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In Aerzen sind Bauwerke Jahrhunderte alt

Denkmalschutz wacht über alten Brücken

AERZEN. In Aerzen gibt es zahlreiche Brücken, die denkmalgeschützt sind. Ihre Tragfähigkeit lässt aber vielfach zu wünschen übrig. Es sind schwierige Sanierungsfälle.

veröffentlicht am 04.11.2018 um 16:58 Uhr

Die wohl älteste denkmalgeschützte Brücke im Flecken Aerzen: Die Beberbachbrücke in Schwöbber stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert.
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Sanierungsfall Baudenkmal Brücke – im Flecken Aerzen ist in diesem Zusammenhang meist von der nach einem Brückengutachten seit mehreren Jahren auf Anraten von Statikern sogar für Fußgänger und Radfahrer gesperrten Groß Berkeler Hummebrücke die Rede. Bei der sanierungsbedürftigen denkmalgeschützten Brücke über den Wasserlauf der Humme handelt es sich um eine Gewölbebrücke mit drei flachen Segmentbögen. Das gesamte Bauwerk einschließlich der Brüstung wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aus glatten Sandsteinquadern erbaut. Nun soll es akut einsturzgefährdet sein.

Doch im Bereich des Flecken Aerzen gibt es nicht nur dieses eine Brückenbauwerk, das sich in der Liste der Baudenkmäler im Landkreis Hameln – Pyrmont wiederfindet. Und es ist auch nicht die einzige denkmalgeschützte Brücke, die Sanierungsbedarf aufweist.

Eine Bestandsaufnahme: Im Reher-Theresienthal wurde nach der regelmäßig stattfindenden statischen Brückenprüfung eine Bruchsteingewölbebrücke heruntergelastet. „Als sie 1836 oder 1856 als Zufahrt zur ehemaligen Mühle gebaut wurde, waren die Belastungen des Brückenbauwerks ganz andere, als heute, wo Landwirtschaft statt mit Pferd und Wagen mit tonnenschwerem Ackergerät betrieben wird“, macht Aerzens Erster Gemeinderat Andreas Wittrock anlässlich der Ortsratssitzung in Reher deutlich. Die Tonnagebegrenzung sei eine aus versicherungsrechtlichen Gründen notwendige Maßnahme. „Sollte es zu einem Schaden kommen, weil Verkehrsteilnehmer die Tonnagebeschränkung missachtet haben, haftet nicht der Flecken Aerzen, sondern der Verursacher, das ist das Spiel“, macht Andreas Wittrock deutlich.

Kritik war in der Versammlung laut geworden, weil sich Landwirte angeblich nicht an die Beschränkung hielten und vonseiten der Bevölkerung weiterer Schaden an der ohnehin schon maroden Brücke befürchtet wird. „Bereits für 2017 war die Sanierung vorgesehen. Nun ist das Jahr 2018 auf der Zielgeraden, und es ist immer noch nichts passiert“, macht Rehers Ortsbürgermeisterin Christa Jakobi angesichts des Aerzener Brückensanierungsstaus ihrem Unmut Luft.

Die Brücke am Ortsrand von Reher ist nicht die einzige, die aufgrund von statischen Mängeln bereits vor Jahren herabgelastet wurde. Genutzt wird sie hauptsächlich von den beiden Theresienthaler Anliegerfamilien sowie vom landwirtschaftlichen Verkehr, denn die Gemeindestraße „Theresienthal“ geht nur wenige Meter nach der Brücke in einen Realverbandsweg über. Während Ortsratsmitglied Friedrich Pettig die Ansicht vertritt, „eine Gewölbebrücke kann eigentlich nicht einstürzen“, sind Statiker in dieser Hinsicht anderer Meinung. Der Flecken Aerzen hat nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass mögliche Maßnahmen zu Sicherung der Brücke „Theresienthal“ aufzeigen soll, wie der Erste Gemeinderat mitteilt.

Bei der regelmäßigen durchgeführten Brückenprüfung noch nicht beanstandet wurde die baudenkmalgeschützte Gewölbebrücke an der Aerzener Straße „Zum Ahorn“: Sie wurde 1860 aus Sandsteinquadern mit einem Bogen erbaut. In Grupenhagen wurden eine Segmentbogengewölbebrücke aus Ziegelsteinen mit Bruchstein-Stirnseite sowie eine baugleiche Brücke aus Bruchsteinquadern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert als Baudenkmale deklariert. „Die Brücke an der Heerstraße macht nach der letzten Sichtprüfung einen zufriedenstellenden Eindruck. Im kommenden Jahr findet eine Hauptprüfung statt, sodass erst dann eine Aussage über den aktuellen Zustand der Brücke getroffen werden kann“, sagt Thomas Noltemeyer vom Flecken Aerzen.

Auch in Schwöbber stehen zwei Brücken unter Baudenkmalschutz, allerdings befindet sich eine in Privateigentum: eine Stahlträgerbrücke mit Sandsteinbrüstung aus den 1920er-Jahren, deren Stirnseiten Gewölbe kennzeichnet. Der Flecken Aerzen ist für die im Zufahrtsbereich von Schwöbber gelegene, denkmalgeschützte Gewölbebrücke aus Bruchsteinquadern zuständig, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde. „Diese weist Mängel wie Fugenrisse, Unterspülung und ein fehlendes Geländer auf“, berichtet Thomas Noltemeyer. Der Flecken Aerzen arbeitet aber daran, den Mängeln im Rahmen der Möglichkeiten Einhalt zu gebieten. „Größeren Handlungsbedarf in der Zukunft kann jedoch nicht ausgeschlossen werden“, so Noltemeyer.

In Selxen wurde bereits vor fast 30 Jahren die Segmentbogenbrücke aus rotem Bruchstein von 1862 sowie die Hummebrücke mit zwei Halbkreisbogengewölben aus Bruchstein, die um 1800 erbaut worden war, unter Berücksichtigung des Baudenkmalschutzes vom Flecken Aerzen saniert. In der Fortführung der Selxener Chronik heißt es dazu, dass eine Beschränkung auf 5,5 Tonnen aufgrund von Brückenschäden bereits in den 1970er-Jahren veranlasst wurde. Bedingt durch den Denkmalschutz „konnte die alte, marode Brücke mit ihren Pfeilern in der Mitte nicht abgerissen werden. Sie musste in langwieriger Arbeit ausgefugt werden. Nachdem dies erledigt war, wurde über die alte Brücke eine neue gebaut. Zwischen alter und neuer Brücke befindet sich eine Fuge. Die neue Brücke ist etwas breiter und ragt nach beiden Seiten zirka 80 Zentimeter über“, ist aus der Chronik zu erfahren.



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