weather-image
13°

Ehepaar Telle entscheidet sich bewusst für altes Hofgebäude / Peter Wefer benötigt viel Platz

Diese Atmosphäre kann kein Neubau bieten

Groß Berkel (sbr). Liebe auf den ersten Blick war es nicht, als Ulrich und Friederike Telle zum ersten Mal vor dem alten Hofgebäude in der Ohrschen Straße in Groß Berkel standen. Die Chemie zwischen dem naturverbundenen Ehepaar, das zum damaligen Zeitpunkt noch das Forsthaus in Grohnde bewohnte, und dem mit „Plastik-Klinkern und Bitumen verkleideten Fachwerkhaus“ stimmte nicht auf Anhieb, wie beide offen zugeben. „Da war schon ein zweiter und dritter Blick auf das Wohngebäude samt dazugehörenden Stall, Scheune, Garten und Ländereien notwendig. Am Ende stimmten das Wertgutachten und der Preis, was letztendlich den entscheidenden Ausschlag gab“, erklärt Friederike Telle ganz nüchtern.

veröffentlicht am 18.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

270_008_5831684_lkae102_1809.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Revierförster und die kreative Kunsthandwerkerin waren schon längere Zeit auf der Suche nach einem Resthof, der Platz für die Familie, Hund „Luna“, mehrere Pferde und das „kleine Landhaus“, den Kreativladen von Friederike Telle, bot. Auf gar keinen Fall wollten die Telles in einen Neubau ziehen. Ob Baudenkmal oder nicht, das war ihnen grundsätzlich erst einmal egal. „Jedes Fachwerkhaus ist ein Unikat, keines gleicht dem anderen, und ein altes Haus hat darüber hinaus eine ganz besondere Atmosphäre, die kein Neubau bieten kann“, erklärt Ulrich Telle seine Beweggründe, lieber alter Bausubstanz neues Leben einzuhauchen, als neu zu bauen. Und ganz unverblümt gesteht das Ehepaar ein, während der siebenmonatigen Umbauphase trotz des Einsatzes von Handwerkern, der Unterstützung von Freunden und nachbarschaftlicher Hilfe kräftemäßig manchmal an die eigenen Grenzen gestoßen zu sein.

In der Zeit zwischen dem Abschluss des Kaufvertrages und dem Zeitpunkt, als das Haus von all seinem Gerümpel befreit war und der eigentliche Umbau beginnen konnte, kamen dem Ehepaar zwischenzeitlich doch Zweifel, ob es richtig war, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. „Manchmal sah man einfach kein Vorankommen. Wir haben sehr viel Arbeit in unseren Traum vom eigenen Haus investiert, konnten dadurch aber auch sämtliche alten Türen erhalten, nachdem wir sie von der schwarzen Lackierung befreit hatten, und brauchten auch nur einen Teil der Fußböden erneuern“, berichtet Friederike Telle nicht ohne Stolz. Böse Überraschungen blieben dem Ehepaar in der Umbauphase glücklicherweise erspart, denn ein Bauingenieur hatte vor dem Abschluss des Kaufvertrages das über 200 Jahre alte Gebäude fachmännisch unter die Lupe genommen.

Aus langsam gewachsenen Ideen wurden nun schon bald konkrete Vorstellungen. Besonders beeindruckend ist dabei die Gartengestaltung. „Ich hätte nie gedacht, dass auch ein Hang so viel Gestaltungsspielraum zu bieten hat“, sagt Friederike Telle, die ihre Kreativität an der steilen Außenanlage richtig ausleben konnte. „Allerdings mussten wir auch Kompromisse eingehen“, räumen die Telles ein. Aus einem großen Terrassenfenster mussten beispielsweise aus statischen Gründen zwei Türen werden, weil ein alter Eichenbalken nicht so einfach entfernt werden konnte. Einen Eindruck von Friederike Telles Kreativität bekommt man im kleinen Laden, der in die Scheune des Anwesens eingezogen ist und von Dienstag bis Freitag jeweils nachmittags und am Samstagvormittag geöffnet hat.

Steynhauer Peter Wefer vor der ehemals landwirtschaftlich genutzten Scheune, die heute seine Werkstatt beherbergt.

Ein paar Häuser weiter, an der Dorfstraße, hat Peter Wefer jun. auf dem Hof Brockmann seine „Steynhauer“-Werkstatt eingerichtet. Wo früher Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wurde, entstehen seit 2011 aus historischen Steinen Zyklonsäulen mit rotierendem Feuer. Diese besondere Steinmetzarbeit hat sich der Groß Berkeler im Januar dieses Jahres sogar patentieren lassen. Auf der Suche nach Wohnraum, kombiniert mit einer kleinen Werkstatt, wurde er auf dem Hof in seiner früheren Nachbarschaft fündig. „Als Kind habe ich hier regelmäßig Milch geholt“, erinnert sich der 37-Jährige. Was in einem kleinen Teil des ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäudes begann, hat sich mittlerweile auf das komplette Backsteingebäude ausgedehnt. Für Peter Wefers Steinmetz-Betrieb war es von Vorteil, dass er in die ehemalige Scheune ein Wasserklärbecken mit drei Klärstufen einbauen konnte. „Das Wasser wird beim Schneiden und Bohren zur Kühlung eingesetzt und anschließend geklärt wiederverwendet“, erklärt er. Nachdem er von der Walz zurückgekehrt war, nahm Heta Brockmann den „Jungen aus der Nachbarschaft“ gerne bei sich auf dem Hof auf.

Für Peter Wefer käme ein modernes Gebäude als Standort gar nicht infrage, wie er sagt. Er hat sich der traditionellen Handwerkskunst verschrieben, setzt vorwiegend auf alte Materialien und möchte den Charme des 100 Jahre alten Hofes als Arbeits- und Wohnort auf keinen Fall missen. Vom besonderen Ambiente des Arbeitsplatzes des Steynhauers können sich Besucher beim Hoffest am 29. und 30. September selbst überzeugen. Dann warten neben Peter Wefers kreativen Steinmetzarbeiten auch Livemusik, eine Feuershow und ein kleiner Kunsthandwerkermarkt auf die Gäste.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?