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Aerzener und Emmerthaler erarbeiten Pläne zur Zusammenarbeit

Ein erster gemeinsamer Schritt

Emmerthal/Aerzen. Die beiden Bürgermeister der Flächengemeinden Aerzen mit 13 Ortschaften und Emmerthal mit 17 Ortschaften, die fast zeitgleich in ihren Ämtern verpflichtet wurden, haben ein gemeinsames Ziel, nämlich ihre jeweiligen Verwaltungshaushalte sinnvoll, aber dennoch bürgernah zu konsolidieren. Die Findungskonferenz „Integriertes Entwicklungskonzept Aerzen– Emmerthal“, die in der Kirch-ohsener Johann-Comenius Haupt- und Realschule stattfand, war ein erster gemeinsamer Schritt, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Somit also eine Botschaft, um viele Mitbürger aus Wirtschaft, Dienstleistung, Energieversorgern, Kirchen, Schulen, Kindertagesstätten, Vereinen und Verbänden mit ins Boot zu holen. „Mit fast 100 Besuchern lag die Resonanz deutlich über unseren Erwartungen“, bilanzierten Grossmann und Wagner nach der ersten interkommunalen Konferenz unisono. „Es ging hier heute nicht um Politik oder unsere jeweiligen Verwaltungen“, sagte Wagner. Ebenso wie Grossmann sprach sich Wagner für eine bessere Infrastruktur der Gemeinden aus. „Wir müssen langfristig überlegen, wie es auch in finanziell immer schlechter werdenden Zeiten konstruktiv und für unsere Bürger attraktiv mit unseren beiden Nachbargemeinden weitergeht“, sagten die beiden. „Das hier war keine Verwaltungsveranstaltung, wir beide wünschen uns nur, dass unsere Gemeinden in vielerlei öffentlicher Hinsicht enger zusammenrücken können.“

veröffentlicht am 05.03.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Günther Muhr
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In den vier Arbeitsgruppen „Senioren, Ärztliche Versorgung und Einkaufen“, „Wirtschaft, Energie und Verkehr“, „Bildung und Familie“ sowie in der Gruppe „Sporteinrichtungen und Vereine“ wurden während des Vormittages die jeweiligen Wünsche vorgetragen und nach dem Motto „Was wäre, wenn“ zusammengefasst. Bei der Vorstellung durch die Gruppensprecher kamen konstruktive Ideen heraus, die allerdings erst einmal umgesetzt werden müssten. „Wenn es um Wünsche geht, lehnen viele den Kopf nach hinten“, meinte Bauunternehmer und Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann kritisch. Eine Verbesserung der Qualität sei immer mit noch mehr neuen Kosten verbunden. „Entscheidend ist doch das, was wir können und wollen.“

Eine vernünftige und sinnvolle erste Maßnahme im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit bilde daher für ihn eine Vernetzung der beiden Gemeinden untereinander. Und da genau sieht die Emmerthaler Seniorenbeiratsvorsitzende Ilse Niehoff ein erstes größeres Problem. „Viele unserer älteren Mitbürger kennen sich gar nicht mit dem Internet aus, geschweige denn, dass sie überhaupt einen Computer haben“, sagte die rüstige Seniorin, die selbst noch recht mobil ist. Die Mobilität indes wurde auch in Frage gestellt.

Hier könne man sich eine direkte ÖPNV-Anbindung der Gemeinden untereinander vorstellen, zumal es im Emmerthaler Kernbereich deutlich mehr Einzelhandelsangebote als in Aerzen gibt. Nachteilig für Emmerthal wurde allerdings gewertet, dass die örtliche ärztliche Versorgung im Landkreisvergleich schlecht ist und die vorhandenen Ärzte und Fachmediziner überlastet sind. Auch in diesem Bereich wurden viele interessante Anregungen, wie die Wiedereinführung einer Gemeindeschwester, mobile Ärzte, rollende Arztpraxen oder einer Hausversorgung mit zentraler Rufbereitschaft gesammelt.

In der Arbeitsgruppe Senioren, ärztliche Versorgung und Einkaufen griff ein Thema ins andere über. „Bei uns in Emmerthal sind nicht nur ältere Menschen, sondern auch jüngere, die nicht mobil sind und aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren können, auf ein Taxi angewiesen“, informierte Ilse Niehoff. Da die Taxen aus Hameln geordert werden müssen, sind bedingt durch die Anfahrt von Hameln für Hin- und Rückfahrt mal eben 45 Euro fällig. Allerdings, und so wurde es in der Zusammenfassung auch deutlich, nutzten gerade viele ältere Mitbürger nicht das vorhandene Angebot des Aerzener Bürgerbusses, der bereits mangels Nachfrage eingestellt wurde, und des Emmerthaler Marktbusses. Vereine aus Aerzen und Emmerthal könne man nicht miteinander verschweißen, aber zumindest einige Sportstätten könnten eventuell gemeinsam genutzt werden, so Jörg Lindert.

Wenngleich aufgrund des demografischen Wandels die Schulkapazitäten nicht mehr ausgelastet sind und bis zum Jahr 2030 statistisch auch noch weiter zurückgehen, ist eine Zusammenlegung der beiden großen Schulen in Aerzen und Kirchohsen eher unwahrscheinlich. „Langfristig und finanziell begründbar seien daher eher die Schließungen der kleineren Grundschulstandorte“, wurde aus der Arbeitsgruppe Bildung und Familie deutlich. Irmgard A. Lohmann, Unternehmerin und zugleich Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Hamelner Frauenverbände, sprach sich mit Nachdruck für eine interkommunale Zusammenarbeit der beiden Gemeinden als wirtschaftsförderungsbedürftig aus. „Wir werden nicht nur von Berlin, sondern auch aus ganz Europa an unseren wirtschaftlichen Leistungen beurteilt“, resümierte die selbstständige vereidigte Buchprüferin und Steuerberaterin: „Die Unterhaltung von Arbeitsplätzen, schwerpunktmäßig aber auch der immer noch vorhandene Fachkräftemangel bedarf einer gesonderten Unterstützung. Wer sich in unseren Gemeinden beruflich wohlfühlt, empfindet eine emotionale Bindung und geht hier auch gerne zur Arbeit.“

Zum Ende der Veranstaltung zog Dirk Puche, einer der beiden Geschäftsführer der Planungsgruppe Lange Puche, eine positive Bilanz. „Es sind hier und heute viele fundierte und innovative Ansätze vorgetragen worden“, resümierte der Städteplaner und Moderator der Findungskonferenz. „Wir werden die Ergebnisse auswerten und für unsere zweite Zusammenkunft, der Strategiekonferenz, die am 29. April um 18 Uhr in der Aerzener Domänenburg stattfindet, zusammenfassen.“

Interessierte Bürger können sich informieren und anmelden in Emmerthal beim Ersten Gemeinderat Elmar Günzel, Tel. 05155/69101, oder in Aerzen bei Bernhard Wagner, Tel. 05154/98820.



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