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Eisenbahnfreunde feiern ihr zehnjähriges Bestehen

Der „Rheingold“ hält in Emmerthal

EMMERTHAL. Langsam taucht die schwarze Dampflokomotive aus dem Tunnelportal auf, faucht durch das kleine Wäldchen unterhalb der von Weinreben umgebenen Burgruine, um fast im Schritttempo in den Bahnhof „Hinterwald“ einzurollen. Im Schlepp hat das Dampfross historische, blau-weiße Personenwagen des legendären „Rheingold“-Zuges. Vor dem Bahnhof wartet bereits ein roter Omnibus, in den viele der Reisenden umsteigen, nicht ohne sich zuvor an einem kleinen Kiosk mit Reiselektüre versorgt zu haben.

veröffentlicht am 06.05.2018 um 19:03 Uhr

Der „Rheingold“ rollt in den Bahnhof von „Hinterwald“ ein. Im Hintergrund wartet schon der Überlandbus auf die Reisenden. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Das „Rheingold“-Szenario ist Teil der großen Modellbahnanlage der Eisenbahnfreunde Emmerthal. Sie residieren seit 2007 im Emmerthaler Bahnhof. „Früher waren wir in der alten Molkerei in Grupenhagen aktiv“, erzählt der Vorsitzende, Wolfgang Kappauf. Ihr derzeitiges Domizil haben die Mitglieder des im Mai 2005 gegründeten Vereins selbst wieder auf Vordermann gebracht. „Drei Monate hat das gedauert“, berichtet Kappauf: „Sanitärraum eingebaut, Wände verputzt und Zwischendecke eingezogen.“ Heute beherbergt die ehemalige Bahnhofsgaststätte zwei große Modellbahnanlagen. „Eine im Format HO, also 1:87, und eine der Spurweite N, 1:160“, erklärt der Sparkassenkaufmann im Ruhestand.

„Wir fahren Dreileiter Wechselstrom, also Märklin, können aber auch auf Zweileiter-Gleichstrom umschalten“, erläutert Willi Max. Die E-förmige, in einzelnen Modulen auf selbst gezimmerten Unterbauten angelegte HO-Anlage können bis zu sechs Züge befahren. „Das ist alles digitalisiert und in Blockabschnitte eingeteilt.“ Züge und Modellbauten sind der „Epoche III“ nachempfunden. „Das ist der Zeitraum von 1950 bis etwa 1970“, so Kappauf.

An den Enden der Anlage sind jeweils zwei große, unter Hügeln versteckte Wendetunnel eingebaut und in der Mitte werkelt Willi Max an seinem Güterbahnhof. „Der ist genau dem Bahngelände in Ankum-Bersenbrück nachempfunden“, sagt der 65-jährige Schlosser nicht ohne Stolz. Nach Original-Bauplänen hat er die Gleisanlagen, den Güterschuppen, die Signale und auch eine kleine Viehverladung nachgebaut.

Liebenswerte Details wie dieser alte Zeitungskiosk aus den 60er Jahren machen den Charme einer Modellbahnanlage aus. Foto: eaw
  • Liebenswerte Details wie dieser alte Zeitungskiosk aus den 60er Jahren machen den Charme einer Modellbahnanlage aus. Foto: eaw
Wolfgang Kappauf (re.) schaut zu wie André Jaech den entgleisten „Rheingold“-Wagen wieder auf die Schiene bringt. Foto: eaw
  • Wolfgang Kappauf (re.) schaut zu wie André Jaech den entgleisten „Rheingold“-Wagen wieder auf die Schiene bringt. Foto: eaw

20 Mitglieder haben die Eisenbahnfreunde derzeit. „So zwischen 36 und 88 Jahren sind die alt“, sagt Kappauf. Ihr Hobby hat viele Facetten: Die Technik, aber auch der Modellbau erfordern unterschiedliche Fähigkeiten. „Vor allem aber braucht man Geduld und Ruhe. Mit Hektik geht da gar nichts. Man muss abschalten können“, stellen die Modellbahner klar. Über dem kleinen Ort am Hang dreht sich eine Windmühle und irgendjemand gelingt es, die Siedlung mit Strom zu versorgen, sodass viele Häuser und die Straßen beleuchtet werden. „Das ist nicht nur das Zusammenbauen von Bausätzen, wir veredeln die Modelle auch“, sagt Siegfried Lambertz. „Die Bauten werden beispielsweise künstlich gealtert.“

Seit 2014 haben sich die Eisenbahnfreunde dem Bahnsozialwerk (BSW) angeschlossen. „Die unterstützen uns mit einem Mietkostenzuschuss und übernehmen die Hälfte unserer Nebenkosten“, erklärt Kappauf.

Draußen donnern am Emmerthaler Bahnsteig nur wenige Meter entfernt Güterzüge und S-Bahnen vorbei. S-Bahn-Lokführer Jörg Marquardt gibt auf dem Weg zum Dienst noch schnell einen großen Koffer mit Bahn-Utensilien ab. „Das können die immer brauchen“, lacht er.

Mittlerweile ist es später Abend und auch auf der großen Anlage im Format N leuchten die Lichter der Stadt. Prunkstück ist neben sehr realistisch gestalteten Straßenzügen vor allem ein von Wolfgang Kappauf präzise nachmodellierter Steinbruch.

Nebenan tüfteln Jochen König und André Jaech derweil an der Frage, warum einige „Rheingold“-Wagen in der Kurve immer wieder entgleisen. „Fertig? Nein, beim Modelleisenbahnbau ist man nie fertig“, schmunzeln die beiden. „Das wäre ja auch schrecklich, was sollte man denn dann machen? Bei uns ist der Weg das Ziel.“ Und dieser Weg ist auch für die jetzt ihr Zehnjähriges feiernden Emmerthaler Eisenbahnfreunde hoffentlich noch sehr weit.

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