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Nun muss die Ursache für die Schadstoffbelastung in Emmerthals Kläranlage gesucht werden

Cadmium wird zum Problem

Emmerthal. Der mit Cadmium belastete Klärschlamm in der Emmerthaler Kläranlage wird nun zum Problem. Seit 2015 werden die Schadstoffgrenzwerte bei einer landwirtschaftlichen Verwertung nach der Düngemittelverordnung bewertet. Und dort sind sie drastisch niedriger.

veröffentlicht am 01.03.2016 um 12:59 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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Messungen Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres belegen: Die Grenzwerte für Cadmium im Klärschlamm in Emmerthal werden überschritten. Nun muss der Klärschlamm teurer entsorgt werden. Und auch die Suche nach der Ursache kostet Geld.

Uwe Dreyer, Fachbereichsleiter „Technische Dienste“ bei der Gemeinde Emmerthal, berichtet von ersten Proben, die dem Klärschlamm im November 2015 entnommen wurden: „2,36 Milligramm Cadmium je Kilogramm Schlamm-Trockenmasse wurden gemessen. Der Grenzwert liegt bei 1,5 Milligramm pro Kilogramm. Also lagen wir deutlich drüber.“ Es habe dann erste Gespräche mit dem Landkreis, der Lufa, dem Ingenieurbüro Treuberg und Hinst und den Gemeindewerken gegeben. Ergebnis: eine Rasterbeprobung des Klärschlamms jeweils vierteljährlich – und die Ursache für diese Verunreinigung soll unter der Federführung des Ingenieurbüros aufgespürt werden. „Wir wollen wissen, wo es herkommt“, betont Dreyer. Dabei soll das gesamte Kanalnetz in der Gemeinde Emmerthal überprüft werden. Mit im Boot seien auch die anderen Entsorger, die ihr Schmutzwasser in das Emmerthaler Kanalsystem einleiten. So gibt es bei Welsede eine Einleitung aus Gellersen, bei Börry aus dem Bereich Heyen/Bremke und in Börry aus Harderode. Die jeweils unterschiedlichen Entsorger müssen die Kosten für ihr Gebiet anteilmäßig übernehmen.

Als Messstation dienen Sielhautträger, die an 30 Stellen im Kanalgebiet eingebaut wurden. Seit dem 4. Februar sammeln sie über acht Wochen sogenannte Sielhaut als Proben, über die das Cadmium nachwiesen werden kann. „Eine solche Maßnahme, oder Kampagne wie wir sagen, kosten rund 10 000 Euro. Insgesamt soll es drei Kampagnen geben, um verlässlich Werte zu bekommen“, bemerkt Dreyer. Zunächst hatte man vermutet, dass Kanalspülungen für die überhöhten Werte eine Erklärung wären, weil sie gesammelte Ablagerungen mit sich tragen könnten. „Wir spülen aber im Mai/Juni, und die hohen Werte treten im November/Dezember auf. Da dürfte kein Zusammenhang bestehen“, erklärt der Fachbereichsleiter. Die Messungen Ende Januar ergaben im größeren Klärschlammlager an drei von vier Sektoren wieder überhöhte Werte von 1,68 bis 2,31 mg/kg. Nur ein Sektor lag mit 1,18 mg/kg unter dem Grenzwert von 1,5 mg/kg. Auch beim kleineren Klärschlammlager, in dem Material bis zum Herbst gesammelt wurde, gibt es keine überschrittenen Grenzwerte. Dreyer: „Die unterschiedlichen Messwerte zeigen aber auch, dass das Kanalnetz unterschiedlich belastet ist.“

Weil der Klärschlamm nun nicht mehr auf landwirtschaftlichen Flächen entsorgt werden kann, muss er verbrannt werden. Von rund 350 Tonnen spricht Uwe Dreyer – und Mehrkosten von rund 22 000 Euro. „Mit den neuen Grenzwerten haben wir jetzt ein eindeutiges Problem, das verschiedene Ursachen haben kann. Wir wollen hoffen, dass wir sie schnell finden und gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen können“, stellte Ralf-Ulrich Böhm (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Gemeindewerke und Technik fest. Auch Rudolf Welzhofer (CDU) mahnte an, den Ursachen gezielt nachzugegehen und dann Ross und Reiter zu nennen. „Die Mehrkosten gehen sonst wieder zulasten der Verbraucher. Und das kann es doch nicht sein.“ Thomas Jürgens (Grüne) zeigte sich verwundert über die erhöhten Werte gerade zur Herbstzeit und regte an, hier einen Ansatz für die Ursachenermittlung zu suchen.

Info: Schon in kleinen Mengen schädlich

Selbst kleine Mengen Cadmium können Folgen unter anderem für die Atemwege haben. Das Umweltgift entsteht unter anderem bei der Düngemittelherstellung. Außerdem fällt es zum Beispiel als Nebenprodukt im Kupfer-Bergbau an. In der Europäischen Union ist Cadmium seit Ende 2011 in Schmuck und Kunststoff verboten. Etwa 95 Millionen Menschen auf der Welt sind einer Schweizer Studie zufolge unmittelbar von den sechs schlimmsten Umweltgiften bedroht. Die verheerendsten Auswirkungen habe in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen Blei.dpa



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