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Kinderbuchexperte Hans Witte bereitet Ausstellung über „Pop Up“-Bücher vor

Diese bewegten Bilderbücher wecken Erinnerungen

DEITLEVSEN. Die Krippe ist 125 Jahre alt. Und sie ist etwas ganz Besonders. Sie ist nämlich aus Papier. Im Esslinger Schreiber Verlag wurde sie als „Bilderbuch zum Aufstellen“ 1893 hergestellt. Die Krippe ist eines der rund 40 Exponate, die der Buchkunstdruck- und Kinderbuchexperte Hans Witte momentan in seiner „edition einstein“ in Deitlevsen vorbereitet. „Es geht um das Thema Pop Up-Bücher“, erklärt der 74-jährige.

veröffentlicht am 03.12.2018 um 14:33 Uhr

Die Krippe, gefertigt aus Papier, ist eines der rund 40 Exponate, die in der Ausstellung zu sehen sind. foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Seit 40 Jahren sammelt der ehemalige Kunsterzieher am Hamelner Albert-Einstein-Gymnasium alle Arten historischer Kinderbücher. „Pop Up-Bilderbücher entfalten sich beim Aufklappen zu räumlich gestalteten Szenen, die oft sogar mit Hebelmechaniken, Schiebern, Drehseiten oder Ziehfäden in Bewegung gesetzt werden können. „Es sind Bücher mit Bewegung“, erklärt Witte. Die Texte dieser fragilen Kostbarkeiten sind oft zugunsten der Bildgestaltung reduziert. Objekte, die weder Literatur noch Spielzeug sind, sondern sich auf dem schmalen Grat zwischen beidem bewegen.

„Pop Up-Bücher sind selten, denn viele sind zerspielt worden und die Abnutzung ist aufgrund des Materials, das ja aus Papier und Pappe besteht, groß“, so Witte.

Ursprünglich dienten – seit dem Mittelalter derartige beweglichen Buchteile in wissenschaftlichen Werken (Astronomie, Geologie, Botanik) der Erläuterung und Veranschaulichung.

Der Buchkunstdruck- und Kinderbuchexperte Hans Witte (re.) bereitet momentan seine Ausstellung vor. Guterhaltene Exemplare wie dieses (li.) sind nicht unbedingt selbstverständlich. fotos: eaw
  • Der Buchkunstdruck- und Kinderbuchexperte Hans Witte (re.) bereitet momentan seine Ausstellung vor. Guterhaltene Exemplare wie dieses (li.) sind nicht unbedingt selbstverständlich. fotos: eaw
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Seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts fanden Pop Up-Kinderbücher auch in Deutschland Verbreitung. „Oft aber nur für Kinder aus dem Bürgertum, denn die Herstellung war aufwändiger und teurer als die normaler Bilderbücher“, weiß Witte. Die Blütezeit dieser dreidimensionalen Buchobjekte lag zwischen 1880 und 1920, aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg kam es noch einmal zu einer Renaissance dieser Buchform. „Bilderbücher, die zu bewegende Objekte beinhalteten, zum einen als Erklärstücke, zum anderen als Unterhaltung“, sagt Witte. Im Laufe der Zeit trat das spielerische Element immer stärker in den Vordergrund. Witte: „Das war Kinderunterhaltung im Zeitalter vor dem Fernsehen.“

„Lampart’s Lebendiges Bilderbuch“ von 1865 ist das älteste Pop Up-Buch in Wittes Sammlung. „Mit beweglichen Figuren, zur Belustigung von Kindern“ verheißt die Aufschrift. Ein böser Werber will den Kasper zu den Soldaten zwingen. Ein Konflikt, der mit verdeckten Papierschiebern dramatisch gestaltet werden kann.

„Pop Up hat mit Pop Art nichts zu tun“, stellt Witte klar. Das Wort kommt vom Vorgang des Popcorn-Herstellens. „Wie das aufspringt, so springen auch die Szenen der bewegten Bücher auf. Szenen aus der Alltagswelt, aus Zoo und Zirkus, Verkehr und Technik, und um die Jahrhundertwende unzugänglichen Welten wie dem kolonialen Afrika.

Am 7. Dezember, um 19 Uhr wird Hans Witte mit einer Vernissage und einigen Überraschungsgästen die bis zum 20. Januar in seiner „edition einstein“ in Deitlevsen laufenden Ausstellung „Pop Ups, Toy Books, Spielbücher, Moveables – Lebende Bücher“ eröffnen. Um die Bücher in Bewegung sehen zu können, plant Witte zwei Sonderführungen. Nicht nur im Landkreis ist die Sammlung dieser zu Fantasiereisen anregenden bibliophilen Raritäten einzigartig.



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