weather-image
22°
Bürgermeister betroffener Kommunen beklagen fehlende Unterstützung nach Atomausstiegsbeschluss

Bund und Land sollen AKW-Standorten helfen

Emmerthal (cb). Die Bürgermeister der Standortgemeinden mit kerntechnischen Anlagen fordern im Zuge des Atomausstiegs Unterstützung durch die Politik auf Bundes- und Landesebene. Sie werfen der Politik vor, mit zweierlei Maß zu messen. „Obwohl ebenfalls politisch abgewickelt, wird aufzulösenden Bundeswehrstandorten Kompensation versprochen, während den in unvergleichbar höherem Maße betroffenen Kernkraftwerksstandorten bislang jegliche Hilfe verwehrt blieb“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

veröffentlicht am 24.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:21 Uhr

270_008_5347823_lkae102_2403.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen in Deutschland (Asketa) unter Vorsitz von Wolfgang Mayer, Bürgermeister von Gundremmingen, wurde 1994 gegründet und vertritt derzeit 25 Kommunen mit kerntechnischen Anlagen, darunter 15 Kernkraftwerksstandorte. Unterstützt wird die Erklärung von Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann, der an der jüngsten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft aus terminlichen Gründen allerdings nicht teilnehmen konnte. „Wir müssen Laut geben, damit Bund und Land tätig werden“, sagt Grossmann, der im Vorfeld der Tagung den Teilnehmern seine wichtigsten Themen zukommen ließ. „Ich bin zufrieden, dass einige Anregungen aufgenommen worden sind.“

In der Erklärung beklagt die Asketa „weitreichende Konsequenzen“ des Atomausstiegs für die betroffenen Gemeinden mit kerntechnischen Anlagen. An jedem der Kraftwerkstandorte gingen pro Kraftwerksblock sukzessive Hunderte von direkten und indirekten Arbeitsplätzen verloren; nach Abschluss des Rückbaus oder beim sogenannten „sicheren Einschluss“ würden insgesamt viele Tausend hoch qualifizierte Arbeitsplätze viel früher als sicherheitstechnisch erforderlich abgewickelt sein. „Neben dem sozialen Kahlschlag ist damit ein immenser Verlust an Kaufkraft, Wertschöpfung und Steuereinnahmen verbunden, der von keiner Gemeinde aufzufangen und deutschlandweit mit mehreren Milliarden Euro zu beziffern ist“, so die Arbeitsgemeinschaft.

Auch Bürgermeister Grossmann erwartet, dass die Gemeinde Emmerthal von Bund und Land unterstützt wird. Als Beispiel nennt er, dass ein in Richtung Kraftwerk ausgewiesenes Gewerbegebiet finanziell gefördert werden könnte, um es zu erschließen und die Infrastruktur zu schaffen, etwa auch durch eine zusätzliche Abfahrt an der Bundesstraße. Grossman erinnert daran, dass die Landesregierung in Hannover jüngst das „Niedersächsische Energiekonzept“ beschlossen hat. „Um den Auswirkungen der beschleunigten Energiewende auf die Beschäftigten zu begegnen, gilt es die Kräfte von Beschäftigten, Wirtschaft und Politik zu bündeln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, um hoch qualifizierte Arbeitsplätze in Niedersachsen zu erhalten“, heißt es in dem Konzept. „Zudem setzt sich die Landesregierung dafür ein, dass die bisherigen Standorte der Kernkraftwerke künftig weiter als Standorte der Energiewirtschaft erhalten bleiben.“ Grossmann kündigte an, diese Äußerungen aus Hannover zum Anlass zu nehmen, in Kürze Stefan Birkner, Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, zu schreiben.

Außerdem beklagt die bundesweite Arbeitsgemeinschaft das „unwürdige Hickhack“ um die Endlagerung des Atommülls, das „nicht erst seit heute hauptsächlich auf dem Rücken der Gemeinden ausgetragen“ werde. Die jüngst bekannt gewordenen Pläne für Umbauten an den Zwischenlagern hat nach Einschätzung der Standortbürgermeister „wenig mit Terror-, aber viel mit Strahlenschutz zu tun, was auf stärkere Beanspruchung und längere Betriebsdauer hindeutet“. Sie befürchten, dass die Zwischenlager über die auf 40 Jahre befristete Genehmigung hinaus in Betrieb bleiben sollen. In der Asketa-Erklärung heißt es: „Damit sind die Gemeinden, die lange über die Kraftwerks- und Rückbauzeit hinaus ein atomares Zwischenlager auf ihrer Gemarkung haben, auf Jahrzehnte in ihrer Entwicklung blockiert.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare