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Denkmal vor 175 Jahren erbaut

Das Säckl leer – den Zehnten bekam der Herr

Grupenhagen (sbr). 1834 wurde zur Erinnerung an die Zehntablösung in der Feldmark zwischen der Ortschaft Grupenhagen und dem Schloss Schwöbber ein Denkmal errichtet. Das 175-jährige Bestehen des Zehntablösungsdenkmals nahm der Vorsitzende des Kultur- und Heimatverein Grupenhagen, Karl Pape, zum Anlass, um die mit der Zehntablösung verbundene Heimatgeschichte ins Gedächtnis der Menschen zurückzurufen. Nahezu 100 Gäste waren der Einladung zur Jubiläumsfeier ans Zehntablösungsdenkmal gefolgt. „Um die Zukunft zu verstehen, muss man in die Vergangenheit schauen“, gab Bürgermeister Bernhard Wagner in seinen Grußworten zu bedenken und lobte, wie auch Ortsbürgermeister Friedrich Beckmeier, das unermüdliche Engagement des Vereins in Sachen Kultur- und Heimatpflege.

veröffentlicht am 01.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

Viele Gäste kamen zum 175-jährigen Jubiläum des Zehntablösungsde
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Aus der Heimatgeschichte geht hervor, dass die Bauern im Jahr 1833 laut der Hannoverschen Ablösungsordnung von den Hand- und Spanndiensten, den Zehntabgaben und sonstigen Naturalleistungen gegen die Zahlung einer Ablösung befreit wurden. Der damalige Herr auf Schloss Schwöbber, Otto von Münchhausen, verlangte als Ablösesumme den 25-fachen Wert der jährlichen Dienstleistungen und Abgaben in Form von 180 Morgen (450 000 Quadratmeter) Land, das an seine Ländereien angrenzen sollte. Die Grupenhäger Bauern einigten sich schließlich mit Otto von Münchhausen auf die Überlassung von 119 Morgen Acker- und Weideland sowie die Zahlung von 3583 Talern, zehn Groschen und sechs Pfennigen – dem damaligen Geldwert von 61 Morgen Land.

Einziges Denkmal seiner Art

„Nur wenige Bauern konnten die Ablöse bezahlen. Einige finanzierten den Betrag durch Landverkäufe, der größte Teil der elf Vollmeier, acht Halbmeier, 19 Vollkötner und zwei Halbkötner in Grupenhagen musste sich das Kapital bei Kreditinstituten leihen. Lediglich zehn Hof-stellen blieben damals zinsfrei“, weiß Karl Pape aus der Grupenhäger Geschichte zu berichten. An die einvernehmliche Durchführung der Ablösung erinnert noch heute das 1834 erbaute Zehntablösungsdenkmal bei Grupenhagen, das offensichtlich einzige in Niedersachsen, vielleicht sogar bundesweite, wie Recherchen des Grupenhäger Kultur- und Heimatvereins im Internet ergaben. „Was du ererbst von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen. Was man nicht nützt ist eine schwere Last, nur was der Augenblick erschafft, das kann er nutzen“, lautet die gen Westen ausgerichtete Inschrift des Denkmals, das auf den ersten Blick wie die Ruine einer alten Feldscheune aussieht. „An dieser Stelle hat nie eine Scheune gestanden. Der Platz wurde ausgewählt, weil hier die ehemalige Grenze zwischen den Ländereien des Schlosses Schwöbber und der Ortschaft Grupenhagen verlief“, weiß Karl Pape weiter zu berichten.

Zehntabgabe war auch ein Schutz vor Überfällen

Mit der Befreiung von der Zehntabgabe ging für die Grupenhäger Bauern eine 296-jährige Verpflichtung gegenüber den Herren auf Schloss Schwöbber zu Ende. „Doch die Zehntabgabe war nicht nur eine Pflicht, für die Grupenhäger Bauern war sie gleichzeitig mit einem Schutz vor Überfällen während der kriegerischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahrhunderte verbunden“, erinnert Karl Pape. „Der letzte Zehntvogt war der Vollmeier Friedrich Pöpper aus Grupenhagen. Er starb im Jahr 1872 im Alter von 97 Jahren“, hat Pape in alten Unterlagen nachgelesen.

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Der Zahn der Zeit verschonte auch das Grupenhäger Zehntablösungsdenkmal nicht. Eine Erneuerung im Jahr 1963, an der sich neben den Gemeinden Grupenhagen und Königsförde auch der Landkreis Hameln-Pyrmont und die damalige Schlosseigentümerfamilie Meyer finanziell beteiligte, bewahrte das vielleicht einmalige Denkmal vor dem Verfall. Heute pflegt der Kultur- und Heimatverein Grupenhagen regelmäßig das altehrwürdige Gemäuer unter den Jahrhunderte alten Eichen.

Die Westseite des Zehntablösungsdenkmals. Auf ihr prangt eine Spruchtafel: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen. Was man nicht nützt ist eine schwere Last, nur was der Augenblick erschafft, das kann er nutzen.“

Fotos: sbr

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