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Es gibt nur sieben Gräber

Das ist der kleinste Friedhof im Landkreis

DEITLEVSEN. Hedwig und Ludwig Meyer. Annemarie und Heinrich Knappwost. Elfriede und Friedrich Sievers – die Namen auf den Grabsteinen lesen sich wie „Who is who“ des kleinen Emmerthaler Ortes an der Grenze zum Landkreis Holzminden. Nur 21 Einwohner leben im Lüntorfer Ortsteil Deitlevsen. Was Deitlevsen jedoch in der Gemeinde Emmerthal und im weiten Umkreis so einmalig macht, dürfte sein Mini-Friedhof sein.

veröffentlicht am 24.11.2017 um 12:21 Uhr
aktualisiert am 24.11.2017 um 16:50 Uhr

Auf einen Blick überschaubar ist Deilevsens Friedhof. Nur sieben Gräber sind derzeit belegt. Foto: joa
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Autor

Marina Fuchs Reporter
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Denn das Rodedorf, das in der Zeit zwischen 500 und 800 entstanden sein soll, hat einen derzeit nur sieben belegte Gräber umfassenden mitten in den Feldern liegenden Friedhof mit einem denkmalgeschützten Glockenturm. Im Denkmalverzeichnis der Denkmalbehörde des Kreises wird der Glockenturm als Einzeldenkmal geführt. Als Erklärung wird hierzu angeführt, dass der zwischen 1920 bis 1929 erbaute zweigeschossige Deitlevser Glockenturm wegen seiner „künstlerischen Bedeutung als Erlebniswert für architektonische Kuriosität und pittoreske Arbeit“ unter Schutz gestellt wurde. Die Unterschutzstellung erfolgte am 10. November 1988.

Der Friedhof ist heute im Gemeindeeigentum. Daniela Neumann vom Liegenschaftsamt der Gemeinde, erklärt, dass es auf dem 1182 Quadratmeter großen Gottesacker noch 17 weitere freie Grabstellen gäbe. Einige seien noch nie belegt gewesen, einige nach Ablauf der Ruhezeit geräumt worden. Viele Deitlevser bedauern, dass vor geraumer Zeit viele alte Grabsteine entfernt worden seien, denn diese hätten viel von der Geschichte des kleinen Ortes erzählt, der historisch um 1400 zum eversteinischen Vogteibesitz Aerzen gehörte, als dieser seine größte Ausdehnung hatte.

Seit dem 23. Mai 1823 hatte der damals noch selbstständige Ort zum Amt Hameln gehört. Davor wurde für das Dörfchen am Hang der Ottensteiner Hochebene Recht in Aerzen gesprochen. Im kirchenrechtlichen Sinne war es pfarrlich Hämelschenburg angegliedert. Zu dieser Zeit gab es in Deitlevsen sechs Feuerstellen. Bis 1928 war das kleine Bauerndorf selbständig. Dann wurde Deitlevsen in Lüntorf eingemeindet.

Die Hofstellen in Deitlevsen entstanden im 16. Jahrhundert. „1585 gab es drei Vollmeierhöfe und zwei Halbmeierhöfe“, berichtet Willi Dörries, der 1956 die Lüntorfer Dorfchronik verfasste.

Ein Vollmeier besaß meist 60 bis 90 Morgen Land. Ein Morgen war die Fläche, die mit einem einscharigen Pferde- oder Ochsenpflug an einem Vormittag pflügbar war. Der Ort teilt sich in Unter-Deitlevsen und Ober-Deitlevsen. Heute hat Deitlevsen 21 Einwohner. Geschäfte gibt es keine mehr, Bäcker kommen mit dem Verkaufswagen vorbei. Sie bieten auch die wichtigsten Dinge für den täglichen Bedarf an.

Dass Deitlevsens Gottesacker wirklich nur ein Friedhof im Mini-Format ist, zeigte sich auch, als in Emmerthal die Möglichkeit zu Rasenreihengräbern bewilligt wurde. Diese sind nun auf den Friedhöfen in Amelgatzen, Brockensen, Latferde, Ohr und Welsede möglich. Auf dem Friedhof Deitlevsen ist dies nicht möglich: Aus Platzgründen.

Information

Totensonntag

Das Gedenken an die Toten nimmt in allen Kulturen einen besonderen Platz ein. Evangelische Christen besuchen und schmücken die Gräber ihrer Angehörigen am Totensonntag. Dieser Sonntag vor dem 1. Advent und damit der letzte des Kirchenjahres verbindet den Gedanken an den Tod mit der Hoffnung auf die Auferstehung und heißt daher auch Ewigkeitssonntag. Offiziellen Charakter erhielt er durch König Friedrich Wilhelm III., der ihn 1816 in Preußen einführte – wohl um an die Gefallenen der Kriege gegen Napoleon zu erinnern. Katholiken begehen das Totengedenken am 2. November, dem Allerseelentag.dpa

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