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Wo Geschichte lebendig wird

Der Dewezet-Käfer zu Besuch in Posteholz

Das geht ja gut los: gleich zwei Erfolgserlebnisse auf einmal. Erst mit dem Dartpfeil den markierten Bereich getroffen – und dann bleibt der Pfeil auch noch stecken. Für einen Amateur gar nicht schlecht, aber jetzt die entscheidende Frage: Wo geht die Fahrt mit dem Dewezet-Käfer eigentlich hin? Auf die Posteholzer Straße. Das klingt spannend.

veröffentlicht am 24.07.2018 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 10:45 Uhr

Matthias Aschmann

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Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

POSTEHOLZ. Die Sonne brennt. Tapfer krabbelt der Dewezet-Käfer hinter Grupenhagen die leichte Steigung Richtung Posteholz hoch und erreicht röhrend sein Ziel: die Poste-holzer Straße 1. Ein geschichtsträchtiger Ort, malerisch gelegen mit alten Gutsmauern, einem großen Garten und einer kleinen Kapelle: das Rittergut Posteholz, Domizil der Familie Dr. Henning und Gudrun von Alten. Auf einem Hektar erstreckt sich das Areal, das das Ehepaar allein bewirtschaftet. „Das ist eine Menge Arbeit“, sagt Gudrun von Alten, die mit 65 Jahren in Altersteilzeit ist und kurz vor der Rente steht. Ihr Mann (66) ist bereits Rentner. Seit 1983 leben sie auf dem Rittergut, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Bauherr war der lippische Geheimrat Arnold Ludwig von Post. Nach dem Aussterben derer von Post wechselte das Anwesen gleich mehrfach den Besitzer. 1776 ließ Jobst Gabriel von Wülfingen das heutige Herrenhaus errichten und den Garten anlegen. Zwei Generationen derer von Münchhausen wohnten danach auf dem Gut, ehe es 1888 vom Reeder und Kapitän Julius von Alten erworben wurde. Im Jahr 1943 erbte schließlich Baron Siegfried Hanach von Alten (2004 ) das Rittergut.

Der Ruf des Barons ist legendär. Gerne führte er Touristen durch sein Anwesen, an manchen Wochenenden kamen sogar Busse, erinnert sich Gudrun von Alten. Überall im Garten hatte der Senior Gedenksteine platziert, sich zudem für den Erhalt von Naturdenkmalen eingesetzt und zeit seines Lebens immer wieder Bäume geplatzt. Jeder Mensch sollte zumindest einmal in seinem Leben einen Baum pflanzen, so sein Credo. Mächtige alte Bäume sind im Garten zu finden, die nach Schätzungen von Henning von Alten wahrscheinlich Ende des 18. Jahrhunderts gepflanzt worden sind. Unter einer prächtigen alten Eiche steht eine Ruhebank, die Henning und Gudrun gerne als Sitzgelegenheit nutzen.


Der Blick geht hinaus über die vielen verwinkelten Ecken der Parkanlage, überall gibt es etwas zu entdecken, aber natürlich auch immer viel zu tun. Die kleine Kapelle hatte Baron von Alten nach dem Krieg errichten lassen, als Dank, den Krieg heil überstanden zu haben. Bis zu 100 Personen finden dort Platz. Das Museum gibt es heute nicht mehr und Besichtigungen sind laut Gudrun von Alten nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Die ehemalige Sportlehrerin und der Biologe leben ohne Frage in einem Schmuckstück – nur der Lärm der Motorräder an den Wochenenden, der nerve. Derweil ist Carl-W. Cramer mit seinem Border Collie Barry im Dorf unterwegs. Die Hitze macht dem 76-Jährigen sichtlich zu schaffen, während sein Blick auf den Dewezet-Käfer fällt. „Da fehlt was“, sagt er mit deutlichem Berliner Akzent: „Die kleine Vase mit der Blume am Armaturenbrett.“ Der frühere Einzelhändler (Schuhe) hat sich vor mehr als 30 Jahren ein Ferienhaus gekauft und wohnt abwechselnd ein halbes Jahr in Berlin und ein halbes Jahr in Posteholz.

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Gudrun von Alten mit Labrador Luna genießt den Moment unter einer alten Eiche. Foto: as

Wilfried Meier (78) lebt schon seit 49 Jahren in Posteholz. Die Liebe hat den früheren Hemeringer in die kleine Siedlung geführt, wo der gelernte Maurer sich ein Haus baute. Seine Frau ist schon vor vielen Jahren verstorben, jetzt lebt er mit seiner Lebensgefährtin Ilse Brinke (80) zusammen. In Posteholz zu leben, sei schön, sagt auch Ilse Brinke, die in Ottenstein geboren wurde.

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Bekannt ist Posteholz auch durch seine Feriensiedlung – die heute allerdings keine mehr ist. Vor 42 Jahren waren die 34 Häuser der damaligen Feriensiedlung an eine Eigentümergemeinschaft verkauft worden, seit 2003 ist die Siedlung mit eigenem Schwimmbad zum Dauerwohngebiet umgewidmet worden. Martin Wedeking nutzt sein Haus dennoch weiterhin als Feriendomizil. Seine Eltern, Josef und Gertrud Wedeking, gehörten zu den ersten Eigentümern. Die Familie aus Rheda-Wiedenbrück hatte sich seinerzeit bundesweit nach einer Ferienwohnung umgeschaut und wurde schließlich in Posteholz fündig. „Meinen Eltern gefiel diese Gegend am besten“, erklärt der 42-Jährige. Die Liebe zu Posteholz und zum Weserbergland wurde quasi auf den Sohn übertragen.

Martin Wedeking hat Geschichte studiert, ist freiberuflich als Gästeführer im Weserbergland, in seinem Heimatort Rheda-Wiedenbrück und in seinem Studienort Münster unterwegs. Es ist Mittagszeit, Zeit für Martin Wedeking, zwischen zwei Gästeführungen in Hameln kurz mal seinen zweiten Wohnsitz aufzusuchen. Über die Feriensiedlung und Posteholz kann er viel erzählen, beispielsweise, dass ein Drittel der Bungalowsiedlung von Berlinern bewohnt wird, ein Drittel aus Nordrhein-Westfalen kommt und ein Drittel aus Hannover und Umgebung. Gebaut worden sind die Häuser übrigens von der Firma Oevermann aus Münster, die von Siegfried von Alten zwei Hektar Land gekauft hatten. Die Einzel-, Doppel- und Dreifachhäuser wurden zunächst vermietet, doch als sich dies nicht mehr rentierte, wurden die Häuser verkauft.

Aber ohne das Rittergut, betont Wedeking, wäre Posteholz undenkbar. Bedauerlich sei, dass der Fasanenhof 1992 geschlossen wurde und 1995 sogar abbrannte. Erfreulicherweise habe man noch die „Schrappmühle“. Was nervt? „Die Motorradfahrer am Wochenende.“ Und die Windräder? „Die sind jetzt tatsächlich etwas lauter als die alten.“



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