteter Kartons im Paderborner Stadtarchiv im Keller des Technischen Rathauses steht. Der überwiegende Teil der Gegenstände stammt aus Ostwestfalen. Nur wenige, qualitativ hochwertige Stücke kommen aus Berlin, Großbritannien oder, wie der Feuerwehrhelm, aus Kirchohsen. „Ein solches Stück ist sehr selten“, betont die Projektleiterin und Dieter Wortmann fügt an, dass der ehemalige Wehrmachtshelm sogar ein Einschussloch aufweist. Präsentiert werden alle Ausstellungsstücke im Originalzustand. Da wird nichts verändert oder aufpoliert, wie Blum betont.

Ein besonderes Ausstellungsstück: der alte Helm der Freiwilligen Feuerwehr Oldendorf. Foto: sbr
  • Ein besonderes Ausstellungsstück: der alte Helm der Freiwilligen Feuerwehr Oldendorf. Foto: sbr

Eine Besonderheit ist nicht nur der Feuerwehrhelm an sich, sondern auch die Art und Weise, wie er gezeigt wird: „Wir verzichten auf Vitrinen und arbeiten stattdessen mit Transportkisten“, erläutert die Projektleiterin mit Blick auf das Kommen und Gehen der Briten. Und so werden in unterschiedlich arrangierten und mit Hilfe von Paletten auf verschiedene Höhen gebrachten Holzkisten nicht nur Objekte und Texttafeln präsentiert, sondern die Umzugskisten dienen auch als Korpus für Videobildschirm- und Hörstations-Installationen.

Trotz der Vielzahl von Exponaten fehlt Blum noch ein ganz besonderes Schild für ihre Ausstellung: „Gaststätten hatten manchmal Schilder mit der Aufschrift ,Out of Bounds“ aufgehängt‘, so die Projektleiterin – und fragt die Hamelner, ob irgendwo in der Stadt noch ein solches Schild existiert, das dessen Besitzer als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung stellen würde.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare