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Thomas Henjes pflegt Bäume – und setzt dabei auf die Klettertechnik / Für ihn „Mittel zum Zweck“

Die Arbeit in luftiger Höhe ist für ihn Routine

Lüntorf (ubo). Wo Leitern oder maschinelle Hilfsmittel wie Hubsteiger an ihre Grenzen stoßen, beginnt der Einsatz von Thomas Henjes in den hohen Bäumen. Fast spektakulär wirkt es, wie der Lüntorfer sich in den Kronen der Eichen am Sportplatz seines Heimatortes bewegt und Äste zurückschneidet. Henjes ist nicht nur Gärtnermeister, sondern gleichzeitig Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Das wagemutig und akrobatisch in schwindelerregenden Höhen anmutende Klettern ist für ihn dabei „nur Mittel zum Zweck“. „Unser Ziel ist es, alte Bäume zu erhalten“, sagt der Experte. „Und das erfordert einen hohen Sachverstand über Baumarten, Krankheiten, Pilze und Baumbiologie. Meist stehen diese Bäume unter Schutz oder sind ein Naturdenkmal. Da muss man mit viel Fingerspitzengefühl arbeiten.“

veröffentlicht am 27.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 00:21 Uhr

Mit geübter Technik ist Thomas Henjes innerhalb kurzer Zeit in d
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Damit zählt der Lüntorfer zu den bundesweit rund 300 Firmen, die sich professionell mit dem Schutz von Großbäumen mit einer Höhe über 25 Metern beschäftigen. Im Gegensatz zum Hubsteiger, wie die höhenverstellbaren Arbeitsbühnen heißen, hat die Klettertechnik viele Vorteile. „Damit sind wir standortunabhängig und sind im Baum“, so Henjes. Während die Arbeitsbühne immer den Standort wechseln muss, sind die Kletterer sehr flexibel. „Zudem kann die Arbeit im Baum effektiver erfolgen, und wir können sensibler auf den Baum reagieren“, führt er weiter aus.

Sicherheit

spielt große Rolle

Sicherheit steht dabei über allen anderen Fragen. „Wir arbeiten mit der Doppelseilklettertechnik, da das Seil über eine Rolle läuft und der Baumpfleger durch das Seil mit einem Knoten am Sicherungsgeschirr verbunden ist. Die Längen regeln wir mit einem anderen Knoten“, erläutert Thomas Henjes. Mit gezieltem Blick wirft er zunächst eine dünne Schnur mit einem Sandsäckchen als Gewicht in eine Astgabel oder über einen tragfähigen Ast. „Bis 22 Meter treffe ich genau“, berichtet Henjes stolz. Anschließend kann er das Aufstiegsseil mit der Schnur hochziehen. „Mit der Fußklemmtechnik gehe ich dann am Seil hinauf und installiere das Klettersystem mit Gurt, Seil und Rolle. Das Material für die Klettertechnik und Sicherung wie Karabiner und Seile ist speziell für die Baumpflege.“ Dann kann seine eigentliche Arbeit beginnen.

„Ein 1000 Jahre alter Baum ist nur deshalb so alt geworden, weil 950 Jahre niemand an ihm herumgeschnitten hat“, sagt der Fachagrarwirt. Und so nähert er sich jedem Baum voller Respekt. „Das erfordert ständige Weiterbildung“, so Henjes, der als festen Termin im Kalender beispielsweise die „Osnabrücker Baumpflegetage“ nennt. „An diesen Tagen profitieren die Wissenschaftler von unseren Arbeitssituationen aus dem Alltag. Es gibt Praxisvorführungen, Diskussionen, Fragen und Anregungen. Umgekehrt erhalten wir Fachvorträge über Krankheiten, Pilze und Forschungsergebnisse.“

Sicherheit wird großgeschrieben: Thomas Henjes bereitet sich auf
  • Sicherheit wird großgeschrieben: Thomas Henjes bereitet sich auf seinen Einsatz vor.

Es gibt sogar Meisterschaften

Bevor Henjes in einen Baum steigt, sieht er ihn sich sehr genau an, um die Arbeitsschritte festzulegen. Dann geht es hinauf. „Das benötigte Werkzeug nehme ich gleich mit. Mit diesem System kann ich mich recht frei und schonend im Baum bewegen“, erklärt er. Mit der Hand- oder Motorsäge werden zum Beispiel Totholzäste entfernt und die Krone in Höhe und Breite gekürzt. Die Form wird meist im Vorfeld festgelegt. „Dazu ist ein sehr gutes Raumgefühl notwendig. Auch das Freischneiden in der Nähe von Leitungen gehört dazu“, so Thomas Henjes.

Ein weiteres Betätigungsfeld der Baumpfleger ist es, die Kronen zu sichern. „Wenn ein Baum eine sehr ausladende Krone hat, besteht die Gefahr, dass ganze Äste durch Wind abbrechen. Dann müssen die Krone und auch Äste durch Gurte und Seile gesichert werden.“

Die Auftraggeber der Baumpfleger sind meist Kommunen, Landkreise, öffentliche Einrichtungen und Kirchengemeinden. „Auch Privatpersonen geben Aufträge, und Kollegen fragen nach Unterstützung bei sehr umfangreichen Arbeiten“, erklärt der Fachmann. So führen ihn seine Auftraggeber weit über die Landkreisgrenzen hinaus. „Unser Arbeitsbereich reicht bis ins Münsterland und Süd-niedersachsen“, zeichnet der Baumpfleger seinen Aktionsradius. Seinen größten Baum bearbeitete Thomas Henjes bisher in Lünen. „Es war eine Pappel mit einem Stammumfang von acht Metern. Die flößt einem schon Respekt ein“, sagt der Lüntorfer respektvoll.

Die bundesweit tätigen Experten messen sich seit einigen Jahren sogar in Wettbewerben. Zuletzt fanden im Mai die Deutschen Meisterschaften im Baumklettern in Waldkirch bei Freiburg statt. Fünf Disziplinen werden dabei gewertet: das Werfen des Säckchens in eine Astgabel, Aufstieg mit der Fußklemmtechnik, Schnellklettern auf einem markierten Weg, Rettungsübung und Arbeitsklettern, bei dem fünf Stellen im Baum erreicht werden müssen. „Da die meisten Teilnehmer direkt von der Baustelle zum Wettkampf gehen, bereitet es ihnen kaum Schwierigkeiten“, so der Baumpfleger, der bei den Meisterschaften selbst einen guten Platz im Mittelfeld belegt hat.

Aber auch ohne Wettbewerbe: Die Disziplin Rettungsübung gilt als wichtiger Faktor in der Sicherheitsfrage, gehört damit zum Pflichtprogramm der Kletterexperten. Thomas Henjes: „Jedes Jahr müssen wir eine Rettungsübung, bei der ein Kollege aus dem Baum sicher zu Boden gebracht werden muss, nachweisen.“

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