weather-image
23°

Gemeinde muss 26 Bauwerke unterhalten / Experte: Jährlich 200 000 Euro notwendig

Brücken als Belastung

Emmerthal. Vor dem Hintergrund der bundesweiten Diskussion über marode Brücken wollte auch die Gemeinde Emmerthal wissen, wie es denn um den Zustand der gemeindeeigenen Straßenbauwerke bestellt ist. Das Ergebnis eines Ingenieurbüros lautet: Ein Großteil der 26 Brücken ist in einem zufriedenstellenden Zustand, aber vier Brücken müssen nicht nur saniert, sondern dringend erneuert werden. Angesichts eines Aufwandes von rund 900 000 Euro plus Planungskosten stellte Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) fest: „Dann müssen wir auch überlegen, ob wir nicht auf die eine oder andere Brücke verzichten können.“

veröffentlicht am 29.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:21 Uhr

270_008_6695806_lkae103_2910.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie Diplom-Ingenieur Marcel Matzerath vom der „Bockermann Fritze IngenieurConsult GmbH“ (Engern) erklärt, müssen bei einer Bauwerkshauptprüfung nach einem festgelegten DIN-Verfahren drei Hauptfaktoren von der Kommune berücksichtigt werden: Zum einen die Verkehrssicherheitspflicht, dann das Ziel, die Infrastruktur zu bewahren, und letztlich die Tatsache, dass hier Vermögensgegenstände nachhaltig bewirtschaftet werden sollten. Der Bauingenieur hat die 26 Brücken, die der Gemeinde gehören, unter die Lupe genommen. Alle Schäden – etwa Fahrbahnrisse, Betonabplatzungen, Beschädigungen am Fundament oder am Geländer und vieles mehr – wurden aufgenommen. Die Noten gehen von 1,0 („kein Handlungsbedarf“) bis 4,0 („sofortiger Handlungsbedarf, möglichst innerhalb von sechs Monaten“). Matzerath: „Die Brücken in Emmerthal erhielten im Durchschnitt die Note 2,6, was noch ausreichend ist und einen typischen Wert für eine Kommune bedeutet.“

Keine der Brücken landete bei der Bewertung in der ersten Gruppe, zwei kamen in die zweite Gruppe (1,5 bis 1,9), jeweils zehn in die Gruppen 3 und 4 (2,0 bis 2,4 und 2,5 bis 2,9), eine Brücke in die 5. Gruppe (3,0 bis 3,4) und drei in der letzten Gruppe (3,5 bis 4,0). An der Brücke über die Eisenbahnlinie Hameln–Bad Pyrmont im Bereich des Koppelwegs in Amelgatzen machte der Bauingenieur sein Vorgehen und das Zustandekommen der Note klar: „Diese Brücke mit der Note 2,5 ist in einem guten Zustand. Es gibt zwar Fahrbahnrisse, leichte Schäden am Beton oder an der Geländerbefestigung, die aber relativ einfach behoben werden können“, so der Ingenieur.

Welche Brücken sind aber so marode sind, dass sie dringend saniert werden müssen? Hierbei handelt es sich laut dem Fachmann um die Brücke am Pattweg in Grohnde (Note 3,2), um die Brücke über einen Grabenlauf von der Kreisstraße 37 in den Schlesierweg in Amelgatzen mit der schlechtesten Note (4,0) und um zwei Brücken in Börry im Verlauf der Straße „Am Bach“ über die Ilse. Dort gibt es in Höhe der Rosenstraße eine kleine Fußgängerbrücke, die erneuert werden müsse. Wobei sie laut Bürgermeister Grossmann verzichtbar sein könnte. Denn nicht mal 100 Meter weiter gibt es die – ebenfalls marode – Brücke zwischen den Straßen Worthweg und Niederbörry über die Ilse. Auf der ganzen Länge in der westlichen Seite ist der Beton abgeplatzt, liegen Stahlbewehrungen frei, hinzu kommen Schäden im Fundament sowie verschobene Grundsteine. „Dringend erneuern“, empfiehlt der Experte.

2 Bilder
In Börry an der Brücke über dem Bach Ilse sind die Schäden augenfällig (großes Foto). Andernorts wie in Amelgatzen (unten li.) sind Gewichtsbeschränkungen notwendig. Zu den Bauwerken im besseren Zustand zählt die Überführung der Gleise in Amelgatzen (unten re.). tis

Für den Neubau der Brücken errechnete Marcel Matzerath die Gesamtkosten in Höhe von rund 900 000 Euro, zu denen noch die Planungskosten hinzuzurechnen seien. Der Bauingenieur mahnte auch an, für die Unterhaltung der anderen 22 Brücken bis zu 30 000 Euro im Jahr vorzuhalten, sodass er, ausgelegt auf sechs Jahre, eine jährliche Belastung des Haushalts von 200 000 Euro als realistisch ansieht. Ralf-Ulrich Böhm (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Gemeindewerke und Technik, stellte aufgrund der Zahlen fest: „Nach dem Fass Straßen haben wir hier nun ein neues Fass Brücken aufgemacht.“ Und Rudolf Welzhofer (CDU) schloss sich der Meinung von Bürgermeister Grossmann an, zu überdenken, ob wirklich jede Brücke erhalten werden muss.tis



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?