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Mitglied des Club of Rome spricht über die Energieprobleme der Zukunft / Kein Plädoyer für oder gegen Atomenergie

„Die Kernkraftwerke abzustellen, wäre Harakiri“

Grohnde (tk). Überbevölkerung, Hungersnöte, Krieg um knappe Ressourcen – und die fossilen Brennstoffe gehen langsam zur Neige. Wie können wir im 21. Jahrhundert eigentlich überleben?

veröffentlicht am 05.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:21 Uhr

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Diese Frage stand im Mittelpunkt des „Kernkraftgespräches 2010“, das im e.on- Atomkraftwerk stattfand. Und die Betreiber hatten sich mit dem Mitglied des Club of Rome, Prof. Franz Josef Radermacher, ein wissenschaftliches Schwergewicht als Referenten eingeladen.

Seine These: Die Technik ist der Schlüssel zur Zukunft, denn keine Frage sei so zentral wie die Energiefrage. Ein Plädoyer für oder gegen Atomenergie wollte Radermacher allerdings nicht halten. Zur Laufzeit der deutschen Meiler bezog er eine eindeutige Stellung: „Auf keinen Fall sollte man die funktionierenden Kraftwerke abstellen, das wäre in Anbetracht der Zukunft und unserer Finanzlage Harakiri.“ Radermacher teilt damit die Auffassung des Nachhaltigkeitsbeirates Baden-Württemberg, in dem er tätig ist. Dort habe man aber auch nicht übersehen, die Gegenforderung zu formulieren, in andere Innovationen zu investieren, sagte Radermacher. „Die Steinzeit endete nicht wegen Mangel an Steinen“, man könne sich auch etwas einfallen lassen, bevor die Ressourcen zu Ende gingen.

Allerdings sei es die Crux der Technik, dass man mit jeder neuen Erfindung auch neue Probleme und Risiken schaffe. Radermacher nennt dies den Bumerangeffekt. Seine Hoffnung hat er auf zwei technische Entwicklungen gerichtet, das Desert-Tech-Project und die Super-Geo-Power. In der Sahara soll mit riesigen Kollektorenfeldern Energie aus der Sonnenstrahlung gewonnen werden. Bei der Geo-Power nutze man die Kernhitze der Erde in 15 Kilometern Tiefe, erklärte der Informatik-Professor. Er rechnet in Zukunft mit einer Erdbevölkerung von 10 Milliarden Menschen, aktuell seien es fast schon 1 Milliarde – „der Bevölkerungszuwachs stellt uns vor eine ganz besondere Schwierigkeit“. Dennoch glaubt Radermacher, dass Wohlstand für alle Menschen möglich sei. Er interpretiert ihn allerdings anders. „Wir werden nicht mehr jeden Tag Steak essen können und nur noch wenig fliegen, aber der Erdbevölkerung im Ganzen wird es besser gehen“, sagt Radermacher. „Wir werden mehr Zeit haben und die Ästhetik wird vielfältiger, weil mehr gebildete Menschen mehr Impulse geben werden.“

Um das zu verwirklichen, bedürfe es aber enger Kooperationen der 192 Staaten der Welt; diese „Global-Governance“ sei unerlässlich „wenn unsere Welt eine Zukunft haben soll“.

Bekannt geworden ist der Club of Rome besonders durch seinen 1972 veröffentlichten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Der Club wurde 1968 gegründet und pflegt einen globalen Gedankenaustausch zu verschiedenen internationalen politischen Fragen. Erstmalig waren bei dem e.on-Kernkraftgespräch nicht nur politische Vertreter und Bürger aus Emmerthal eingeladen worden, sondern aus dem gesamten Kreisgebiet.

Prof. Franz Josef Radermacher ist Mitglied des Club of Rome. Beim e.on-Kernkraftgespräch diskutiert er die Möglichkeiten der Technik im 21. Jahrhundert.

Foto: tk



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