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Ein Buch aus dem Verlag Jörg Mitzkat dokumentiert die große Ausstellung

Die Schlacht um Grohnde

EMMERTHAL/GROHNDE. 40 Jahre ist die „Schlacht um Grohnde“ jetzt her, die in die Geschichte des Kernkraftwerks Grohnde und des Weserberglands eingegangen ist. Lange war das Ereignis allenfalls Gesprächsgegenstand von Zeitzeugen, die selbst an der von Gewalt geprägten Demonstration am Gelände des AKW beteiligt waren.

veröffentlicht am 03.01.2018 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 03.01.2018 um 14:50 Uhr

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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Dass jetzt im Holzmindener Verlag Jörg Mitzkat ein Buch mit dem gleichnamigen Titel erscheinen konnte, verdankt die interessierte Öffentlichkeit vor allem der Regionalkonferenz „AKW Grohnde abschalten“, die dafür sorgte, dass die damaligen Auseinandersetzungen in einer Ausstellung dokumentiert wurden.

Der Aufruf der Regionalkonferenz, Materialien zur Verfügung zu stellen, fand nach Angaben des Historikers Bernhard Gelderblom, der das Projekt maßgeblich begleitete, ein sehr starkes Echo. Einzelpersonen hätten ganze Sammlungen an Dokumenten, Plakaten, Fotos und anderes mehr zur Verfügung gestellt, resümiert Gelderblom im Vorwort zu dem Buch. Auch die Bitte, persönliche Erfahrungsberichte zu schreiben, habe ebenfalls reichen Widerhall gefunden.

So ist dank der Arbeit von Bernhard Gelderblom ein 238 Seiten starkes Werk entstanden, das die Ausstellung komplett dokumentiert, darüber hinaus aber noch weitere Erfahrungsberichte und am Ende vor allem eine ausführliche Reflexion über die Geschehnisse enthält. Auf mehr als 60 Seiten beschäftigt sich das Buch allein mit dem Tag der Demonstration am 19. März 1977. Untersucht werden die Vorbereitungen, die Demonstrantenströme sowie die verschiedenen Schauplätze der Kundgebungen und Auseinandersetzungen. Dabei werden sowohl die Sichtweisen der Demonstranten dargestellt als auch die teilnehmender Polizisten dokumentiert.

Auch die Fotos stammen aus den Blickwinkeln der sehr unterschiedlichen Akteure, aber natürlich auch aus dem Archiv der Dewezet, die sehr früh auch das Anti-Atom-Dorf Grohnde journalistisch und fotografisch begleitet hatte.

Dass es zur „Schlacht um Grohnde“ kam, sieht Gelderblom vor allem in den vorausgegangenen Demonstrationen um das Atomkraftwerk Brockdorf begründet, „wo die Polizei überhart agierte“, wie der Historiker einleitend schreibt. Gewalt sei auf beiden Seiten geübt worden.

„Die Fotos zeigen sie in ihrer ganzen Hässlichkeit.“ Es sei nur glücklichen Zufällen zu verdanken gewesen, dass es in Grohnde keine Toten gegeben habe. Ausdrücklich betont Gelderblom, dass die jetzt vorgelegte Darstellung „die Ereignisse nicht aus der Distanz einordnen, analysieren und bewerten“ will. „Sie betrachtet den Widerstand gegen Grohnde vielmehr mit grundsätzlicher Sympathie, wenn auch aus gehörigem zeitlichem Abstand.“ Gut und richtig an dem Buch ist, dass sich der Leser aus den sehr unterschiedlichen Berichten und Blickwinkeln ganz allmählich ein Bild des höchst komplexen Geschehens in Form einer Collage machen kann, wie Gelderblom mit Blick auf das Buch selbst schreibt. Zumindest in Deutschland soll die Atomenergie spätestens im Jahr 2022 ihr, wenn auch nur vorläufiges, Ende finden, denn allein der Rückbau der Kernkraftwerke wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen, ganz zu schweigen vom Problem der Endlagerung der radioaktiven Rückstände dieser Energieepoche. Genau diese Endlagerung weckte erneut den Widerstand gegen die Atomkraft und ihre Begleiterscheinungen im Weserbergland – es waren die Castor-Transporte, die erneut viele Menschen motivierten, ihren Protest laut und nicht immer gesetzeskonform zu dokumentieren. Auch das findet in dem Werk zumindest in der Beschreibung der Anti-Atom-Bewegung im Weserbergland seinen Niederschlag. Zeittafeln zum AKW Grohnde und die Anti-Atombewegung dokumentieren zudem sinnvoll das komplexe Werk.

Das Buch „40 Jahre ,Schlacht um Grohnde‘ 1977 - 2017“ ist im Verlag Jörg Mitzkat erschienen und kostet 24,80 Euro.

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