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Einst gingen in dem kleinen Dorf mit 140 Einwohnern sogar drei Klubs diesem Hobby nach

Die Welt boult – und Selxen kegelt in der Gasse

Selxen (sbr). Mit einer ungewöhnlichen Idee hebt sich das kleine Dorf Selxen ab. Einmal im Jahr treffen sich die Einwohner zum Kegeln unter freiem Himmel. Das sogenannte „Gassenkegeln“ findet in der „Schneidergasse“, einem Privatweg innerhalb des Dorfes, statt und erfreut sich bei den Mitgliedern aller Selxer Kegelclubs nach wie vor großer Beliebtheit. „Der Rest der Welt boult, in Selxen wird in der Gasse gekegelt – und das bereits seit zehn Jahren“, schmunzelt Wilhelm Siever über diese Besonderheit.

veröffentlicht am 30.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:21 Uhr

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Obwohl: Eigentlich befindet sich das Dorf damit in bester Tradition, wie ein Blick in die Geschichte des Kegelsportes zeigt. Bis ins 18. Jahrhundert wurde ausnahmslos im Freien gespielt. In Europa wurde die beliebte Freizeitsportart von mittelalterlichen Mönchen unter dem Namen „Platzen“ unter freiem Himmel praktiziert. Aus der Chronik von Rothenburg ob der Tauber geht hervor, dass Kegeln bereits 1157 ein weitverbreitetes Volksvergnügen darstellte. 1370 wurde das Kegeln zum Glücksspiel erklärt und in Deutschland für einige Zeit verboten. Und weil Verbotenes immer etwas Mystisches mit sich bringt, beschäftigte sich prompt auch die heimische Sagenwelt mit dem späteren Volkssport. Die Sage von der Geisterkegelbahn im Lüningsberge, auf der mit goldenen Kugeln nach goldenen Kegeln geworfen wurde, war geboren. 1786 beschrieb Johann Georg Krünitz, ein Mediziner und Gelehrter aus Berlin, erstmals „13 Regeln für das Kegelspiel“, die zum Teil noch heute Gültigkeit haben. 1885 schlug mit der Gründung des „Zentralverbandes deutscher Kegelklubs“ in Dresden die Geburtsstunde des deutschen Kegelsports in seiner heutigen Form. Ein einheitliches Regelwerk wurde entwickelt und die Bahnen genormt.

Die Chronik von „Selekessen“, so der alte Name des Dorfes mit über seiner über 700-jährigen Geschichte liefert keinen Hinweis auf die Lust am Kegeln in früheren Jahrhunderten. Allerdings wird darin auf rege Kegelsportaktivitäten in den 1970er Jahren hingewiesen. Gleich drei Kegelclubs, die „Selxer Hummeln“, die „Selxer Eichen“ und die „Selxer Backhaus-Holzer“ gründeten sich von 1974 bis 1977 im damals 140 Einwohner zählenden Ort. Noch heute können zwei der drei Vereine auf einen regelmäßigen aktiven Spielbetrieb verweisen.

Und: Einmal im Jahr treffen sich alle Selxer Kegler ganz traditionell zum Spiel unter freiem Himmel. Dann profitieren die Kegelschwestern um Kegelmutter Waltraud Köller von ihrer über 32-jährigen „Selxer Hummel“-Erfahrung, und die „Selxer-Backhaus-Holzer“ mit Gründungsmitglied und Kegelvater Wilhelm Siever an der Spitze räumen den Damen ganz großzügig eine Verkürzung der Bahn um zwei Meter ein.

„Die Idee, einmal auf der Straße zu kegeln, entstand bei einem gemütlichen Zusammensein im ehemaligen Backhaus. Die verkehrsberuhigte Lage der leicht ansteigenden Gasse und die längs des Weges verlaufende Gosse sind wie geschaffen für eine Freiluftkegelbahn“, erklärt Wilhelm Siever die technischen Vorzüge des Dorfvergnügens. „Mit der alten Holzkugel der Groß Berkeler Kegelbahn lässt sich prima auf die Kegel zielen und sie kommt durch das Gefälle in der Gosse immer wieder automatisch zum Spieler zurück.“

Und nicht nur „Pumpen“ werden auf der Teerstraße geworfen, sondern auch so besondere Würfe wie die „Acht ums Vordereck“. „Dafür gab es 2006 eine Urkunde verbunden mit einer Feier für Irmhild Borchers“, weiß der Kegelvater von vergangenen Veranstaltungen zu berichten. „Auch wenn innerhalb des Vereins oft ehrgeiziger Einsatz gezeigt wird, der Spaß an der Sache steht immer im Vordergrund“, fügt Waltraud Köller an und muss schmunzelnd daran denken, wie die Männer zum zehnjährigen Bestehen ihres Kegelclubs in dunklem Anzug und Zylinder auf ihrer Hauskegelbahn bei Lindhorst in Groß Berkel erschienen und für Aufsehen sorgten.

In Selxen erfreut sich das Gassenkegeln großer Beliebtheit. Die Idee, einmal auf der Straße zu kegeln, entstand einst bei einem gemütlichen Zusammensein im ehemaligen Backhaus.

Foto: sbr

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