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Mit verschiedenen Projekten für Kinder wollen Vereine den musikalischen Nachwuchs sichern

Damit der Gesang der Chöre nicht verstummt

Emmerthal/Aerzen (gm). Die heimischen Chöre stimmen immer häufiger in Wehklagen ein: Der traditionelle Chorgesang blutet aus, denn die Reihen der aktiven Sängerinnen und Sänger lichten sich. Die ersten Gesangvereine haben sich aufgelöst, andere starten Projekte, um den jungen Nachwuchs gezielt für die Musik in der Gemeinschaft zu begeistern. Beispielsweise beträgt der Altersdurchschnitt beim MGV Kirchohsen 68 Jahre. „Wir werden immer älter, denn die Jüngeren haben heutzutage ganz andere Interessen“, verdeutlicht der Vorsitzende des MGV Kirchohsen, Erhard Kiehne. Um so erstaunlicher ist es, dass im Kinderchorbereich augenblicklich ein richtiger Ansturm zu vermelden ist. Seit 2004 gibt es den Kinderchor und die Theatergruppe „Amelgatzer Sternchen“, die 2009 zu ihrem fünfjährigen Bestehen bereits ihr eigenes Musical von Max und Moritz vor ausverkauftem Haus im Emmerthaler Kulturzentrum aufführten. Und der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Denn mit Chorleiterin Monika Pawlis und dem Vorsitzenden des Fördervereins, Uwe Klingeberg, stehen zwei echte Profis hinter der Sache, die sich jederzeit selbstlos mit und für den Chorgesang engagieren.

veröffentlicht am 21.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:41 Uhr

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Der 62-jährige Uwe Klingeberg ist hauptberuflicher Chorleiter und stimmt aktuell bei fünf Chören im Landkreis den Ton an. Seine Lebensgefährtin Monika Pawlis, ausgebildete Friseurin, erfüllte sich erst relativ spät den Wunsch, beim Chorgesang den Takt vorzugeben. „Ich wollte immer schon mit Kindern arbeiten und habe daher eine C2-Kinderchorleiterin-Ausbildung an der Musikakademie im bayerischen Marktoberdorf absolviert“, berichtet die 60-jährige Musikpädagogin. „Und das war für uns beide richtig hart“, erinnert sich Uwe Klingeberg. „Zu dieser Ausbildung, die es bei uns in Niedersachsen nicht gibt, musste Frau Pawlis über zweieinhalb Jahre lang zu insgesamt neun Blockunterrichtseminaren jeweils an fünf Tagen nach Bayern reisen“, blickt Klingeberg zurück.

Aber der Aufwand hat sich gelohnt, denn ihre Chorkinder, es sind in der Regel zwischen elf und 13 Mädchen und Jungen, kommen gerne zu ihrem Unterricht. Neben dem traditionellen Chorgesang für Kinder gibt Monika Pawlis auch noch Flöten- und Gitarrenunterricht. „Unsere jüngste Teilnehmerin im Kinderchor ist die kleine Johanna, die im April erst zwei Jahre alt wird“, erzählt Monika Pawlis stolz.

Ebenfalls relativ neu in der Gruppe ist der neunjährige Maurice, der kurz vor den vergangenen Sommerferien zur Amelgatzer Kinderchorgemeinschaft fand. „Ich bin durch meine Kindergartenfreundin Jasmin hierher gekommen“, meint der Kirch-ohsener Grundschüler begeistert. „Aber ich bin bei den Proben noch ein bisschen zu laut und das mögen die anderen nicht“, sagt er und verspricht Besserung. Erstaunlicherweise kommen die wenigsten Chorkinder aus Amelgatzen. „Das liegt am demografischen Wandel“, weiß Uwe Klingeberg aus Erfahrung. „Unser Nachwuchs kommt aus Kirchohsen, Grohnde, Ottenstein und sogar aus Bad Pyrmont.“

