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Im Stall des Gestüts Hämelschenburg bekommen Ponyfrisur und Pferdeschwanz eine etwas andere Bedeutung

Ein Friseur für Pferde

HÄMELSCHENBURG. Waschen, schneiden, legen – beim Friseur ist das das ganz normale Programm. In einem Pferdestall jedoch vermutet man Kamm, Schere und Haarspray weniger. Pferdefriseur ist kein Ausbildungsberuf, diese Fertigkeit bekommt man von Erfahrenen vermittelt - wie am Gestüt Hämelschenburg.

veröffentlicht am 07.08.2017 um 18:07 Uhr

Johanna und Pauline sind ein eingespieltes Team beim Pferdefrisieren. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Waschen, schneiden, legen – beim Friseur ist das das ganz normale Programm. In einem Pferdestall jedoch vermutet man Kamm, Schere und Haarspray weniger. Und das, obwohl klassische Trends wie Ponyfrisur und Pferdeschwanz eine gewisse Verbindung nahelegen. In der Regel werden Pferde täglich gestriegelt und etwa alle zwei Tage wird ihre Mähne gekämmt, aber: „Bei Turnieren oder Vorführungen wird die Pferdemähne und der Schweif traditionell eingeflochten“, sagt Johanna Kraus.

Die 16-Jährige hat sich einen Hocker unter den Arm geklemmt und ist auf dem Weg zu den Stallungen des Gestüts Hämelschenburg. In der einen Hand hält sie das Halfter, in der anderen eine Kiste, die aussieht, als wäre sie aus einem Friseursalon ausgeliehen: Neben Kamm und Schere, Klammern sowie schwarzen und weißen Haargummis hat sie auch Haarspray dabei. So ausgestattet macht sich Johanna auf den Weg zu „Shavalou“. Der dunkelbraune Trakehner Hengst hat nämlich einen Friseurtermin, um für das anschließende Fotoshooting edel auszusehen.

Pferdefriseur ist kein Ausbildungsberuf, diese Fertigkeit bekommt man von Erfahrenen vermittelt. Wie man einem Hengst, einer Stute oder einem Fohlen eine Flechtfrisur macht, hat Johanna vor etwa drei Jahren von ihrer Mutter gezeigt bekommen. „Von ihr habe ich die Leidenschaft für Pferde und fürs Reiten geerbt“, erzählt sie. Wenn Johanna mit ihrer Friseurkiste und dem Hocker im Stall auftaucht, weiß „Shavalou“ Bescheid: Etwas mehr als eine Viertelstunde wird Johanna mit Unterstützung von Pauline Rohlfing (14) brauchen, um ihn aufzuhübschen. Diese Prozedur kennt der 16-jährige Hengst bereits von vielen Vorführungen und Turnieren. Und am Ende gibt es fürs Stillhalten ein Pferde-Leckerli, auch das weiß „Shavalou“. Als Erstes bekommt er aber von Johanna ein paar Streicheleinheiten und aufmunternde Worte, dann macht sie sich daran, die dunkelbraune Mähne in Kammbreiten zu unterteilen und einzelne Zöpfe zu flechten. „Die Zöpfe müssen eng und fest geflochten und anschließend mit schwarzen Mähnengummis fixiert werden. Man muss Geduld mitbringen und ordentlich arbeiten, damit die Zöpfe sich nicht wieder lösen“, erklärt die Pferdefreundin, während ein Zopf nach dem anderen entsteht. Geduld ist auch von „Shavalou“ gefordert, aber der Hengst scheint das Frisieren zu genießen.

„Das ist nicht bei allen Pferden so. Manche hampeln herum und man fängt immer wieder von vorne an“, sagt Johanna. In einem zweiten Arbeitsgang werden die Zöpfe mit einem weiteren, diesmal weißen Mähnengummi nach oben gebunden, sodass jeweils ein kleiner Dutt entsteht. „Das sieht dann in Verbindung mit der weißen Schabracke und den ebenfalls weißen Gamaschen sehr edel aus“, sagt Johanna. Nun noch ein paar störrische Pferdehaare, die vorwitzig aus dem Dutt herausschauen, mit der Schere gebändigt – und der erste Teil der Pferdefrisur ist fertig. Dann macht sich Johanna daran, „Shavalous“ Schopfzöpfe zu flechten und ebenfalls zweimal umgeklappt zu einem kleinen Dutt nach oben zusammenzubinden. Während heute nur der Hengst einen Friseurtermin hat, sind vor Fohlenschauen zum Beispiel eine ganze Reihe von Pferden beim „Salon Johanna“ angemeldet und dann kann es vorkommen, dass ihr die Finger vom vielen festen Flechten schmerzen und auch manchmal sogar eine Blase entsteht. „Wenn am Ende die Pferde richtig schick sind und toll aussehen, dann ist alle Mühe und so mancher Schmerz vergessen und man sieht, dass es sich gelohnt hat, die Zeit für die Pferdefrisur aufzuwenden“, sagt die 16-Jährige.

Zum Schluss wird noch mit Haarspray extra für Pferde Glanz in die Frisur gebracht und mit Babyöl die Augen- und Maulpartie gekonnt in Szene gesetzt. Der Schweif wurde bereits am Tag zuvor eingeflochten, um mehr Volumen zu erreichen, und muss heute nur noch ausgekämmt werden. „Jetzt siehst du richtig edel aus …“



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