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Kritik an Emporensperrung aufgrund von Sicherungsmaßnahme in der Aerzener Marienkirche

„Das ist doch wohl die Höhe“

Für öffentliches Unverständnis sorgt die Sperrung der drei Emporen in der Aerzener Marienkirche. Bei facebook wird die Maßnahme als lächerlich bezeichnet. „Da darf man neuerdings nicht mehr auf die oberen Plätze, weil die Brüstungshöhe 90 Zentimeter beträgt anstatt der vorgeschriebenen 110 Zentimeter“, steht in dem sozialen Netzwerk zu lesen.

veröffentlicht am 11.09.2018 um 20:23 Uhr

Küster Udo Bruns hat nachgemessen: Statt der vorgeschriebenen Höhe von einem Meter sind die Brüstungen der Emporen größtenteils nur 70 Zentimeter hoch. foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Und der Schreiber fragt sich, „warum so etwas über 100 Jahre okay war und auf einmal nicht mehr“. Aufgefallen ist die bereits im Anschluss an die letzte bauliche Visitation verfügte und umgehend umgesetzte Sperrung allerdings erst beim Einschulungsgottesdienst, weil die Kirche an diesem Tag „rappelvoll war, sodass nicht alle Leute dran teilnehmen konnten“, wie der facebook-Nutzer die Situation beim Gottesdienst zur Einschulung der Erstklässler beschreibt.

„Die bauliche Visitation hat ergeben, dass die Geländer an allen drei Emporen der Marienkirche zukünftig höher gesichert werden müssen“, berichtet Aerzens Pastor Christof Vetter zu den Hintergründen der Sperrung. „Wir haben Fachleute hinzugezogen und arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Das geht aber nicht von heute auf morgen“, erklärt Pastor Vetter weiter. Viele Kriterien gilt es zu bedenken, ganz unterschiedliche Gremien sind in die Lösungsfindung involviert.

Noch konnte sich nicht abschließend auf eine Lösung geeinigt werden, die sich harmonisch in das historische Gesamtbild der Kirche einfügt, alle sicherheitstechnisch relevanten Anforderungen erfüllt und dessen finanzieller Rahmen vertretbar ist, heißt es weiter vonseiten der evangelischen Kirchengemeinde.

Pastor Vetter hofft aber darauf, dass die Sicherungsmaßnahmen bis Weihnachten abgeschlossen sind und die Emporen wieder genutzt werden können. Auch der Kirchenvorstand sei mit hohem Nachdruck an einer Lösung interessiert, unterstreicht Christof Vetter. Die Westempore mit der Orgel stammt noch aus der zweiten Hälfte des 17. beziehungsweise der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als das Kirchenschiff der Marienkirche verlängert wurde. Allerdings: Damals war der Großteil der Bevölkerung deutlich kleiner als heute, die Brüstung daher niedrig gehalten.

Während die meisten Bundesländer in ihrer aktuellen Landesbauordnung eine Brüstungshöhe von 90 Zentimetern vorschreiben, wenn die Absturzhöhe weniger als zwölf Meter beträgt, schreibt zum Beispiel das Land Niedersachsen bereits eine Höhe von einem Meter vor. Küster Udo Bruns hat den Zollstock an die Brüstung der Orgelempore angelegt und eine Höhe von lediglich 70 Zentimetern ermittelt. Unmittelbar vor der Orgel, wo der Chor Aufstellung nehmen kann, beträgt die Höhe 90 Zentimeter. Auch das reicht nicht, um die aktuellen Anforderungen der niedersächsischen Landesbauordnung zu erfüllen. Der in die Brüstung eingefügte hölzerne Notenständer könnte als Anhaltspunkt für die geforderte Höhe dienen. Allerdings ist eine so massive Erhöhung keine Option, weil dann den Gottesdienstbesuchern der Blick auf den Altar und die Kanzel genommen würde. Zur Situation im Einschulungsgottesdienst sagt Pastor Vetter, es sei richtig, dass Besucher im hinteren Teil der Kirche gestanden haben. Allerdings sind in den Sitzbänken im Kirchenschiff noch vereinzelte Plätze frei geblieben, die trotz seiner ausdrücklichen Aufforderung zu Beginn des Gottesdienstes nicht besetzt worden seien.

Den Pastor hatte darüber hinaus Kritik am dem sehr hohen Geräuschpegel während des Einschulungsgottesdienstes erreicht, der mit der beengten Situation im hinteren Bereich der Kirche in Verbindung gebracht wurde. Diesbezüglich gibt Christof Vetter zu bedenken, dass die freie Bestuhlung auf den Emporen nicht dazu beigetragen hätte, den Geräuschpegel merklich zu senken. Pastor Vetter appelliert an das Verständnis der Gottesdienstbesucher: „Die Sperrung dient der Sicherheit der Menschen.“



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