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Im kommenden Jahr werden die Hämelschenburger durch die Stadtwerke Bad Pyrmont beliefert

Eigene Wasserversorgung geht den Bach runter

Hämelschenburg (gm). Wenn es auf dem meterhohen Dreifuß des Tiefbrunnens in den Emmerauen auf dem „Schafweg“ unterhalb der Schloßstraße (L 431) blinkt, ist der Vorsitzende des örtlichen Realverbandes immer der Erste, der einen möglichen Schaden analysiert. Seit 35 Jahren, also exakt genauso lange wie der Tiefbrunnen besteht, ist Wolfgang Bohle Vorsitzender der Realgemeinde Hämelschenburg. „Von meinem Haus, das sich oberhalb der Burg auf der Schmalen Haube befindet, habe ich eine optimale Fernsicht zu unserem Tiefbrunnen“, erzählt der ehemalige Sparkassenbetriebswirt. „Oft musste ich nicht runterfahren“, erinnert sich Wolfgang Bohle. „Aber bei Hochwasser oder Stromausfall war schnelles Handeln angesagt, um die entsprechenden Stellen zu informieren“ erklärt er.

veröffentlicht am 15.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

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Die eigenständige Wasserversorgung von Hämelschenburg hat eine lange Tradition. Denn bereits im März 1858 schlossen sich 24 Grundstückseigentümer zur Wasserversorgungsgenossenschaft Hämelschenburg zusammen. „Das Wasser wurde damals aus einem Quellbereich oberhalb von Hämelschenburg durch Tonrohre in den Ortskern bis zu den jeweiligen Wasserentnahmestellen geleitet“, weiß Bohle aus alten Übertragungen zu berichten. „Mein Urgroßvater war seinerzeit Mitbegründer der Wasserversorgungsgenossenschaft, mein Vater folgte ihm, und jetzt bin ich bereits in der dritten Generation für die eigenständige Wasserversorgung auf ehrenamtlicher Basis verantwortlich“, erzählt Bohle, der aus Altersgründen die Geschäftsführung der örtlichen Wasserversorgung zum Jahresende abgibt. Ein Nachfolger für Wolfgang Bohle aus den eigenen Reihen, der die Voraussetzungen gemäß den Auflagen der Trinkwasserversorgung erfüllt, konnte nicht gefunden werden. „Neben den personellen Problemen ergeben sich auch wirtschaftliche Probleme, die einen weiteren Eigenbetrieb nicht mehr zulassen, weil die Nebenkosten für einen kleinen Wasserverband deutlich zu hoch geworden sind,“ rechnet Bohle vor. 1908 errichtete die Wasserversorgungsgenossenschaft Hämelschenburg bereits ihren ersten Hochbehälter, der 1952 durch den Neubau eines deutlich höher gelegenen Hochbehälters ersetzt wurde. Dieser Hochbehälter ist bis heute in Betrieb.

Mitte 1974 wurden wegen Wassermangels die Quellfassungen im Berg aufgegeben. Seit dem Tiefbrunnenbau von 1975 wird das Wasser, das Mineralwasserqualität hat, vom Tiefbrunnen zum Hochbehälter gefördert. „Von dort aus drückt das Wasser in die 135 örtlichen Hausanschlüsse“, informiert Wolfgang Bohle, betont allerdings, dass die Burg eine eigene Wasserversorgung habe. „Mit den Kapazitäten unseres Tiefbrunnens in den Hämelschenburger Emmerauen könnten wir ganz Emmerthal mit Frischwasser versorgen“, erklärt der Vorsitzende des örtlichen Realverbandes. „Eine Anbindung an die Wasserwerke der Gemeinde Emmerthal im Verbundsystem wurde bereits vor mehreren Jahren von der Naturschutzbehörde abgelehnt, da sich unser Brunnen im Naturschutzbereich von Hämelschenburg befindet“, ärgert sich Bohle noch heute. „Wir wären über Nacht saniert gewesen und hätten sogar einen Gewinn erwirtschaften können.“ Der Tiefbrunnen in den Hämelschenburger Emmerauen könnte locker bis zu 200 000 Kubikmeter Wasser jährlich fördern, wurde allerdings durch die Naturschutzbehörde auf eine maximale jährliche Wasserförderungsmenge von 50 000 Kubikmeter begrenzt. Derzeit fördert der Hämelschenburger Brunnen 18 000 Kubikmeter Wasser jährlich für alle Einwohner des Emmerdorfes zu einem relativ kostengünstigen Kubikmeterpreis.

Zu Beginn des neuen Jahres wird Hämelschenburg, wie bereits auch die Emmerthaler Ortschaften Amelgatzen und Welsede, durch die Stadtwerke Bad Pyrmont mit Frischwasser versorgt. Der vorhandene, auf lange Sicht abgängige Hämelschenburger Hochbehälter von 1952 und der in bestimmten Fällen zu problematisch gewordene Tiefbrunnen stehen somit kurz vor dem Aus. „Eine Pipeline zum Versorgungsnetz in Emmerthal würde eine Anschlussleitung von mindestens 2000 Metern erfordern“ rechnet Bohle vor. „Das ist weder für die Gemeinde und schon gar nicht für uns als bislang noch eigenständigen Wasserversorger finanziell zu wuppen“, verdeutlicht der Vorsitzende des Hämelschenburger Realverbandes. Somit geht zum Ende des Jahres die 152-jährige Geschichte des ältesten Wasserversorgungsunternehmens Norddeutschlands und der bisher einzigen Realgemeinde, die in Niedersachsen eigenes Wasser fördert, zu Ende. „Aber die alte Zucke an der Hämelschenburger Straße, die bereits vor über 150 Jahren eine von insgesamt sechs Wasserentnahmestellen im Ort bildete, wird auch für unsere Folgegenerationen erhalten bleiben, um an unsere alte eigenständige Wasserversorgung zu erinnern“, sagt Bohle mit einem wehmütigen Lächeln. Im Jahr 1991 wurde die Zucke, auch Schwengelpumpe genannt, samt dem dazugehörigen Brunnen restauriert und mit einer Erinnerungstafel versehen.

Der 1975 erbaute Tiefbrunnen an den Hämelschenburger Emmerauen stellt zum Jahresende den Betrieb ein.



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