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Udo Wollenhaupt erreicht sechsten Platz bei Europameisterschaft in Frankreich

Bonsaibäume auf internationaler Bühne

Emmerthal. Bäume gibt es in der Gemeinde Emmerthal reichlich. Einige davon sind so markant, dass sie wohl jeder schon einmal aufgrund ihrer Stattlichkeit oder Einzigartigkeit wahrgenommen hat. So wie die wuchtige Hängebuche auf dem Kirchohsener Friedhof, die als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Oder den eigentlich in China heimischen Taubenbaum im Ohrbergpark, an dem in seiner Blütezeit von Mai und Juni Tausende von taschentuchähnlichen weißen Hochblättern hängen und ihm dadurch auch den Namen Taschentuchbaum geben. Doch es gibt in Emmerthal auch Bäume, von denen einige die Größe eines Taschenbuchs kaum überschreiten, aber es zu einem großen Auftritt auf internationaler Bühne geschafft haben: Bonsaibäume aus Grohnde. Udo Wollenhaupts große Leidenschaft ist die Bonsaizucht beziehungsweise die Bonsaigestaltung. Der 54-jährige Grohnder errang 2012 in Orscholz an der Saar den Sieg im „New Talent“ Wettbewerb, den der Bonsai Club Deutschland ausgetragen hatte.

veröffentlicht am 18.04.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:02 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Ein alter Hase der Bonsaigestaltung als „New Talent“. „Das Talent ist der Schneider, der Schnippler an der Pflanze, nicht das Gewächs“, erklärt Wollenhaupt. Jetzt vertrat der Emmerthaler die deutschen Farben bei der Europameisterschaft der Bonsaigestalter im französischen Audincourt. Vier Stunden hatten Wollenhaupt und seine 15 Mitstreiter im Elsass Zeit, um einen ihnen zugelosten chinesischen Wacholderstrauch mit einem halben Meter Durchmesser bonsaitechnisch zu gestalten. Vier Stunden Beschneiden, Verdrahten und Bearbeiten der sichtbaren Wurzeln. Und so, dass dem Betrachter klar wird, wo der Weg der Bearbeitung hinführen wird.

„Bewertet wird nach Sauberkeit. Wie ist er aufbereitet nach Jin und Shari, dem Totholz am Bonsai? Und der Baum muss immer überlebensfähig sein“, erklärt der „New Talent 2012“-Titelträger. „Wir haben einen Baum bekommen, den man in den vier Stunden nicht schaffen kann“, so Wollenhaupt weiter. Die knappe Zeitvorgabe sorgte dafür, dass der Grohnder einen Ast entfernte, den er eigentlich noch bearbeiten wollte. „Ärgerlich. Wenn ich den Ast drangelassen hätte, hätte der Bonsai genauso ausgesehen wie der, der dann den ersten Platz belegte“, erzählt Udo Wollenhaupt. So wurde der Lichtberater im Außendienst Sechster in der internationalen Konkurrenz.

„Ich kann immer wieder sagen: Bonsai heißt nicht klein, sondern Baum in Schale oder Baum auf Tablett“, betont Wollenhaupt. Sechs seiner derzeit 122 Bäume in Schalen, allesamt feinsäuberlich katalogisiert und akribisch genau gezeichnet, hat der Gestalter mit von der Weser in das Elsass für eine Display-Präsentation mitgenommen: Shohin, Bäume mit maximal 26 Zentimeter Größe, darunter einen Dreispitzahorn und einen Wacholderstrauß.

„Meinen Sie, ich bin senil?“ Mit einem Zitat des japanischen Bonsai-Meisters Masahiko Kimura antwortet Wollenhaupt auf die Frage, ob er mit seinen Pflanzen bei deren Pflege auch redet. „Natürlich ,spricht‘ der Baum mit mir und zeigt mir was“, spricht der Züchter aus Grohnde an, wie er von der Pflanze erfährt, wie der vorgegebene Weg der Bearbeitung weiterzuführen ist.

Über ihre eigenen Bonsais sprechen, Pflegetipps einholen oder einfach nur die Pflanzen anerkannter Bonsaigestalter auf sich wirken lassen können Interessierte im Herbst in der Aerzener Domänenburg. Vom 20. bis 22. September findet dort im Gewölbekeller und im Eingangsbereich eine Ausstellung des Bonsaiarbeitskreises Weserbergland statt. Er ist dann Ausrichter der ersten Ausstellung im norddeutschen Raum für die „Kleinsten der Kleinen“ – Bäume also bis gerade einmal 26 Zentimeter Höhe.

Seit 1995 beschäftigt Udo Wollenhaupt sich intensiv mit der aus Fernost stammenden Bonsaikultur. Im Vorjahr gewann der Grohnder den Titel „New Talent“ an der Saar, nun trat er mit 15 Mitbewerbern im französischen Audincourt an – und belegte den sechsten Platz. fn

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