Egal, denn den Kindern macht es gleichermaßen Spaß, mit Monika Pawlis zu üben. „Bevor wir ins Eingemachte gehen, lockern wir uns mit Bewegungs- und Atmungsübungen auf“, erläutert die Chorleiterin, die natürlich auch einen sehr großen Wert auf die individuelle Stimmbildung und das Rhythmusgefühl ihrer Schützlinge legt. Ähnlich sieht es Sonja Reuning aus Kirchohsen, die mit der Unterstützung des Gemischten Chores Kirchohsen den Kinderchor der Petri-Kirchengemeinde im Februar 2010 ins Leben rief. „Über spielerische Bewegungen singen wir uns ein, um die jeweiligen Stimmen zu aktivieren“, verdeutlicht die Pastorengattin, die selbst drei Kinder hat.

In ihrer Gesangsgruppe fangen die Kinder nicht ganz so früh an wie in Amelgatzen. „Unser Durchschnittsalter liegt zwischen sechs und maximal elf Jahren“, sagt Sonja Reuning, die den Chorgesang ihres Nachwuchses am Klavier begleitet. In der kurzen Zeit ihrer gemeinsamen Aktivitäten sangen die Chorkinder bereits bei drei öffentlichen Auftritten und wurden dementsprechend mit begeistertem Applaus verabschiedet. „Aber mit einem bestimmten Alter kommt ein Umbruch, bei dem die Interessen auseinanderklaffen“, weiß Sonja Reuning auch aus Erfahrung mit ihren eigenen Kindern. „Mit dem Schulwechsel nach der Grundschule und immer höheren schulischen Anforderungen überlegt sich manch ein Kind schon, ob es lieber Handball spielt oder sich einmal wöchentlich dem Chorgesang widmet“, verdeutlicht sie. „Unser Chor ist bis maximal 12 Jahre konzipiert, wenn es darüber hinaus den Wunsch eines Jugendchores geben sollte, bleiben wir hier alle mit vereinten Kräften natürlich am Ball“, verspricht die engagierte Kinderchorleiterin.

Doch ein erfolgreicher Start muss nicht unbedingt von Dauer sein, wie andere Vereine es erlebt haben. Quasi von null auf hundert startete im Januar 2007 der Nachwuchs des Volkschores Groß Berkel von 1857, die Kinderchorgruppe „YoungLine“, durch. Bereits nach einem Jahr wurden die Nachwuchssängerinnen und -sänger mit dem Jugendförderpreis des Fleckens Aerzen ausgezeichnet. Viele öffentliche Auftritte, darunter ein Intermezzo als Vorgruppe des bekannten Kinderliedermachers Volker Rosin in der Aerzener Domänenburg und Engagements im Hamelner Münster, sorgten für viele positive Schlagzeilen. „Uns gibt es aber leider seit dem Frühjahr 2010 nicht mehr“, bedauert der erste Chorleiter der „YoungLine“, Harald Schmidtke. Bei ihm und seiner Nachfolgerin im Amt, Ursula Wilke, standen mitunter über 20 Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren hinter den Noten. „Die hatten bis dahin auch alle ihren Spaß“, erzählt Schmidtke. „Aber wenn das Potenzial an der musikalischen Begeisterung wegbricht, hat man selbst als hoch motivierter Kinderchorleiter kaum noch eine Chance“, beklagt Harald Schmidtke, der natürlich auch versteht, dass gerade Jungs in dem Alter lieber Fußball spielen oder zur Jugendfeuerwehr gehen. Dennoch: Eine Neuauflage will er nicht ausschließen. Schmidtke: „Vielleicht gibt es mal wieder einen weiteren Versuch.“

Mit Eifer dabei: die Kirch-ohsener Kinder standen bereits auf der Bühne. Mit Atem- und Bewegungsübungen beginnt Kinderchorleiterin Monika Pawlis (rechts) ihre Proben in Amelgatzen.

Foto: gm



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