weather-image
Bremer Familie rettet Gebäude vor Verfall

Ein Haus für 500 Euro

Aerzen. „Genau so etwas haben wir gesucht“: Die Bremer Familie Llalla-Genschmar will das sanierungsbedürftige Fachwerkhaus im Aerzener Goldschlag Nr. 4 aus seinem Dornröschenschlaf erwecken

veröffentlicht am 26.02.2016 um 11:54 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

270_008_7836759_lkae101_sbr_2302.jpg

Autor:

Sabine brakhan
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Las(s) den li(e)ben Gott walten, der hat lange Haus gehalten. Und an Gottes Segen ist alles gelegen.“ Diesen Spruch ließen die Eheleute Harman Piper und Anna Ilsabe Reckkers anno 1681 von den Zimmerleuten in den Torbalken ihres Fachwerkhaus-Neubaus schnitzen. Als zusätzlichen Schmuck für den Torsturz wählten sie Rankenornamente und eine Vase mit drei Blütenstängeln als Symbol für den Lebensbaum. Vermutlich war das Vorgängerhaus im Goldschlag Nr. 4, genau wie ein Großteil Aerzens einschließlich der Marienkirche und der Domänenburg, bei dem verheerenden Brand im Jahre 1642 zerstört worden. Zusätzlich trägt ein weiterer Balken am Erkervorbau die Inschrift: „Rufe Gott in allen Noten an, er wird gewis(s)lich bei dir stan.“ Bis heute, 335 Jahre nach seiner Erbauung, hat das mittlerweile unter Denkmalschutz gestellte Fachwerkhaus durchaus schon bessere Tage gesehen. Doch: Es steht noch! Und die Zukunft des vom Verfall stark gezeichneten Gebäudes scheint gesichert. Bereits im vergangenen Jahr konnte die Vorbesitzerin das an ihr Wohnhaus am Wall angrenzende Haus samt Nebengebäude verkaufen. „Mit dem Verkauf ist mir eine gewaltige Last von den Schultern genommen worden“, berichtet Birgit Keese. In der Internet-Community „fachwerk.de“ hatte die Aerzenerin das denkmalgeschützte Fachwerkhaus für einen Kaufpreis von 500 Euro angeboten und in der privaten Verkaufsanzeige auch die Mängel des Hauses nicht verschwiegen, schließlich muss es von Grund auf instand gesetzt werden, wie sie den Zustand des Gebäudes ungeschminkt beschrieb.

Allerdings datierte die Vorbesitzerin, anders als auf dem Spruchbalken des Fachwerkhauses vermerkt, das Baujahr auf 1673. Doch was machen bei insgesamt 335 Jahren schon acht Jährchen aus. Bei dem Wohnwirtschaftsgebäude, das nun den Besitzer gewechselt hat, handelt es sich um einen zweigeschossigen Vierständer-Fachwerkbau mit einer Längsdiele auf der linken und einem Erkervorbau, einer sogenannten Utlucht, auf der rechten Seite des Gebäudes. Das Haus gehörte einmal zu einer Großkötnerstelle und bot viel Platz für Landwirtschaft und Gewerbe. Anzunehmen ist, dass Mitte des 18. Jahrhunderts in dem Gebäude ein Schutzjude eine Werkstatt unterhielt, in der er Messing verarbeiten durfte. Aus dem Forstrezess von 1856 geht hervor, dass der Postkutscher Wilhelm Lenke Besitzer des Hauses Goldschlag Nr. 4 war und hier auch seine Vorspannpferde in den Stallungen standen. Die Posthalterei befand sich an der nahen Osterstraße. Zuletzt war das Fachwerkhaus im vergangenen Jahrhundert Wohnhaus und Werkstatt eines Tischlermeisters. Neuer Besitzer des sanierungsbedürftigen Fachwerkhauses ist nun die Familie Llalla-Genschmar aus Bremen. „Wir haben genau so ein Haus gesucht“, erzählt Familienvater Ilir Llalla. Ihn konnte der bauliche Zustand des Hauses nicht abschrecken. Pluspunkte sammelten vor allem der Standort des Gebäudes mit dem Dorfplatz vor der Haustür und die ländliche Umgebung von Aerzen. Der Goldschlag ist der älteste Teil des Ortes und als Mittelpunkt in gewisser Weise auch die gute Stube, die mit der anstehenden Sanierung durch die Bremer Familie eine deutliche Aufwertung erhält. „Wir möchten nicht, dass unser Sohn Franz in der Großstadt aufwächst“, sagt Llalla. Für diesen Wunsch nimmt er allerlei Arbeit in Kauf. „Wir haben uns bereits mit dem Denkmalschutz in Verbindung gesetzt. Nun muss ein Sanierungskonzept erstellt und mit dem Amt abgestimmt werden. Mit den ersten Sanierungsarbeiten wollen wir, wenn möglich, schon im Frühjahr beginnen“, so die neuen Fachwerkhausbesitzer. Und Llalla kann durchaus einschätzen, wie viel Arbeit es bedeutet, das alte Haus aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken und mit neuem Leben zu füllen. Der Bremer kommt aus der Baubranche und arbeitet im Trockenbau.

Der Sanierungsbedarf ist schon von außen zu erkennen.

270_008_7836763_lkae103_sbr_2302.jpg

Der Goldschlag ist der älteste Teil des Ortes, Pluspunkte hier sind der Standort und die Umgebung mit der reizvollen Landschaft.

Fotos: sbr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt