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Behörde sperrt vorübergehend Einrichtung in Kirchohsen / Kontroverse: Was wird aus dem Zuschauerbereich?

Brandschutz legt Kreissporthalle in Emmerthal lahm

EMMERTHAL. Die Sperrung der Kreissporthalle in Kirchohsen lässt in der Gemeinde die Wellen hochschlagen. Zwar soll die Sportstätte ab Montag wieder genutzt werden können – allerdings nur eingeschränkt. Dabei geht es um die Zuschauerzahl, die auf 199 begrenzt werden soll. Bislang bot sie Platz für über 700 Besucher.

veröffentlicht am 16.08.2017 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 16.08.2017 um 17:58 Uhr

Wie geht es mit der Kreissporthalle weiter? Darüber entbrennt eine politische Debatte. Foto: wal
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Ob der Zuschauerbereich mit Tribüne weiterhin für Großveranstaltungen mit über 700 Besuchern genutzt werden kann, gilt derzeit als fraglich. Auch hier sind es die Gründe des Brandschutzes, weshalb der zuständige Landkreis gleichzeitig als Eigentümer der Halle die Reißleine zog, weil die Sicherheit nicht zu gewährleisten sei.

In der Emmerthaler Politik sorgten die jüngsten Entwicklungen für eine Kontroverse. Besonders CDU-Fraktionschef Rudolf Welzhofer, früher langjähriger Vorsitzender der TSG als Nutzer der Halle, macht sich dafür stark, die Sportstätte in der bisherigen Form weiternutzen zu wollen. Zwar sei der Brandschutz wichtig, doch, so grenzte Welzhofer ein: „Nicht immer mit den Maximalforderungen, die sich die Experten ausdenken.“ Der Ratsherr forderte im zuständigen politischen Fachausschuss der Gemeinde ein gemeinsames Vorgehen. Es „muss deutlich rüberkommen“, dass Emmerthal weiter eine Sporthalle mit den bisherigen Zuschauerkapazitäten für Vereinssport, Schule und Kultur benötige.

Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) warf Welzhofer vor, Emotionen und Ängste zu schüren. Die Halle liege nicht in der Verantwortung der Gemeinde, sondern des Landkreises. Deren Vertreter hätten zuvor bei einer Ortsbesichtigung die Situation in der Halle dargestellt. Es sei nicht fair, in der anschließenden Sitzung Fragen aufzuwerfen, ohne die Antworten des Landkreises zu nennen, warf der Bürgermeister dem CDU-Politiker vor. Zwar wisse jeder, dass Emmerthal durch die TSG als Handball-Hochburg auch mit Spielen vor über 199 Zuschauern bekannt sei, aber selbstverständlich würden die Brandschützer das letzte Wort haben, dass nicht mehr zugelassen würden, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet sei, entgegnete der Bürgermeister den Aussagen von Welzhofer.

Information

Kreis: Rettungswege fehlen

Die Kreissporthalle in Kirch-ohsen ist seit dem 21. Juli gesperrt. Als Grund nennt Sandra Lummitsch als Sprecherin der Kreisbehörde, dass die Sicherheitsbeleuchtung der Rettungswege saniert werden muss. „Diese Arbeiten sind allerdings in Kürze beendet, sodass die Halle ab Montag wieder freigegeben werden kann“, bestätigt sie. Geduld bleibt aber im Zuschauerbereich gefragt. Die Tribüne sei bis auf Weiteres gesperrt, weil keine gesicherten Rettungswege zur Verfügung stünden. Will heißen: Das Treppenhaus müsse ins Freie führen, gehe aber momentan ins Foyer. Die Umbauarbeiten sehen eine bauliche Trennung vor und den Einbau einer Brandschutztür. „Das Ende der Arbeiten hängt momentan von der Lieferung der Brandschutzelemente ab“, so Lummitsch. Sie verweist darauf, dass das Gebäude ursprünglich als klassische Schulsportstätte konzipiert worden sei, die Anforderungen sich aber geändert hätten – wie die Gesetze auch. Die Stichzahl bleibt: 199 Plätze – dann ist zunächst Schluss. Ein Brandschutzkonzept werde nun erarbeitet

Mit der Höchstgrenze bezog sich Grossmann auf rechtliche Regelungen. Eine Sportstätte gilt mit einem Fassungsvermögen von bis zu 199 Personen als Halle. Alles was darüber liegt, ist automatisch auch ein Veranstaltungsort. Und für diese Hallen gelten strengere Maßstäbe. In der Kreissporthalle sind bislang sogar Sitz- und Stehplätze für weit über 700 Zuschauer ausgewiesen.

SPD-Ratsfrau Ruth Leunig, gleichzeitig stellvertretende Landrätin, verwies ebenfalls auf den geringen Einfluss der Gemeinde. Sie habe sich aber noch in den Ferien umgehend an die zuständigen Stellen des Landkreises gewandt, nachdem sie vom TSG-Vorsitzenden Stephan Kutschera – gleichzeitig verantwortlich für die Handball-Sparte – über die Probleme mit der Halle informiert worden sei. „Wir waren auf einem guten Weg“, meinte Leunig. Dann aber seien weitere Mängel festgestellt worden. Sie habe Verständnis dafür, wenn die Verantwortlichen dort Gefährdungen im Brandfall ausschließen wollten. Gleichzeitig habe sie Verständnis für die Vereine, die die Halle nutzen wollten. Der Landkreis sei inzwischen den Nutzern weit entgegengekommen. Es handele sich aber um eine Schulsporthalle auf hohem Level. Sie wisse nicht, wie die Parteien auf Kreisebene mit ebenfalls finanziellen Problemen reagieren würden, wenn es nun mit Blick auf den Brandschutz „um viel Geld gehen sollte“, sagte Leunig – und befürchtet Verzögerungen.

Welzhofer bezeichnet eine Zahl von 600 bis 700 Zuschauern aber als notwendig – nicht zuletzt nach dem Aufstieg der TSG-Handballer in die Verbandsliga, aber auch schon zuvor durch international besetzte „hochrangige“ Turniere. Und für diese Kapazität müssten sich alle Beteiligten in der Gemeinde gemeinsam einsetzen, meinte der Christdemokrat. Welzhofer: „Es kann nicht sein, dass andere Kommunen besser behandelt werden.“

Bürgermeister Grossmann verwies darauf, dass die Landkreis-Vertreter die Anregungen aus dem Ortstermin prüfen würden – auch die Zahl von mehr als 199 Zuschauerplätzen. Irgendwann werde es verschiedene Planungsvarianten mit unterschiedlichen Kosten geben. Dann werde darüber entschieden, meinte Grossmann. „Aber nicht in Emmerthal.“

Mein Standpunkt
Christian Branahl
Von Christian Branahl

Na klar. Es kommt derzeit geballt mit den Konsequenzen, die sich durch den Brandschutz ergeben – auch in Emmerthal. Ob im Dorfgemeinschaftshaus Emmern oder in der Sporthalle als zwei aktuelle Beispiele. Eine Zwickmühle: Man mag manche Forderungen an die Sicherheit für übertrieben halten – aber wer will die Verantwortung übernehmen?



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