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Dewezet-Serie „Kleine Museen auf dem Lande“: Heute „Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont“

Brandschutz anno dazumal

KIRCHOHSEN. Der Name lautet schlicht „Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont“. Ebenso gut könnte an seiner Stelle aber auch eine Art „ Warnhinweis“ stehen: „Wenn Sie‘s noch nicht sind, hier könnten Sie‘s werden – Feuerwehr-Enthusiast!“ Denn bereits kurz nach dem Betreten beginnt das große Staunen, unmittelbar gefolgt von blitzartig entflammtem Interesse am Feuerwehrwesen, das in dieser Einrichtung in nahezu seiner gesamten Bandbreite dargestellt wird. Auch das „Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont“ im Emmerthaler Ortsteil Kirchohsen gehört zu den kleinen, aber feinen Museen, die in der Region Weserbergland zu finden sind und im Rahmen einer ihnen gewidmeten Dewezet-Reihe vorgestellt werden.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 17.05.2018 um 19:05 Uhr

In Reih und Glied stehen die Kleiderpuppen mit Uniformen aus den Jahren 1900 bis 1980. Auch Braun war als Uniformfarbe bei den „Blauröcken“ zeitweise durchaus angesagt. Foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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„Paulinchen war allein zu Haus, die Eltern waren beide aus...“. Auch „Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug“ ist in einer Glasvitrine im Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont ausgestellt und kann dort in voller Länge nachgelesen werden. Vielleicht dient sie ja nur als farbige Illustration in diesem ansonsten als Hort historischer Dokumente dienenden Schaukasten. Das Älteste davon stammt übrigens aus der Zeit kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs und ist eine Feuerverordnung von 1652. Sicherlich aber kann die schaurige Begebenheit, von der Dr. Heinrich Hoffmann in seinem „Struwwelpeter“ erzählt, als ein frühes Beispiel für Brandschutzerziehung gelten, die in dem Museum selbstverständlich ebenfalls thematisiert wird.

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Feuerwehrmuseum in Kirchohsen
Quelle: br

In erster Linie aber geht es um Feuer, um Brände und die von ihnen verursachten Schrecken – und natürlich um die Bekämpfung solch alles verzehrender Flammen. Das ist nun alles andere als erheiternd. Ganz im Gegenteil, das ist erschreckend, bedrückend, manchmal sogar beängstigend. Gleichzeitig ist es aber auch äußerst faszinierend und nicht zuletzt sehr lehrreich.

Da zeigt sich zum Beispiel in einer Parade von Uniformen aus der Zeit von 1900 bis 1980, dass die heute gern auch als „Blauröcke“ titulierten Feuerwehrleute keineswegs immer blau gekleidet waren. Da gab es um 1920 braune Uniformen, „die übrigens auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch im Einsatz waren“, wie Christoph Kather, gemeinsam mit Helmut Krogmeyer Leiter des Museums, erläutert. Ganz bewusst weist der Aktive Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Kirchohsen in diesem Zusammenhang auch auf die Hakenkreuz-Aufnäher an etlichen Uniformröcken hin und erklärt: „Selbstverständlich geht es hier nicht etwa um die Zurschaustellung von Nazi-Symbolen. Die Aufnäher sind vielmehr Teil der historischen Wahrheit, denn sie waren in den Jahren der NS-Gewaltherrschaft unverzichtbarer Bestandteil auf jeder Feuerwehr-Uniform.“ Gerade angesichts vermehrt auftretender rechter Umtriebe ist Christoph Kather diese Erläuterung bei seinen Führungen wichtig, bevor er das Interesse der Museumsbesucher auf die nächsten Exponate lenkt.

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Auch darunter gibt es manch Erstaunliches, wenn nicht gar Erschreckendes, wie etwa eine frühe Atemschutzmaske aus Asbestgewebe oder den Rettungsanzug für Babies und Kleinstkinder. Die Gedanken, die bei deren Anblick aufkommen, sind bedrückend, gleichwohl mischt sich unter sie die Erkenntnis, dass sie und mancherlei andere skurril anmutende Hilfsmittel so manches Menschenleben gerettet haben. In der Abteilung mit den Gerätschaften, wie sie einstmals zur Brandbekämpfung beziehungsweise erst einmal zum Vordringen zum Brandherd dienten, kann man dann wieder durchatmen, ja, beim Besichtigen der langen Reihe von Feuerwehrhelmen sogar lächeln – wenn auch, beim Anblicke jener ausladenden und aus schlichtem Kunststoff gefertigten Helme aus USA eher mitleidig. Schließlich sollen sich amerikanische Feuerwehrmänner damit bei der Bekämpfung ausgedehnter Waldbrände vor sie umzingelnden Flammen schützen.

„Feuerwehr-Folklore“ wird also wahrlich nicht dargestellt, dafür aber ungeschminkt und ausführlich über Brandbekämpfung von ihren Anfängen bis in die heutige Zeit informiert. Übrigens: historische Feuerwehrfahrzeuge gibt es im Kirchohsener Museum nicht zu bewundern. „Dafür fehlt uns einfach der Platz“, begründet Christoph Kather das; aber an der Vitrine mit den Modellautos bleibt garantiert jedes Jungenauge kleben.

Information

Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont

Noch immer denken Christoph Kather und sein Mitstreiter Helmut Krogmeyer mit Wehmut, aber auch mit Dankbarkeit an ihren früheren „Chef“ Dieter Wortmann. Denn der langjährige Kreisbrandmeister war es, der das „Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont“ im Jahr 2009 gegründet und anschließend geleitet hatte. Nach seinem Tod Mitte Februar dieses Jahres sind Kather und Krogmeyer in die Bresche gesprungen und haben gemeinsam die Museumsleitung übernommen, was für beide mit viel Arbeit und einem beachtlichen Lernpensum verbunden war und teilweise auch noch ist.

Diesem Umstand, nicht zuletzt aber auch der Pietät ist es geschuldet, dass sich die Kirchohsener Einrichtung in diesem Jahr nicht an der für Samstag, 16. Juni, geplanten Museumssommernacht des Dachverbands „Museumslandschaft Hameln-Pyrmont“ beteiligen wird. Vielmehr ruht das Augenmerk des neuen Leitungsteams derzeit auf der Suche nach weiteren Mitstreitern, denn das Museum wird ehrenamtlich, mithin in der Freizeit der Aktiven geführt. „Kameradinnen und Kameraden, die Lust haben, historische Dokumente und Gegenstände für die Zukunft zu bewahren, Führungen zu leiten, sowie aktiv am Fortbestand des Museums mitzuwirken, sind willkommen“, lautet ein Aufruf von Christoph Kather.

Derzeit hat das Museum noch keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Stattdessen können Führungen, die übrigens jeweils auf das Alter der Teilnehmer abgestimmt werden, also auch für Kinder und Jugendliche geeignet sind, unter Telefon 0162/200 51 88 vereinbart werden – „auch kurzfristig“, betont Christoph Kather.

Die Einrichtung befindet sich auf dem Gelände der Feuertechnischen Zentrale des Kreisfeuerwehrverbands Hameln-Pyrmont in Emmerthal-Kirchohsen, Reherstraße 15. Parkplätze sind auf dem Gelände vorhanden. Eintrittsgeld wird nicht erhoben, Spenden, die unter anderem helfen sollen, wichtige Anschaffungen, wie die weiterer Schau-Schubladenschränke zu finanzieren, werden hingegen gern angenommen.

Weitere Informationen finden interessierte im Internet unter: www.museum.kfv-hm-py.de.

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