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Aufsichtsrat für Dorfladen Grohnde gewählt / Rund 70 interessierte Gesellschafter

Die Zeichen stehen auf Grün

Grohnde. Der Saal ist proppenvoll und die Stimmung gespannt. Es ist ein wichtiger Tag für viele Grohnder. Der Moment der Gründungsveranstaltung ist gekommen und somit eine weitere Weichenstellung in Richtung Dorfladen. Jetzt bietet sich noch mal die Gelegenheit, letzte Fragenzeichen über den Köpfen zu löschen und Bedenken im Bauchraum zu klären. Ein Beschluss über den Inhalt des Vertrages soll gemeinsam gefasst und eine Unterzeichnung vorbereitet werden, der Aufsichtsrat für die Gesellschaft aus mindestens drei Mitgliedern gebildet. Die Chance ergreifen Einwohner aller Altersklassen, die in den Vorraum der Sporthalle gekommen sind. Von der jungen Familienmutter bis zum erfahrenen Dorfbewohner ist alles vertreten.

veröffentlicht am 15.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

von Nina Reckemeyer
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Es dauert nicht lange, und die Tatsachen kommen auf den Tisch. Zu Beginn verkündet Hubert Hennig vom Arbeitskreis, dass etwa 70 stille Gesellschafter für 15 000 Euro zeichnen wollen. Das ist ein Anfang, aber nicht genug. Das Projekt Dorfladen braucht mehr und so wolle man kräftiger die Werbetrommel rühren. 100 000 Euro würden an Umbaukosten, 50 000 Euro für die Einrichtung und 35 000 Euro für eine Erstausstattung an Warengütern anfallen: Macht zusammen 185 000 Euro. Eine Stange Geld, die die Grohnder aber nicht gänzlich aus eigner Tasche berappen müssen. Hennig erklärt, „zum größten Teil ist diese Summe über einen Kredit zu realisieren, das müssen nicht alles die Gesellschafter tragen“. Selbst wuppen müsse die Bürgergemeinschaft etwa 60 000 Euro, das machte bereits die Informationsveranstaltung im November vergangenen Jahres deutlich. Aus dem Saal kommt die Frage, wer denn das viele Geld zurückzahle, wenn nicht die Verantwortlichen. Wolfgang Gröll, der Unternehmensberater aus Bayern, der die Informationsabende in Grohnde nun schon eine Weile begleitet, erklärt: „Der Kredit wird dann zurückgezahlt, wenn die Leute im Dorfladen einkaufen“, er würde sich also irgendwann selbst abtragen.

Hennig macht deutlich: „Wenn wir heute die Satzung verabschieden, werden wir nicht morgen mit dem Bauen anfangen. Aber wenn wir den Dorfladen wollen, dann machen wir gemeinsam große Schritte im nächsten Vierteljahr.“ Und wenn nicht, werde man die Idee einstampfen. Der Vorsteher mahnt: „Wenn wir das jetzt nicht machen, dann machen wir es nie.“ Und die Grohnder wollen es machen. Sie beschließen das genossenschaftliche System, womit der Dorfladen, der einmal 400 000 Euro Jahresumsatz erzielen soll, zum Dorfladen Grohnde UG (haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft) benannt wird. Oberstes Ziel des Dorfladens soll es sein, einen achtsamen Umgang mit regionalen Ressourcen zu pflegen, alle Bürger vor Ort einzubinden und nicht nur des Geldes wegen im Dorfladen zu arbeiten, sondern auch, um einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Um den maximalen Profit geht es beim Dorfladen nicht. Gleichwohl würden die Gehälter der Mitarbeiter (von Verkäufer bis Filialleiter) erfahrungsgemäß zwischen 8,50 Euro und 17 Euro in der Stunde liegen, beteuert Gröll.

Als die Kernpunkte des Vertrages besprochen und abgestimmt werden, gehen viele Male viele Hände nach oben, mit ihnen die grünen Karten, die bedeuten sollen: Ich bin dafür. Es ist nicht zu übersehen, die Grohnder sollen schon zu diesem Zeitpunkt der Gründungsphase gemeinsam anpacken, selbst am Zug und eben mittendrin statt nur dabei sein.

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Als es allerdings an die Wahl eines Aufsichtsrates geht – es wird ernst – übt sich der Saal anfänglich in Zurückhaltung. Gröll beantwortet die Frage von Jürgen Hodes, der im Raum etwas weiter hinten sitzt: „Was macht denn eigentlich ein Aufsichtsrat?“ Der Unternehmensberater: „Der Aufsichtsrat, das sagt schon der Begriff, passt auf und gibt Rat.“ Das sorgt für Schmunzeln und überzeugt. Gröll fügt hinzu: „Er muss allerdings den Geschäftsführer benennen, achtgeben, dass der Plan eingehalten wird. Und er darf nicht die Geschäftsführung machen.“ Also wählen die Grohnder zielsicher jetzt gleich sieben Köpfe auf die Liste. Künftig werden demnach aufpassen und Rat geben: Hubert Hennig, Christina Optiz, Günther Lührig, Jürgen Hodes, Kurt Schriegel, Jürgen Kirk ud Andrea Knauer. Gemeindebürgermeister Andreas Grossmann behält sich an dieser Stelle übrigens vor, keinen Posten zu bekleiden: „Ich habe schon zuvor gesagt, irgendwann kommt der Punkt, an dem sich die Gemeinde aus dem Projekt zurückziehen und die Bürgergemeinschaft die Verantwortung übernehmen muss.“

Dass der Dorfladen eine echte Bereicherung für Grohnde ist, daran lässt Hubert Hennig keinen Zweifel. Er erklärt: „Ich wohne nun schon seit über 30 Jahren hier. Früher gab es hier viele kleine Läden, es war ein Bäcker hier und vieles mehr. Heute gibt es nur noch das Beerdigungsinstitut.“

Der Bayer unter den Grohndern: Unternehmensberater Wolfgang Gröll erklärt den Einwohnern anschaulich und unkompliziert, was es bedeutet, einen Dorfladen zu betreiben.nin/tk



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