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Gefordert, aber nicht angenommen: Markant schließt nach einem Jahr

Das war’s

Aerzen. Nach einem Jahr ist wieder Schluss: Der Nahversorger Markant im Ortskern von Aerzen startet den Ausverkauf, schließt Ende des Monats seine Pforten. Bittere Ironie: Rund 200 Einwohner hatten vor zwei Jahren per Unterschriften-Aktion gefordert, dass es wieder eine Einkaufsmöglichkeit geben soll. Wunsch und Wirklichkeit klaffen beim Verbraucher aber offenbar weit auseinander – die Existenz des Marktes scheitert an einem ausreichend großen Kundenstamm. „Wir haben vieles versucht“, sagt Geschäftsführer Richard Maul, verweist beispielsweise auf Aktionen, Preisnachlässe und Lieferservice. „Letztendlich möchte der Kunde hier wohl keinen Nahversorger.“ Bürgermeister Bernhard Wagner, der nicht nur wegen des Drucks aus der Einwohnerschaft viele Hebel in Bewegung gesetzt hatte, damit die Lücke im Nahversorgungsangebot wieder geschlossen wird, druckst diesmal nicht lange herum. „Es ist frustrierend“, sagt Wagner, der viele Gelegenheiten nutzt, für Einzelhandel und Fachgeschäfte vor Ort zu werben.

veröffentlicht am 16.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:21 Uhr

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Wagner hatte schließlich viel Überzeugungsarbeit bei Maul geleistet, nachdem im Sommer 2012 der Discounter Penny die Filiale an der Ecke Reherweg/ Hohler Weg geschlossen hatte. Der Druck aus der Bevölkerung war groß, sogar die Werbegemeinschaft machte sich für einen Nahversorger im Kernort stark.

Der selbstständige Kaufmann Maul, der in der Region acht Nahkauf-Märkte betreibt, sah in Aerzen durchaus wirtschaftliches Potenzial für einen Nahversorger, für den er auf den Anbieter Markant zurückgriff. Aus 24-jähriger Erfahrung im Einzelhandel wisse er, dazu ein wenig Geduld mitbringen zu müssen. Die Erwartungen seien nicht zu hoch gehängt gewesen. „Bei den Umsatzplanungen haben wir tiefgestapelt“, sagt Maul. Einige treue Kunden habe es durchaus gegeben, aber nicht ausreichend viele für eine wirtschaftliche Zukunft. An der Erweiterung des jüngst umgezogenen Rewe-Marktes, die ihm lange genug bekannt gewesen sei, habe es nicht gelegen. Nur: Die Erfahrung zeige, dass die Einwohner aus dem Kernort eher nach Barntrup und Hameln führen – daran habe sich nichts geändert. Jüngst habe er in einem kleinen Ortsteil der lippischen Gemeinde Schlangen bei einer Neueröffnung andere Erfahrungen gemacht. „Die wissen das zu schätzen“, sagt Maul. Für den Standort Aerzen habe es hingegen für ihn nun nur noch eine Möglichkeit gegeben. „Ich habe die Reißleine gezogen, bevor ich noch mehr Geld verbrenne“, sagt der Kaufmann.

„Ich bedaure die Entwicklung für die Kunden, die den Markt genutzt haben, und für Richard Maul“, sagt Bürgermeister Wagner, der nun erneut einen größeren Geschäftsleerstand im Kernort zu beklagen hat. Er hätte sich gewünscht, dass mehr Aerzener den Nahversorger genutzt hätten, die ihn vorher auch gefordert hätten. Mit Blick auf Grohnde, wo Einwohner in Eigenregie einen Dorfladen eröffnet haben, wie es in Aerzen auch überlegt worden sei, stimme ihn die Situation vor Ort nachdenklich. Die Aerzener hätten es einfacher haben können. Er wisse, dass Maul die Erwartungen nicht zu hochgehängt habe. Wagner: „Wenn das trotzdem nicht reicht, dann stimmt das schon traurig.“ Zwar werde sich die Gemeinde auch künftig mit einschalten, um eine Neunutzung der bald leerstehenden Immobilie zu überlegen, sagt der Bürgermeister, aber: „Das wird nicht die höchste Priorität haben – die wird ja wohl auch von vielen Aerzenern nicht so gesehen.“

Von Christian Branahl

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