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Zwischen Baum und Borke

Bente: Problem mit Denkmalschutz

HAJEN. „Ich bin da etwas blauäugig herangegangen und habe mir das Thema Denkmalschutz nicht so kompliziert vorgestellt“, sagt Bäckerei-Inhaber Wilhelm Bente. Gerne würde er die Produktionsstätte der Bäckerei an der Thingstraße erweitern, denn sowohl die Mitarbeiterzahl als auch die die Produktion haben zugenommen.

veröffentlicht am 15.08.2017 um 13:14 Uhr
aktualisiert am 15.08.2017 um 17:26 Uhr

Seit zwei Wochen wird der marode Fachwerkbau vollständig entkernt. Bäckerei-Inhaber Wilhelm Bente zeigt einen der maroden Balken. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Deshalb hat der Bäckermeister vor drei Jahren das nebenan gelegene Fachwerkhaus gekauft, um es abreißen zu lassen und Platz für einen Neubau zu schaffen. Eine zusätzliche Halle mit einer Backstube, Sozialräumen für die Mitarbeiter und einem Spülraum hatte Bente auf dem Grundstück geplant. Leider hatte er die Rechnung ohne die Denkmalschützer gemacht: Schon beim ersten Treffen hatte die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Hameln-Pyrmont klar gemacht, sowohl das Haus als auch die dahinter liegende Scheune seien erhaltenswert, deswegen dürfe die etwa 300 Jahre Immobilie nicht abgerissen werden, auch nicht, wenn die Fassade dabei erhalten bleiben würde.

Vorwürfe macht Bente der Behörde nicht, denn die würde ja nur geltendes Recht umsetzen. Auch seien die Verantwortlichen sehr gesprächsbereit gewesen, nachdem die Wirtschaftsförderer zu einem Runden Tisch in der Angelegenheit eingeladen hatten, ihre Meinung geändert haben sie aber nicht. Bentes Problem ist nun: Er besitzt ein Haus, das vollkommen marode und für die Bäckerei-Erweiterung größtenteils ungeeignet ist, das er aber andererseits auch nicht abreißen darf. Wegen der Raumaufteilung und der niedrigen Decken würde die Backstube darin keinen Platz finden und dann auch nicht den Brandschutzvorschriften entsprechen, sagt er.

In der Denkmalpflege ist verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist .Jürgen.

Jürgen Doormann, Architekt

Die Vorbesitzer hätten über die Jahrzehnte allerhand Baumaßnahmen durchgeführt, die seien allerdings nicht fachgerecht gewesen und hätten den Zustand des Gebäudes zum Teil noch verschlechtert, klagt Bente. Im Ergebnis seien Holzbalken marode, die Fußböden kaputt und der Dachboden könne nur unter Gefahr betreten werden. Allenfalls die geplanten Sozialräume für die Mitarbeiter könnten nach einer vollständigen Sanierung notfalls im Gebäude eingerichtet werden.

Seit zwei Wochen wird der marode Bau nun vollständig entkernt. Erst danach könne man sehen, wie es um die Substanz des Hauses steht, sagt Bente. Seine Hoffnung ist, dass nach der Entkernung durch eine „Unwirtschaftlichkeitsprüfung“ bescheinigt werden kann, dass der Investitionsbedarf bei einer Sanierung bemessen an den zu erwartenden Einnahmen unverhältnismäßig ist. Denn die gesamte Sanierung würde „einen hohen sechsstelligen Betrag“ kosten, schätzt er. Im Falle einer bescheinigten Unwirtschaftlichkeit der Renovierung dürfte er das Haus eventuell doch abreißen lassen.

„Was am Ende dabei rauskommt, steht in den Sternen“, sagt Architekt Jürgen Doormann, der sich als Spezialist für Fachwerkhäuser mit der Immobilie befasst. Die Untere Denkmalschutzbehörde müsse sämtliche Maßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden im Einzelfall prüfen. „In der Denkmalpflege ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist“, erklärt er. Die rigiden Regelungen würden deshalb in den Dörfern häufiger zu leer stehenden, maroden Häusern führen, weil sich eine denkmalschutzgerechte Renovierung für die Besitzer einfach nicht lohnen würde. Um dem entgegenzuwirken, gebe es aber mittlerweile einen Prozess des Umdenkens bei den Verantwortlichen.

Wilhelm Bente weiß nun nicht, worauf er sich einstellen muss. Vor Ende des Jahres sei nicht mit einer finalen Entscheidung der Denkmalschutzbehörde zu rechnen, meint er.



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